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Warum die Gehirne von Mann und Frau unterschiedlich ticken

Unterscheiden sich Frauen von Männern ausschließlich in der Gebärfähigkeit? Oder bestehen andere Unterschiede, etwa seelischer Natur? Drei Autoren haben in einem Buch die gängigen Thesen des "Gender Mainstreaming" angegriffen, das versucht, Hierarchien in der Gesellschaft abzubauen, in dem die Unterschiede der beiden Geschlechter nivelliert werden.
Von PRO

Foto: josef_moffett (CC-BY-NC-SA) / "Logos Editions"

Der englische, aber mittlerweile eingedeutschte Begriff "Gender" bezeichnet das soziale oder psychologische Geschlecht einer Person im Unterschied zu ihrem biologischen Geschlecht (Englisch: sex). Nach der Ideologie des "Gender Mainstreaming" soll sich jeder Mensch sein Geschlecht selber aussuchen. So meinen Verfechter dieser Ideologie, die sich teilweise in politischen Programmen der Bundesrepublik und der EU wiederfinden, "Geschlecht" sei ein Hinweis auf Unterschiedlichkeit und Unterschiedlichkeit sei immer ungerecht.

Dass sich Männer und Frauen schon rein physiologisch unterscheiden und dadurch jede Menge Unterschiede im Verhalten erklärt werden können, wollen die drei Autoren Manfred Spreng, Harald Seubert und Andreas Späth darlegen. Ihr Buch trägt den unmissverständlichen Titel "Vergewaltigung der menschlichen Identität – Über die Irrtümer der Gender-Ideologie".

Andreas Späth, der Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit studierte, berichtet von einem Experiment des Psychologen John Money im Jahr 1967, das eigentlich zeigen sollte, wie leicht die Idee der Geschlechtergleichheit demonstriert werden könne. Er unterzog den knapp zwei Jahre alten Jungen Bruce Reimer einer Geschlechtsumwandlung. Dieser wurde dann Brenda genannt und als Mädchen erzogen. Doch das Experiment schlug fehl, denn Brenda spielte lieber mit Jungs-Spielzeug. Als er im Alter von 14 erfuhr, dass er als Junge auf die Welt gekommen war, ließ er die Geschlechtsumwandlung rückgängig machen. Im Jahr 2004 verübte er Selbstmord.

Hinter dem "Gender Mainstreaming" stecke der Versuch, Hierarchien abzuschaffen, indem man beide Geschlechter gleich mache, so Andreas Späth. "Das klingt etwas wie die Heilung von Kopfschmerzen mit Hilfe der Guillotine." Jungen und Mädchen, Frauen und Männer sind eben anders!, so könnte man als Fazit das Buch zusammenfassen. In ihrer äußeren Erscheinung, im Hormonsystem, in ihren Gefühlen, in ihrer Gehirnstruktur und so weiter.

"Sexuelle Vielfalt" schon im Grundschulalter

Mädchen können gut auswendig lernen, Jungen wollen lieber den Sinn verstehen, so gibt Späth die Berichte von vielen Lehrern wieder. Jungen tendierten dazu, sich raufen zu wollen oder hätten einen größeren Bewegungsdrang – was häufig als Disziplinlosigkeit ausgelegt werde. "Nicht zufällig stellen Jungen rund zwei Drittel der Klientel von Jugendpsychiatern und Erziehungsberatungsstellen", heißt es in einem "Zeit"-Artikel vom August 2011. Späth sieht in der Egalisierung oftmals eine "politische Geschlechtsumwandlung". In Berlin sollen sogar Grundschulen auf "sexuelle Vielfalt" hinweisen und vermitteln, dass das "klassische Vater-Mutter-Kind-Schema" veraltet sei. Angesichts von Unterrichtsfächern, wo schon Jugendlichen erklärt werden muss, was Darkrooms sind, schreibt Späth: "Man kann Eltern eigentlich nur noch die Gründung von Privatschulen empfehlen."

Auch werde seit Jahrzehnten versucht, über eine "linguistische Therapie" die Sprache derart zu verändern, dass Unterschiede zwischen Mann und Frau immer weiter nivelliert würden. Dadurch würde das Konzept der Familie immer unschärfer.

Die Gehirne von Mann und Frau unterscheiden sich

Manfred Spreng, Universitätsprofessor und Leiter der Abteilung Physiologische Akustik und Informatik am Institut für Physiologie und Biokybernetik der Universität Erlangen-Nürnberg, erläutert, dass Unterschiede zwischen Mann und Frau schon im Gehirn sichtbar seien. Der Hypothalamus im Zwischenhirn etwa sei bei Männern im Kern größer ausgebildet als bei Frauen. Eine Folgen davon sei, dass der "Langsamer-Wellen Schlaf" (SWS) bei Frauen geringer auftrete. Manche Forscher sehen darin einen Grund für das häufigere Auftreten von Depressionen bei Frauen als bei Männern. Eine weitere mögliche Folge könne ein nachweisbar besseres prozedurales Gedächtnis bei Frauen sein.

Auch die Amygdala (Mandelkern) weise bei Männern im Durchschnitt ein größeres relatives Volumen auf. Frauen hingegen haben "größere relative Volumen in frontalen und medialen paralimbischen Kortexbereichen". Spreng über mögliche Folgen: "Etwa doppelt so viele Frauen wie Männer leiden unter Phobien." Frauen speicherten tendenziell mehr die Details eines emotional erregenden Ereignissen, während Männer eher die allgemeinen Zusammenhänge erinnerten. Auch Essstörungen, die deutlich häufiger bei Frauen als bei Männern auftreten, könnten anhand von Unterschieden in der Gehirnstruktur erklärt werden. Das Corpus Callosum, die Verbindungsbrücke zwischen den beiden Gehirnhälften, ist im Durchschnitt bei Frauen um 23 Prozent dicker als bei Männern. Die Folge ist laut Spreng eine häufigere Sprachbegabung bei Frauen als bei Männern. Auch dass Männer statistisch häufiger unter Stottern leiden als Frauen, ließe sich am Gehirn erklären.

Spreng betont, dass die physiologischen Unterschiede keinesfalls Vor- oder Nachteile darstellten, sondern lediglich unterschiedliche Arten der Problembewältigung. Frauen und Männer ergänzten sich eben: Detailwahrnehmung ergänze die Zusammenhangswahrnehmung; rasche Signalverarbeitung ergänze gutes Ortungsvermögen; ein hohes Maß an Empathie ergänze räumliches / handwerklich gerichtetes Vermögen und so weiter. Wenn Frauen eher emotional begabt sind und Männer eher logisch-analytisch, oder wenn Frauen häufiger sprachbegabt sind als Männer, Männer aber oftmals in Mathematik und Naturwissenschaft glänzten, liegt die Frage nahe: Vielleicht hat sich der Schöpfer etwas beim Unterschied zwischen Mann und Frau gedacht? (pro)

Manfred Spreng, Harald Seubert, Andreas Späth: "Vergewaltigung der menschlichen Identität – Über die Irrtümer der Gender-Ideologie".
Verlag "Logos Editions", November 2011,
96 Seiten, mit vielen Abbildungen, 5,80 Euro
ISBN  978-3981430325

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