Die israelische Armee hat vier Studentinnen der Bir-Seit-Universität in Ramallah festgenommen. Die Palästinenserinnen stünden im Verdacht, terroristische Aktivitäten gefördert zu haben, hieß es laut der Nachrichtenseite „Times of Israel“. Unter den am Dienstag Inhaftierten ist ein Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land.
Bei der Christin handelt es sich um Natalie Abu Dije, eine ehemalige Spielerin der palästinensischen Fußballnationalmannschaft. Sie besuchte in Beit Dschala die „Talitha Kumi“-Schule. An der Bir-Seit-Universität studiert sie Medien- und Kommunikationswissenschaften. Eine PRO-Anfrage an die Armee zu genauen Hintergründen der Festnahme blieb bis Freitagnachmittag unbeantwortet.
In Jerusalem nahm die israelische Polizei indes die Fußballnationalspielerin Rand Halawani und einen Mann fest. Die beiden Palästinenser sollen Gegenstände auf Demonstranten geworfen haben.
EKD-Auslandsbischof besorgt
Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land, Imad Haddad, forderte Abu Dijes Freilassung. „Wir sind zutiefst schockiert und entsetzt über diese Nachricht – auch darüber, dass ihre Familie noch nicht weiß, wo sie hingebracht wurde“, erklärte er am Dienstag.
Der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Frank Kopania, äußerte in einer Mitteilung vom Donnerstag seine Besorgnis über die Festnahme der palästinensischen Christin: „Im Mittelpunkt unserer Sorge steht zunächst ein junger Mensch: eine Tochter, Studentin, Freundin und Angehörige einer kleinen christlichen Gemeinschaft im Heiligen Land.“
Für ihre Familie bedeute eine solche Festnahme eine kaum auszuhaltende Ungewissheit: „nicht zu wissen, wo das eigene Kind ist, wie es ihm geht, wann Kontakt möglich sein wird und welche Schritte als Nächstes folgen. Diese menschliche Dimension darf inmitten politischer Spannungen und sicherheitspolitischer Erwägungen nicht aus dem Blick geraten.“
Kopania bekundete Solidarität mit Abu Dije. Das Gebet der EKD gelte der Studentin, ihrer Familie und allen Menschen im Heiligen Land, die unter den Folgen der anhaltenden Konflikte litten. „Frieden, Gerechtigkeit und die Achtung der Menschenrechte bleiben die unverzichtbaren Grundlagen für eine gemeinsame Zukunft von Israelis und Palästinensern.“
Fußballverband und Universität sehen Muster
Der Palästinensische Fußballverband sieht in der Festnahme der beiden Spielerinnen indes „keinen Einzelfall“. Die Aktion sei „Teil eines gut dokumentierten Musters des systematischen Abzielens auf palästinensische Athleten“.
Auch die Universität kritisierte die Festnahmen. Sie zeugten von einer „systematischen Politik gegen palästinensische Bildung und die Rechte von Studenten, ihre akademische Reise fortzusetzen“.