Auch eineinhalb Wochen, nachdem zehntausende überwiegend männliche, junge Marokkaner in die spanische Exklave Ceuta schwammen, sind noch viele Fragen offen. Wer oder was hat diesen plötzlichen Aufbruch ausgelöst? Waren es Fake News in Chatgruppen, die Grenze nach Spanien sei quasi offen? Welche Rolle spielte ein spanisches Gerichtsurteil gegen pauschale Zurückweisungen an der Grenze? War es die liberale Migrationspolitik der linken Regierung Spaniens? Oder gar Putin?
Klar ist immerhin: Es gibt bei diesem Vorgang so gut wie nur Verlierer. Zunächst sind es natürlich die Menschen, die bei ihrem Fluchtversuch ertrunken sind. Es könnten um die einhundert Personen gewesen sein. Niemand hat dieses Schicksal verdient.
Aber auch Spanien, Marokko und die gesamte EU gehen aus diesem ernsten Vorfall als Verlierer nach Hause. „Wenn das ein hybrider Angriff gewesen wäre, um Europas Entschlossenheit, Zusammenhalt und Reaktionsfähigkeit zu testen“, so der Politologe Carlo Masala, „dann hat Europa den Test nicht bestanden.“
Recht hat er.
Statt geschlossen zu klären, ob Marokko Menschen gezielt als politisches Druckmittel eingesetzt hat, stritten die Regierungen sofort über Spaniens Migrationspolitik.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni führte Grenzkontrollen für Einreisende aus Spanien ein und stellte den migrationsfreundlichen Kurs des spanischen Ministerpräsidenten Sánchez als Sicherheitsrisiko dar. 22 EU-Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), warfen Sánchez vor, durch seine liberale Politik einen Sog erzeugt zu haben.
Unabhängigen christlichen Journalismus häufiger bei Google sehen
PRO bei Google bevorzugenUnd natürlich schürten die Bilder aus Ceuta auch in der hiesigen Bevölkerung Ängste. Würde sich 2015 wiederholen? Dazu passte, dass auch die Medienberichterstattung ähnlich war wie die zur Flüchtlingskrise in den vergangenen elf Jahren: Während die einen fragten, wann die Marokkaner Deutschland erreichen, berichteten die anderen von „Migrant:innen“ auf dem Weg nach Ceuta – während auf den Bildern ausschließlich junge Männer zu sehen waren.
Wenn die Ceuta-Krise wirklich ein Test war, sollten alle Beteiligten davon lernen: Wir brauchen eine einheitliche europäische Flüchtlingspolitik, hinter der alle Länder stehen – und die sie auch durchsetzen. Wenn es Probleme gibt, werden sie hinter verschlossenen Türen besprochen. Und Medien sollten sich mit Panikmache zurückhalten.
Am Ende profitieren von alledem nämlich nur die, die Europa destabilisieren und spalten wollen. Mögen sie dabei scheitern.