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Verfolgte Christen: „Wie Verbrecher behandelt“

Verfolgte Christen brauchen vor allem eins: Gebet. Das haben Christen, die wegen ihres Glaubens bedroht werden, bei einem Themenabend über Religionsfreiheit in Wetzlar erklärt.
Von PRO
Emmanuel Franklyn Ogbunwezeh hat eine seiner Schwestern durch einen Anschlag in Nigeria verloren
Emmanuel Franklyn Ogbunwezeh hat eine seiner Schwestern durch einen Anschlag in Nigeria verloren
Der Iraner Badei Pur berichtete, wie er in seinem Heimatland zum christlichen Glauben kam und deswegen gefoltert wurde. Ein Freund hatte ihm von Jesus erzählt und ihn ein halbes Jahr nach seiner Bekehrung mit in eine illegale Hauskirche genommen. Als diese von der Polizei durchsucht wurde, landete Pur im Gefängnis. „Den ganzen Tag hörte man die Schreie der Gefolterten, und dann kamen Wärter an meine Tür und sagten: ,Du bist der Nächste’“, erinnerte er sich. Pur wurde über zwei Wochen lang geschlagen und mit Zigaretten verbrannt. „Im Iran werden Christen wie Verbrecher behandelt, obwohl sie nichts Verwerfliches getan haben“, sagte er vor gut 220 Besuchern im ERF-Funkhaus in Wetzlar. In diversen Regierungsbehörden und Geheimdiensten werde systematisch gegen die Christen im Iran vorgegangen. Über jahrelange Umwege gelangte Pur schließlich nach Deutschland. Stephanie Sahm wuchs in einer Missionarsfamilie in China auf. „Es gibt deutliche Verbesserungen für Christen in China“, berichtete sie. Noch vor 15 Jahren habe sie erlebt, wie Pastoren auf der Flucht Unterschlupf bei ihrer Familie gesucht hätten. „Heute ist es möglich, öffentlich zu sagen, dass man Christ ist“, lautet ihre Erfahrung. Das liege unter anderem daran, dass China als Wirtschaftsmacht nicht als Christenverfolger am Pranger stehen will, und auch an den modernen Medien, durch die sich Nachrichten schneller verbreiten. Mittlerweile gebe es 100 Millionen Christen in China – so viele, dass die Regierung nicht wisse, wie sie mit ihnen umgehen soll. Die offizielle christliche Kirche in China habe viele Vorschriften, so sei es verboten, Kindern das Evangelium zu erzählen oder Kontakte ins Ausland zu haben. Inoffizielle Hauskirchen würden gegängelt, offiziell nicht wegen ihrer Glaubenslehre, sondern wegen angeblichen Verstöße etwa gegen Brandschutz- oder Versammlungsvorschriften. Derzeit erarbeite die Regierung ein neues Gesetzt zum Umgang mit Religionen: „Das ist ein wichtiges Gebetsanliegen“, erklärte Sahm. Der Afrika-Referent der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Emmanuel Franklyn Ogbunwezeh, berichtete über die Situation in Nigeria und den Terror der islamistischen Boko Haram. „Christen stellen bei uns 50,8 Prozent der Bevölkerung, Muslime nur 40,2“, erklärte er. Über lange Zeit habe ein friedliches Zusammenleben gut funktioniert, bis die Terroristen das Land mit blutigen Angriffen überzogen hätten. Ogbunwezeh kritisierte, dass die Regierung Nigerias die mehr als 200 von Boko Haram entführten Mädchen noch immer nicht habe befreien können und sich auch nicht darum kümmere. An den Westen appellierte er, keine Hilfsgelder zu schicken, weil dies die ohnehin reichen Eliten Nigerias nur noch wohlhabender mache. Stattdessen sollten westliche Politiker ihre nigerianischen Kollegen dazu bewegen, den Reichtum des Landes nicht ins Ausland zu schaffen, sondern zur Verbesserung der Situation der vielen Armen in Nigeria einzusetzen. „Kirchen und christliche Werke haben Hilfsprojekte gestartet, die heute noch helfen“, sagte er. „Fragt mal eure Politiker, was aus den Entwicklungshilfen geworden ist“, ergänzte er sarkastisch. 70 Prozent der Menschen in dem bevölkerungsreichsten Staat Afrikas leben unterhalb der Armutsgrenze, obwohl das Land reich an Erdöl und anderen Bodenschätzen ist.

Ägypten: Von der eigenen Familie misshandelt und bedroht

Eine junge Frau aus Ägypten berichtete, wie sie nach ihrer Bekehrung vom Islam zum Christentum vor ihrer eigenen Familie nach Deutschland fliehen musste. Sie hatte die Bibel gelesen und Informationen über das Christentum in örtlichen Kirchen gesucht, nachdem ihr Jesus in einem Traum erschienen war. Eine Freundin habe sie dabei beobachtet und verraten. „Zuhause wurde ich über Monate geschlagen, beschimpft und eingesperrt“, berichtete sie unter Tränen. Ein Priester habe ihr schließlich geholfen, zu fliehen. In Deutschland lebt sie versteckt, da sie Onkel in europäischen Nachbarstaaten hat, die sie ermorden wollen, um von Allah belohnt zu werden. Aus diesem Grund kann auch ihr Name nicht genannt werden.

„Jeder Verfolgte ist einer zu viel“

Der hessische Landespolitiker Hans-Jürgen Irmer (CDU) zeigte sich in einem Grußwort dankbar gegenüber Gott für den Frieden und die Sicherheit in Europa, die es Christen und Menschen anderen Glaubens erlaube, ihren Glauben auszuüben. „Jeder Verfolgte, ob Christ oder Muslim, ist einer zuviel“, erklärte Irmer. „Wir wünschen uns, dass die Rechte, die Christen und Andersgläubige in Europa zu recht genießen, weltweit auch den Verfolgten zugestanden werden.“ Der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP, Christoph Irion, gab einen Überblick über die zehn Staaten mit der schlimmsten Christenverfolgung. Auf Rang eins liege laut dem Hilfswerk Open Doors Nordkorea: „In dieser Steinzeit-Diktatur gibt es ein ausgeklügeltes System von Gefängnissen und Arbeitslagern, um Christen über Monate zu foltern und sie zu Zwangsarbeit bis hin zum Tod zu verurteilen“, sagte Irion. Auch in Urlaubsländern wie den Malediven stünden Christen unter Druck, auch wenn die Verfolgung in Nordkorea beispiellos sei. „Verfolgte Christen haben an uns vor allem die Bitte, an sie zu denken und für sie zu beten“, erklärte Irion. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von ERF Medien, der Evangelischen Allianz Wetzlar, dem Evangelischen Arbeitskreis der CDU Lahn-Dill und dem Christlichen Medienverbund KEP, zu dem auch das Christliche Medienmagazin pro gehört, durchgeführt. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/mehr-engagement-fuer-unterdrueckte-christen-gefordert-82898/
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