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„Vorläufig tiefergelegt“

Ein schwererer Verkehrsunfall vor über zwei Jahren veränderte das Leben von Matthias Netwall massiv. „Vorläufig tiefergelegt“ ist Netwall seitdem und an den Rollstuhl gefesselt. Im Rahmen der Allianzkonferenz berichtete er über die Folgen des Unfalls – und warum er trotzdem nicht aufgehört hat, auf Gott zu vertrauen.
Von PRO
Einen beeindruckenden Einblick in sein Leben als Querschnittsgelähmter gab Matthias Netwall im Rahmen der Allianzkoferenz in Bad Blankenburg

Foto: pro / Norbert Schäfer

Einen beeindruckenden Einblick in sein Leben als Querschnittsgelähmter gab Matthias Netwall im Rahmen der Allianzkoferenz in Bad Blankenburg
Sehr persönlich und eindrücklich war das, was Matthias Netwall berichtete. Der Referent spielte mit offenen Karten, sprach über seine Angst vor dem Sterben, warum er von Gottes Taten redet und es für Männer nicht leicht ist, persönlich über ihre Gefühle zu sprechen. Im Sommer 1998 begann Netwall mit anderen Mitarbeitern eine missionarische Aufbau-Arbeit in Rumänien. Mit 80.000 D-Mark aus einer Spendenaktion begannen sie damit, eine Kirche aufzubauen und eine Partnerschaft mit den Menschen zu beginnen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Seitdem sei die Zahl der Gemeinden von 120 auf 900 Gemeinden angewachsen.

9 von 10 Menschen überleben nicht

Am 13. Januar 2013 ist Netwall auf dem Weg zu einer Konferenz nach Rumänien. Ein LKW erfasst den stehenden Kleinbus, in dem Netwall sitzt. Er überlebt den Crash schwer verletzt. Sein Aufenthalt im Krankenhaus nimmt Netwall als Pendeln zwischen Leben und Tod wahr. „Am Leben erhält mich die Nähe zu meiner Familie, die immer wieder am Krankenbett sitzen.“ 9 von 10 Leuten überlebten einen Riss in der Aorta nicht, erzählt er. Zahlreiche Operationen und Rippenbrüche seien noch hinzugekommen. Bald steht auch eine andere Diagnose fest: Querschnittslähmung. Er habe Beine, die nicht zu ihm zu gehören scheinen. Nach drei Monaten verlässt der Familienvater erstmals die Reha. Nach dem Warum habe er kaum gefragt, weil dies lähme und in die Vergangenheit blicke: „Bei viel Leid läuft die Frage nach dem Warum ins Leere. Lasst uns das auch dann fragen, wenn es uns gut geht. Unsere Gesundheit ist kein Selbstverständlichkeit, sondern ein Geschenk.“

„Ich möchte einem Wunder nicht im Weg stehen“

Netwall warnte davor, Gott in menschliche Köpfe zu pressen. „Ich vertraue Gott, auch wenn ich ihn nicht verstehe und er scheinbar verborgen bleibt.“ Er habe gelernt, das zu genießen, was zu genießen geht. „Ich wollte mich nicht einengen oder behindern lassen, sondern das testen, was geht.“ Netwall spannte den Bogen zu den Behinderungen anderer Menschen, die sich darin äußerten, andere in Schubladen zu stecken oder an ihrem eigenen Perfektionismus scheitern. Er berichtete aber auch über die Tücken des Alltags: Einem medizinischen Wunder wolle er nicht im Wege stehen. „Kann ich nur gut leben, wenn ich in das einwillige, was jetzt dran ist?“, fragte er das Publikum. „Das Leben hier ist nur vorläufig. Obwohl mich andere als Looser sehen, bin ich schon jetzt heimlicher Sieger und mein Sieg ist perfekt. „Ich muss nicht alles rausreißen und du auch nicht. Das Leben ist schön und Gott ist gut.“ Natürlich zweifele er auch an seinem Selbstwert. Als ausgebildeter Coach aber habe er Menschen dabei geholfen, ihre Begabungen und Wege zu entdecken. „Ich kann der sein, der ich bin, mit Gaben und Grenzen, auch wenn das schwierig zu buchstabieren ist.“ Den Gemeinden empfahl er, darüber nachzudenken, wie sie Menschen mit Behinderungen in den Blick nehmen können. Den Zuhörern gab Netwall mit auf den Weg: „Es wäre schön, wenn durch Dich etwas von Gottes Liebe in der Welt deutlich wird.“ Begleitet wurde die Veranstaltung mit Instrumentalstücken der Pianistin Ann-Helena Schlüter. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/detailansicht/aktuell/mit-muslimen-auf-augenhoehe-diskutieren-92998/
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