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Von Jürgen Mette: Ein Brief an Franklin Graham

Franklin Graham, der Sohn des weltbekannten Evangelisten Billy Graham, beklagt sich über Prominente, die ihre Zweifel öffentlich gemacht haben. pro-Kolumnist Jürgen Mette schreibt ihm einen Brief – und hat einen besonderen Rat für Graham.
Von PRO
Viele Jahre leitete der Theologe Jürgen Mette die Stiftung Marburger Medien. Sein Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“ schaffte es 2013 auf die Spiegel-Bestsellerliste. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Foto: pro/Jürgen Mette

Viele Jahre leitete der Theologe Jürgen Mette die Stiftung Marburger Medien. Sein Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“ schaffte es 2013 auf die Spiegel-Bestsellerliste. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Wenn Prominente sich öffentlich zum Glauben an Jesus Christ bekennen, dann rauscht es im christlichen Medienwald. Ob Jürgen Klopp vom FC Liverpool das nebenbei lässig einfließen lässt oder Bernhard Langer, einer der fünf besten Golfer der Welt, sein Bekenntnis korrekt und nicht hinterfragbar vorträgt, oder ob Bob Dylan was von „born again“ nuschelt oder Cliff Richard bei Billy Grahams „Crusades“ mitwirkte, wir waren jedenfalls stolz, dass sich internationale Stars als unsere Glaubensgeschwister zeigten. Und als der US-Astronaut James Irwin als der achte Mensch auf dem Mond spazieren ging und später dann mit evangelistischen Vorträgen durch Deutschland tourte, das war schon eine schöne Bestätigung dafür, dass wir mit unserer Art zu glauben, nicht auf dem Holzweg waren. Das waren Köpfe, die nicht nur in der christlich-konservativen Presse, sondern in den großen und einflussreichen Zeitungen und Sendern ganz vorn positioniert waren.

Was aber, wenn Prominente und Normalos ihren Glauben verlieren? Vor kurzem hatte einer der führenden Musiker und Liedermacher der evangelikalen Hillsong-Bewegung in Australien, Marty Sampson (Sydney), öffentlich bekannt, in einer tiefen Glaubenskrise zu stecken. Zuvor hatte der US-Pastor und Bestsellerautor Joshua Harris über die Sozialen Medien mitgeteilt, dass er kein Christ mehr sei. Oder – ein paar Nummern kleiner – als der deutsche Vorzeige-Evangelist Torsten Hebel (Berlin) sich mit dem Buch „Freischwimmer“ aus der evangelikalen Szene zurückgezogen hatte. Wie kommunizieren wir solche Erfahrungen, die schon von dem Evangelisten Johannes in Kapitel 6,6 registriert und dokumentiert wurden: Viele seiner Jünger traten „hinter sich“. Irgendwann ist es genug, sich ständig gegen seine Überzeugung verbiegen zu müssen.

Nun meldet sich Franklin Graham zu diesem Thema. Er ist Sohn des weltbekannten Evangelisten Billy Graham, Direktor der „Billy Graham Gesellschaft“ und absolut kein Kind von Traurigkeit. Er ist einer der prominentesten Unterstützer Donald Trumps, ruft zum Gebet für den „besten aller Präsidenten“ auf, beklagt die böse demokratische Presse, die Trump beseitigen möchte und bezeichnet in Talkshows den jungen wilden Theologen Rob Bell („Love wins“) als einen der gefährlichstem Irrlehrer unserer Zeit.

Jetzt beklagt er sich mit einem deftigen „Shame on you“ über Prominente, die ihre Zweifel öffentlich gemacht haben. „Sie müssen einmal vor Gott Rechenschaft ablegen. Warum haben sie nicht einfach ihren Glauben aufgegeben und darüber geschwiegen?“

Ich schreibe ihm ein paar Zeilen.

Lieber Franklin Graham,

ich habe mich vor 50 Jahren nach einer Predigt deines Vaters für den Weg in den hauptamtlichen Dienst entschieden. Er war mein Vorbild. Wie du als der Nachfolger seines Lebenswerkes 50 Jahre später über Menschen urteilst, die mit Zweifeln zu kämpfen haben, macht mich einfach nur traurig. Ich weiß aus meinem täglichen Kampf mit Mr. Parkinson, was Zweifel bedeuten. Wir sollen uns alle wegducken mit unseren Zweifeln? Damit am Ende nicht noch andere davon motiviert werden und aussteigen?

Ich hatte in den Stunden tiefer Verzweiflung Freunde an meiner Seite, die für mich geglaubt haben. Gott sei Dank, er hat nicht meine Berufung widerrufen. Er war treu, als ich untreu war. Ohne dass der Jünger Thomas sich mit seinen Zweifel geoutet hätte, wüssten wir nichts davon. Ich bin dankbar für die Medien, die diese Schicksale öffentlich machen. Wenn du die Zweifler so zum Schweigen bringen willst, dann gibst du ihnen den Rest. So beschädigte Menschen treffen sich in der Psychosomatik wieder. Einfach den Glauben aufgeben und das Maul halten? Viele Menschen zweifeln gar nicht an Gott, sondern an der Kirche, an Menschen, die schon alles wissen und nichts mehr dazu lernen. Mein Rat: Schenke einigen Betroffenen ein wenig deiner Zeit und du wirst viel erfahren über die Gemeinden, aus denen sie geistlich emigriert sind.

Mit freundlichen Grüßen, Jürgen Mette

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