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Viel Erfolg, Mr. President!

Held oder Diktator – zu Donald Trump gehen die Meinungen auseinander. Dabei lässt sich vieles noch nicht abschätzen, weil der unkonventionelle Milliardär so schwer einzuordnen ist. Ein Kommentar von Moritz Breckner
Von PRO
Für die einen Lichtgestalt, für die anderen dunkle Bedrohung: Donald Trump, ab Freitag 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika
Für die einen Lichtgestalt, für die anderen dunkle Bedrohung: Donald Trump, ab Freitag 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

Viele Konservative, Republikaner und Christen haben Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur von Anfang an vehement abgelehnt – nicht obwohl, sondern weil sie Konservative, Republikaner und Christen sind. Gemessen an seinen politischen Ideen und an seinem Verhalten fällt es vielen nicht leicht, Trump auch nur in eine dieser Kategorien einzuordnen.

Je nachdem, wo der Betrachter steht, ergeben sich unterschiedliche Bilder von Trump. Da ist der narzisstische Reality-Star, der sich rassistisch und in obszöner Weise frauenfeindlich äußert, der nachts Beleidigungen an Komiker twittert, die ihn aufs Korn genommen haben. Der in einer Pressekonferenz den integren Journalisten Jim Acosta und dessen Sender CNN verunglimpft. Kurz: der Trump mit den schlechten Manieren, der sich nicht zusammenreißen kann oder will.

Andere sehen Trump, wie er am Vorabend seiner Vereidigung auf den Stufen des Lincoln Memorials sitzt und fröhlich bei Lee Greenwoods „God Bless the USA“ mitsingt. Der Trump, der in die Menge zwinkert, „I Love You“ ruft und Jobs und Hoffnung verspricht mit Worten, die der Durchschnittsbürger nachvollziehen kann. Der Trump, der schon vor Amtsantritt Firmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA überreden und das verprellte Israel mit Amerika versöhnen konnte. Der Trump, der wie so viele normale Bürger die Verachtung und Empörung des Establishments nicht verstehen kann und den Menschen verspricht: „Dann machen wir halt unser eigenes Ding!“

Warum Linke und Russland-Freunde dem US-Republikaner zujubeln

Trumps politische Verortung ist noch ein Rätsel. Auf seinem Nominierungsparteitag im August jubelten die Delegierten, als er entgegen bisheriger republikanischer Politik isolationistische und protektionistische Töne anschlug. Wetterte Trump im Wahlkampf gegen die Wall Street, gegen Freihandel, gegen Konzerne, Medien und das Establishment, hatte man zuweilen den Eindruck, einem Linken zuzuhören. Die NATO erklärte er kürzlich für „obsolet“. Nein, Trump ist kein klassischer Republikaner, und er ist kein klassischer Konservativer.

So paradox es klingt: Bei Trump als künftigem Anführer der westlichen Welt ist jenes Phänomen zu beobachten, das sich auch bei den sogenannten Rechtspopulisten in Europa zeigt: Eine Skepsis gegenüber der westlichen Weltordnung, die bislang eher im linken Lager üblich war. Entsprechend bekommt Trump in Deutschland aus den Ecken der AfD und der Linkspartei Applaus, die sich ja auch bestens verstehen, wenn es um den russischen Präsidenten Wladimir Putin geht. Die alten Kategorien von rechts und links „spielen plötzlich keine Rolle mehr“, schrieb entsprechend die Wochenzeitung Die Zeit am Donnerstag.

Wenn plötzlich Sarah Palin Kritik übt

Auch wirtschaftspolitisch vertritt Trump teilweise Positionen, die eher links sind und entsprechend von rechts kritisiert werden. Kurz nach seiner Wahl überzeugte Trump den Klimaanlagenbauer Carrier durch Steuererleichterungen, tausend Arbeitsplätze in den USA beizubehalten (warum diese Zahl auch als unrealistisch kritisiert wird, lesen Sie hier). Das konservative Wall Street Journal kritisierte den Deal mit der gleichen Begründung wie Trump-Unterstützerin Sarah Palin: Ein derartiger staatlicher Eingriff in die freie Marktwirtschaft widerspreche den Prinzipien des Wettbewerbs.

Die Stimmen, die eine katastrophale Präsidentschaft Trumps fürchten, sind laut: In den USA ist dies praktisch die gesamte Unterhaltungbranche, in Deutschland Spitzenpolitiker und ein Gros der Journalisten. „Der Imperator“ titelte der Stern am Tag vor Trumps Amtsantritt, und erklärte, warum uns ein „verdammt gefährliches Experiment“ bevorsteht.

Trumps Versprechen an die Christen

Gerade Amerikas Christen, die Trump je nach Konfession mit bis zu 80 Prozent gewählt haben, sehen dies anders. Trump hat gute Mitarbeiter in sein Kabinett berufen, wird konservative Richter an den Obersten Gerichtshof schicken und hat versprochen, die Christen im Land würden künftig nicht mehr unter die Räder der Political Correctness geraten.

Donald Trump ist unkonventionell, auf die Welt kommt etwas völlig Neues zu. Die Grenzen verschwimmen zwischen erfrischend, erschreckend und empörend, es bleibt die Faszination des Schreckens oder der Hoffnung. Es wird ein paar Monate dauern, um mehr sagen zu können. Im Interesse der US-Bürger und im Interesse der Welt ist dem Mann Erfolg zu wünschen – Erfolg, der die Bedenkenträger auch in Europa blamieren würde und auch hier einen frischen Wind in die Politik brächte. (pro)

Von: mb

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