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Verleger zeichnen Mission Freedom aus

Am Donnerstag hat der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) seinen Bürgerpreis an die christliche Organisation Mission Freedom verliehen. Im Vorfeld war breite Kritik am Verein, der sich gegen Zwangsprostitution stark macht, laut geworden.
Von PRO
Am Donnerstag überreichte der BDZV Mission Freedom seinen Bürgerpreis: (v.l.)BDZV-Präsident Helmut Heinen, Mission Freedom-Vorsitzende Gaby Wentland, CDU-Abgeordneter Frank Heinrich und BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff

Foto: pro

Am Donnerstag überreichte der BDZV Mission Freedom seinen Bürgerpreis: (v.l.)BDZV-Präsident Helmut Heinen, Mission Freedom-Vorsitzende Gaby Wentland, CDU-Abgeordneter Frank Heinrich und BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff
Der Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich (CDU) würdigte bei der Preisvergabe in Berlin die Arbeit von Gaby Wentland. Das vom Hamburger Verein betriebene Schutzhaus für Prostituierte sei ein „sicherer Hafen“. Die Mitarbeiter stünden den Opfern von Zwangsprostitution „mit Liebe zur Seite“. Eindrücklich und vorbildlich engagiere Wentland sich gegen den „Skandal vor unseren Haustüren“. Die Auszeichnung des BDZV sei auch ein Signal dafür, dass die Gesellschaft bei diesem Thema nicht länger wegschauen wolle und dürfe. Die Vergabe des mit 20.000 Euro dotierten Bürgerpreises an Mission Freedom hatte im Vorfeld für medialen Wirbel gesorgt. Die Tageszeitung (taz), Spiegel Online oder auch der NDR hatten Gaby Wentlands persönliches missionarisches Engagement sowie die Arbeitsweise ihres Vereins kritisiert. So soll Mission Freedom mit einem Film für sich geworben haben, der ein erfundenes Schicksal einer ehemaligen Zwangsprostituierten zeigt. Die Linke in Hamburg warf der Organisation zudem vor, Opfer zu gefährden, indem sie deren Schicksal öffentlich mache. Außerdem soll Mission Freedom Frauen, die in ihrem Auffanghaus wohnten, Ausgehverbote erteilt und ihnen untersagt haben, nicht-christliche Musik zu hören. Gaby Wentland hat diesen Vorwürfen öffentlich widersprochen.

Mediale Kritik war „Verleumdung“

Die mediale Kritik an Mission Freedom bezeichnete Heinrich im Rahmen der Preisverleihung als „Verleumdung“. In vielen Berichten sei die „Grenze von solidem Journalismus unterschritten“ worden. Zugleich dankte er den Verlegern, dass sie sich davon unbeeindruckt gezeigt hätten. In diesem Zuge bat er die anwesenden Chefredakteure deutscher Zeitungen: „Transportieren Sie dieses Thema in Wort und Bild weiter.“ Im Hinblick auf seine eigene Arbeit im Bundestag sagte er: „Das Prostitutionsgesetz muss dringend überarbeitet werden.“ Heinrich engagiert sich als Politiker gegen Zwangsprostitution und hat unter anderem das Netzwerk „Gemeinsam gegen Menschenhandel“ ins Leben gerufen, in dem er mit Mission Freedom zusammenarbeitet. Auch Helmut Heinen, Präsident des BDZV, erklärte, die diesjährige Wahl des Preisträgers sei nicht unumstritten gewesen. Trotz des „kontroversen Echos“ habe man sich für Mission Freedom entschieden: „Ärger und Widerstände gehören zwangsläufig zu Ihrer Arbeit dazu“, sagte er zu Wentland. Diese gab bei der Preisübergabe zu, die Kritik habe ihr weh getan. Dennoch habe die mediale Aufmerksamkeit Mission Freedom „enorm viel Aufschwung gegeben“. Auf der Homepage habe es so viele Klicks gegeben wie nie, der Verein habe Unterstützung von Bürgern in Hamburg erhalten und sei zu zahlreichen Veranstaltungen zum Thema eingeladen worden.

An einer Gesellschaft ohne Prostitution arbeiten

In einer Debattenrunde zum Thema „Erlauben? Verbieten? Prostitution in Deutschland“ diskutierte Wentland dann noch mit der ehemaligen Chefin des Diakonischen Werks in Berlin und Brandenburg, Susanne Kahl-Passoth, und der Sozialarbeiterin Sabine Constabel. Kahl-Passoth sprach sich gegen ein Prostitutionsverbot aus. Eine solche Gesetzesänderung sorge nur dafür, dass die Szene komplett in die Illegalität abrutsche und sämtliche Zugriffsmöglichkeiten verloren gingen. Sie forderte: „Bessere Gesetze, differenziert hingucken, Beratungsangebote, aber nicht verbieten.“ Sie plädierte für rechtliche Änderungen, wie eine Novellierung der Asylgesetzgebung. Würden Zwangsprostituierte, die zur Polizei gingen, in ihre Heimat zurückgeschickt, müssten sie dort um ihr Leben oder um das ihrer Familien fürchten. Außerdem forderte Kahl-Passoth, das zulässige Alter für Prostitution auf 21 hochzusetzen und eine Kontrollpflicht für Bordelle einzuführen. Es müsse aber auch aufhören, dass Frauen, die freiwillig als Prostituierte arbeiteten, diskriminiert würden. Constabel hingegen sagte: „Ich glaube, dass es sinnvoll ist, an einer Gesellschaft zu arbeiten, in der es Prostitution nicht gibt.“ Eine Differenzierung zwischen guter und schlechter Prostitution sei nicht möglich, die Grenzen seien fließend. Sie erklärte: „Suchen Sie doch mal die autonome deutsche Hure – da werden Sie durch viele Bordelle gehen müssen.“ Aufklärung allein helfe nicht, so lange in Deutschland eine Nachfrage nach 18-jährigen Zwangsprostituierten vorhanden sei. Constabel forderte zudem eine Veränderung im Strafrecht: „Die Polizei braucht Zugriffsmöglichkeiten.“ Weiter erklärte sie: „Wir sind ein zivilisiertes Land, wir können nicht zulassen, dass sich in unserer Mitte ein Sklavenmarkt ausbreitet.“ (pro)
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