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Von der Casting-Show zur Depression

Manche Kandidaten einer Musik-Casting-Show empfinden ihre Teilnahme als Karrieresprungbrett. Für andere ist die Erfahrung so schlimm, dass sie noch Jahre später unter Depressionen leiden. Den Auswirkungen von Casting-Shows auf die Teilnehmer geht eine aktuelle Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) und der NRW-Medienanstalt LfM nach.
Von PRO

Foto: RTL / Markus Nass

Jeder zweite der 59 befragten ehemaligen Teilnehmer einer Musik-Casting-Show bewertet  das Erlebnis positiv. So betrachten Musiker wie „The Voice of Germany“-Teilnehmer Behnam Moghaddam ihre Teilnahme als Karrieresprungbrett. Auch DSDS-Kandidat Jonathan Enns schätzt die Show positiv ein, allerdings steht bei seiner Bewertung weniger die Karriere als vielmehr das Erlebnis Casting-Show im Vordergrund.

So positiv blicken allerdings längst nicht alle Befragten auf ihre Zeit als Show-Kandidat zurück. Jeder Dritte äußerte gemischte Gefühle und für ein Fünftel war die Teilnahme eine ausgesprochen negative Erfahrung. „Da haben wir wirklich Fälle, in denen wir sagen können, hier ist ein Schaden eingetreten“, sagte die Leiterin der Studie „Sprungbrett oder Krise? Das Erlebnis Castingshow-Teilnahme“, Maya Götz, der Nachrichtenagentur dpa. Die Studienleiterin kritisiert mangelnden Jugendschutz. Immerhin seien die Auftritte anschließend für alle Interessierten, wie zum Beispiel zukünftige Arbeitgeber, im Internet abrufbar. Dies könne den Ruf der ehemaligen Kandidaten dauerhaft schädigen.

Außerdem kritisiert Götz, dass die Macher der Shows die Kandidaten in Schubladen einsortieren würden. Einem Bericht des Branchendienstes Werben und Verkaufen zufolge erarbeiteten die Forscher sieben typische Erfahrungsmuster. Besonders problematisch sei das Leben nach der Show-Teilnahme für die Bloßgestellten. „Anders als die Rückmeldungen während der Aufnahmen es erahnen ließen, wurden sie in der Sendung als besonders unfähig zur Schau gestellt und müssen nun mit der Häme aus dem sozialen Umfeld leben“, heißt es in dem Bericht. Eine Kandidatin dieses Typs sagt heute über ihre Teilnahme: „Ich hätte mich niemals dort beworben, wenn ich gewusst hätte, was die mit den Leuten da alles machen, nur um sie blöd darzustellen, nur damit die Leute was zu lachen haben.“

Andere Kandidaten scheiterten aber auch am eigenen Anspruch. Sie fühlten sich durch die Show psychisch überfordert. Exemplarisch für diesen Typ zitiert Werben und Verkaufen eine ehemalige DSDS-Kandidatin: „Ich war damals erst 16 Jahre alt und konnte damit nicht umgehen, bekam später Depressionen und bekomme bis heute mein Leben nicht in den Griff.“

Bei der LfM-Fachtagung „Sprungbrett oder Krise? – Erlebnis Castingshow-Teilname“ am 30. April werden die Studienergebnisse diskutiert. (pro)

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