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Viele sind spirituell, aber nicht religiös

Viele Menschen, die mit Religion nichts zu tun haben wollen, sind durchaus spirituell. Dies ist ein erstes Teilergebnis einer Online-Studie der Universitäten in Bielefeld und Tennessee in Chattanooga, USA. Die 1.800 Umfrageteilnehmer kamen aus den USA und aus Deutschland.
Von PRO

Foto: maddymash (CC-BY-NC)

Erstaunlich viele Menschen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, auch viele, die sich selbst als Atheisten verstehen, bezeichnen sich als spirituell. Das teilte Heinz Streib am Donnerstag mit. Der Professor bei der Forschungsstelle Biographische Religionsforschung der Universität Bielefeld ist Leiter des Forschungsprojektes. Die Online-Befragung dauerte von April 2010 bis Mai 2011. Aus Deutschland nahmen 773 Personen teil, aus den USA 1.113 Personen. Die deutschen Teilnehmenden waren durchschnittlich 43 Jahre alt, die amerikanischen 34 Jahre.

"Ich bin eher spirituell als religiös" – diesen Satz bejaht die Hälfte der Befragten. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie einer Kirche angehören oder nicht. Der Begriff "Spiritualität" wurde den Forschern zufolge auch von Personen für sich in Anspruch genommen, die noch nie einer Religionsgemeinschaft angehört haben oder aus Kirchen und Religionsgemeinschaften ausgetreten sind. Darunter sei auch "eine erstaunliche Minderheit, die sich ausdrücklich als Atheisten, Nontheisten oder Agnostiker bezeichnen". Unter den Teilnehmern der Studie, die keine Religionszugehörigkeit angeben, versteht sich jeder zweite "eher spirituell als religiös".

Einen Grund dafür sehen die Bielefelder Wissenschaftler in der Mehrdeutigkeit des Begriffs "Spiritualität". Manche Menschen nutzten ihn, um sich von organisierter Religion abzugrenzen und darauf hinzuweisen, dass sie nicht institutionell gebunden sind, teils auch den Glauben an Gott ablehnen, aber dennoch wissen, was ihnen heilig ist. Für andere ist der Begriff "Spiritualität" durchaus mit ihrer Konfessionszugehörigkeit und ihrem Glauben an Gott verbunden. Auch in Kirchen und Religionsgemeinschaften habe die Selbstbezeichnung "ich bin mehr spirituell als religiös" Konjunktur.

"Spiritualität – was immer jemand darunter versteht – entwickelt sich individuell, beeinflusst von prägenden Erfahrungen, besonderen Lebensereignissen oder bedeutenden Begegnungen", sagt die Diplom-Psychologin Barbara Keller, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts.

Ihr Ergebnis, dass sich viele Menschen als spirituell, aber nicht als religiös sehen, decke sich mit ähnlichen Erkenntnissen anderer Studien, etwa mit dem "Religionsmonitor" der "Bertelsmann Stiftung" oder mit dem "International Social Survey Programme (ISSP), Religion III", so die Wissenschaftler. (pro)
http://www.uni-bielefeld.de/studie-spiritualitaet
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