Vereinigung evangelischer Freikirchen – was ist das überhaupt?

Am 29. April gibt es die Vereinigung evangelischer Freikirchen (VEF) auf den Tag genau 100 Jahre. Aber wer macht da mit? Warum gibt es sie? Und wo will der Zusammenschluss hin?
Von Anna Lutz

Im Jahr 1926 wurde die VEF in Berlin gegründet – und ist damit nach eigenen Angaben der älteste ökumenische Zusammenschluss in Deutschland. Zum 100. Geburtstag laden die Freikirchen deshalb auch in die Hauptstadt ein, außerdem wird die Festveranstaltung im Internet gestreamt. 

Doch was ist die Dachorganisation überhaupt? Zur VEF gehören 15 Mitgliedskirchen:

Die Evangelische Brüder-Unität der Herrnhuter Brüdergemeine und die Siebenten-Tags-Adventisten haben Gaststatus. 

Als ihre Aufgabe sieht die VEF es, „auf die Freikirchen aufmerksam zu machen“, wie Präsident Marc Brenner am Dienstag bei einem Pressegespräch erklärte. Darüber hinaus führt sie im Namen der Mitgliedskirchen regelmäßige Gespräche mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und strebt dies auch mit der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz an. 

Kontakte in Rundfunk und Politik

Auch die Kommunikation zwischen den Freikirchen spielt eine wichtige Rolle. Doch nicht nur regelmäßige Treffen der Kirchendelegierten untereinander und gemeinsame Arbeitsgemeinschaften zu Sachthemen wie Theologie, gesellschaftliche Verantwortung oder neuerdings Kinderschutz gehören zum Tätigkeitsfeld der VEF. Sie strebt auch Kontakte in die Politik und in die Medien an. Deshalb beschäftigt sie zwei Beauftragte, einmal im politischen Bereich mit dem FeG-Pastor Konstantin von Abendroth. Und einmal im Bereich des Rundfunks mit der Theologin und Referentin beim Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Jasmin Jäger. Sie führen Gespräche und bemühen sich um Kontakte etwa im Bundestag oder in Rundfunkanstalten.

„Unser Ziel ist es, die Anliegen der Freikirchen gemeinsam nach außen zu vertreten“, sagte der VEF-Vizepräsident Jochen Geiselhart am Dienstag. Und weiter: „Wir glauben, dass wir im gesellschaftlichen Diskurs auch einen Akzent setzen können.“ Zum Beispiel im Gespräch mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Weil dieser wegen einer Auslandsreise nicht zum Festakt Ende April kommen kann, wird ihn eine Delegation der VEF im Juni im Schloss Bellevue besuchen. Geiselhart zieht eine positive Bilanz, was den Einfluss der Freikirchen im öffentlichen Raum angeht: „Die Aufmerksamkeit der Politik im Bezug auf die Freikirchen ist gewachsen.“

Gemeinsame Wege finden, auch bei Unterschieden

In den kommenden Jahren will sich die VEF drei Themen besonders widmen: Die Vielfalt der Gemeinden anerkennen und gemeinsame Wege finden, sowie ihrer Sichtbarkeit in der Gesellschaft. Trennung sei gesamtgesellschaftlich, aber auch zwischen Christen oft ein Thema, erklärte James Ros aus dem VEF-Vorstand. Dass er recht hat, zeigt derzeit etwa ein bestehender Konflikt beim Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Das bis 2024 zugehörige Christus-Forum strebt wegen theologischer Differenzen in Fragen der Sexualethik und der Verbindlichkeit der Bibel Eigenständigkeit an.

Für Ros aber ist wichtig: „Für uns ist die entscheidende Frage nicht zuerst, wer hat in allem recht, sondern wie gehen wir in dem allen miteinander um.“ Echte Einheit beginne nicht bei Positionen, sondern bei jedem selbst. Echte Kraft, so ist er überzeugt,  liege nicht in der Stärke einzelner Gemeinden, sondern in der Gemeinschaft. Dadurch könne christliche Hoffnung sichtbar werden.

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