Nahost-Korrespondentin Sophie von der Tann verlässt Ende Juli das ARD-Studio Tel Aviv und kehrt zu ihrem Heimatsender, dem Bayerischen Rundfunk (BR), zurück. Wie bei allen ARD-Auslandskorrespondenten üblich, endet damit nach fünf Jahren ihre Entsendezeit. Das hat der BR, der für das Studio innerhalb der ARD verantwortlich ist, am Dienstag mitgeteilt.
Von der Tann hatte die Stelle mit dem Berichtsgebiet Israel und den Palästinensischen Gebieten im Sommer 2021 angetreten. Durch ihre Berichterstattung über den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und den darauffolgenden Krieg im Gazastreifen wurde sie einem Millionenpublikum bekannt. Für ihre Arbeit erhielt sie 2025 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis.
Kritik: „Befangenheit gegenüber Israel“
Die Auszeichnung hatte im Vorfeld für Streit gesorgt. Unter anderem hatte die „Welt“ der Korrespondentin im Oktober 2025 Einseitigkeit und „Befangenheit gegenüber Israel“ vorgeworfen. Auch Israels Botschafter Ron Prosor hatte sich in die Debatte eingeschaltet und von einer „Dämonisierung Israels“ durch die Journalistin gesprochen. Von der Tann habe die Täter des 7. Oktober als „militante Palästinenser“ verharmlost. Im November 2025 erhob zudem der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle den Vorwurf, sie habe die Massaker relativiert.
Von der Tann hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und betont, sie versuche täglich neu, Balance zwischen Empathie und Distanz zu halten. Die BR-Journalistin erhielt Rückendeckung von 72 Nahost-Korrespondenten, die in einem offenen Brief vor einer Kampagne zur Delegitimierung kritischen Journalismus warnten.
Pia Steckelbach neu auf dem Posten
Der BR würdigte von der Tann uneingeschränkt: Sie sei „seit Jahren ein prägendes Gesicht in der Nahost-Berichterstattung der ARD“, erklärte BR-Chefredakteur Christian Nitsche in der Pressemitteilung. Von der Tann soll den Angaben zufolge dem Sender als profiliertes Gesicht für Auslandsthemen erhalten bleiben.
Zum 1. September übernimmt die BR-Journalistin Pia Steckelbach den Posten, die bereits seit 2023 zum Team vor Ort gehört. Steckelbach lebt seit über sechs Jahren in Israel, spricht fließend Hebräisch und Arabisch und hat Geschichte, Jiddische Kultur, Sprache und Literatur in Düsseldorf sowie Middle Eastern Studies in Tel Aviv studiert.