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„Von Angesicht zu Angesicht mit dem Göttlichen“

William Paul Young erzählt in seinem neuen Roman „Eva – Wie alles begann“ nicht nur eine außergewöhnliche Version der biblischen Schöpfungsgeschichte, sondern auch von einer fiktiven Welt und einem Mädchen, das die Aufgabe hat, „Zeugin der Anfänge“ zu sein. Eine Rezension von Corinna Russow
Von PRO
Der amerikanische Bestsellerautor William Paul Young hat seinen neuen Roman „Eva“ veröffentlicht

Foto: Allegria (Cover); Torge Niemann (Young)

Der amerikanische Bestsellerautor William Paul Young hat seinen neuen Roman „Eva“ veröffentlicht
Lilly, ein Teenager, wird in einem Container schwer verletzt auf einer Insel angespült. Damit sie sich vollständig erholen kann, kümmern sich sogenannte „Heiler“ und „Erneuerer“ um sie. Lilly pendelt währenddessen zwischen zwei Welten und ist sich nicht sicher, ob und welche von ihnen real ist. In der einen Welt – die sich in einer Falte zwischen den Welten befindet – ist sie schwerverletzt und wohnt in Johns Haus, das „Zuflucht“ genannt wird. John ist Lillys „Finder“, denn er hat Lilly in dem Container entdeckt. In der anderen Welt erlebt sie Gottes Schöpfung: Die Erschaffung der Welt, von Adam und Eva bis hin zum Sündenfall. Lilly findet in Eva die „Mutter allen Lebens“ der sie vertraut und die sie durch die aufwühlenden Ereignisse begleitet. Nach und nach versteht sie, dass sie eine „Zeugin der Anfänge“ ist, und lässt sich auf ihre Aufgabe ein: Das Mädchen, das noch nie etwas mit dem Glauben an Gott anfangen konnte, beginnt mithilfe von Eva, die Zusammenhänge und Gott neu zu begreifen und mit ihm „von Angesicht zu Angesicht“ leben zu lernen. Sie erkennt, dass sie außergewöhnlich ist und Gott „kein von uns getrennter Gott“ sein will, sondern jeden einzelnen wahrnimmt. Dabei wird der Ort in der Falte zwischen den Welten tatsächlich zu Lillys Zuflucht, denn dort kann sie John und den Gelehrten, die in der „Zuflucht“ zu Besuch sind, Fragen stellen und zur Ruhe kommen.

Was der Autor bezweckt

Die Zeugin Lilly ist ungefähr 15 Jahre alt, doch das gerät während der Lektüre leicht in Vergessenheit. Ihre Fragen und ihre Unwissenheit wirken, als stünde sie stellvertretend für die Menschheit. Auch das Nachwort des Autors lässt darauf schließen: „Dieser Roman ist eine Einladung, von Angesicht zu Angesicht mit dem Göttlichen zu leben, und ein Plädoyer für die Anschauung, dass jeder von uns ein einzigartiges Kunstwerk ist, das nicht durch kulturelle Normen oder Einschränkungen eingeengt werden sollte.“ Vielleicht soll die 15-Jährige aber auch den Lesern zeigen, dass es Kindern leichter fällt, auf Gott zu vertrauen, und uns daran erinnern, dass „wir im Herzen Kinder bleiben“. Die Erzählung hat etwas von Magie und Esoterik, wenn zum Beispiel Lilly zwischen den beiden Welten pendelt, aber auch, wie sie mithilfe von Dreiecken, die auf den Grundriss der „Zuflucht“ gelegt werden, in Sekundenschnelle in ein anderes Zimmer gelangt. Die Vorstellung, die der Autor auf diese Weise von Gott und dem Glauben vermittelt, ist zumindest fragwürdig. Der Autor greift große Themen des Lebens wie Liebe oder Tod auf und widmet sich theologischen Fragen, die er jeweils mithilfe unterschiedlichster theologischer Ansichten beantwortet, dabei aber nicht die Erkenntnisse der Naturwissenschaften ausblendet. So steht in seinem ganzen Buch außer Frage, dass Gott der Schöpfer der Welt ist, aber er bindet den Urknall in seine Idee mit ein, indem er schreibt, dass die Schöpfung „wahrscheinlich Milliarden von Jahren gedauert“ hat. Dennoch liefert Young nicht nur Antworten, sondern regt seine Leser an, sich selbst Gedanken zu machen und die bestehenden Theorien zu überdenken. „Ich hoffe sehr, dass ich einige der existierenden Theorien in Frage stellen und durch das Ende der Geschichte, bei dem Lilly und womöglich sogar der Leser zu einer bedingungslosen und tieferen Vereinigung mit Gott findet, in einem neuen Licht darstellen konnte“, schreibt Young in seinem Nachwort. Die Geschichte wird vor allem durch Dialoge erzählt und ist dadurch anspruchsvoll und manchmal nicht ganz leicht zu lesen, wirkt aber sehr lebendig. Der Autor erzählt die Geschichte in mehreren Strängen. Das kann an der ein oder anderen Stelle zunächst verwirrend sein, doch Young löst die Stränge immer wieder auf ganz klare Art und Weise. Die Beschreibungen des Transzendenten, die mitunter esoterisch anmuten, können irritieren. Aber der Leser sollte gerade dann nicht vergessen, dass es sich um einen Roman handelt. Das Buch des Autors, der bereits den Bestseller „Die Hütte“ und „Der Weg“ veröffentlichte, erscheint in der deutschsprachigen Übersetzung am 26. Februar 2016. (pro)

William Paul Young: „Eva – Wie alles begann“, Allegria-Verlag, 360 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-7934-2304-1

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