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Verantwortung vor Gott und den Menschen

Welche Rolle spielen Glaube und Werte in Politik und Gesellschaft? Aus welcher Quelle schöpfen Politiker Kraft im oft zehrenden und hektischen Alltag? Diesen und anderen Fragen junger Christen stellten sich Bundespolitiker bei den 19. "Tagen der Begegnung" in Berlin. 
Von PRO

Foto: pro

180 Teilnehmer zwischen 17 und 27 Jahren waren vom 19. bis 21. Mai der Einladung von Hermann Gröhe (CDU), Dietmar Nietan (SPD), Otto Fricke (FDP) und Katrin Göring-Eckardt (Bündnis90/Die Grünen) gefolgt. Die Vorträge und Workshops fanden im Jugendgästehaus der Stadtmission und in den Fraktionssälen im Reichstag statt.

Bundestags-Vizepräsidentin Göring-Eckardt, seit 2009 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, ermutigte die Zuhörer bei der Auftaktveranstaltung, "über Werte zu sprechen, statt zu schweigen". Das Glück der Menschen hänge nicht von materiellem Reichtum ab – so seien beispielsweise die Menschen in Tansania laut einer Studie glücklicher als die Deutschen. Durch den Glauben könne man an allen Orten der Welt "Stärkung erfahren, und diese hinterher an andere weitergeben", so Göring-Eckardt weiter. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Otto Fricke, bekräftigte dies: "Bei der Frage nach der richtigen Entscheidung kann der Glaube sehr hilfreich sein".

Tageslosung auf dem iPhone


Diesen Gedanken schloss sich CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe in seinem Vortrag an. Die Säkularisierung Deutschlands sei "kein Grund zum Jammern, sondern zum fröhlichen Bekenntnis". "In kaum einem Land der Welt", erklärte Gröhe, der auch der EKD-Synode angehört, "gehört so wenig Mut dazu, seinen Glauben zu bekennen, wie in Deutschland". Dies sollten die jungen Menschen auch nutzen. Die christlichen Wertevorstellungen seien "einladend, nicht ausgrenzend". In seiner Familie gehöre der regelmäßige Kirchgang "einfach dazu", so Gröhe. Er selbst versuche, sich jeden Tag Zeit für seinen Glauben zu nehmen: die Tageslosung beispielsweise lese er zwischendurch auf seinem iPhone. Auf die Frage nach den christlichen Werten in der CDU/CSU sagte Gröhe, er wünsche sich, dass "viele in der Partei nicht nur diese Wertevorstellungen teilen, sondern als Motivation auch die Glaubensgrundlage haben".

"Standhaft bleiben"


Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) gab einen persönlichen Einblick in sein Glaubensleben: vor zehn Jahren habe er sich bewusst für die Taufe in der römisch-katholischen Kirche entschieden. Bei seiner Tätigkeit als Arzt in einem katholischen Krankenhaus habe er sich mit den Themen Leid und Sterben auseinander setzen müssen. Der fröhliche und echte Glaube vieler Kollegen, oft inmitten von Leid, habe ihn überzeugt. Zu seinen politischen Leitlinien erklärte Rösler, dass "Freiheit immer auch Verantwortung bedeutet". Man dürfe seine Entscheidungen nicht einfach an Meinungsumfragen orientieren, sondern müsse vielmehr "standhaft das tun, was man nach reiflicher Überlegung für richtig hält". Der Gottesbezug im Grundgesetz schütze dabei vor Überheblichkeit und erinnere daran, "dass es immer noch eine höhere Macht gibt". "Dass ich meine kleinen Töchter oft nur am Wochenende sehe", erzählte Philipp Rösler auf Nachfrage, "ist das Schwierigste an meinem Amt".

Politiker sind Randgruppen


Von dieser Einsamkeit, die so manchen Spitzenpolitiker umgibt, berichtete auch der CDU-Abgeordnete Frank Heinrich (Chemnitz). Als Heilsarmee-Offizier sei er den Umgang mit Randgruppen gewöhnt, "zu denen ja irgendwie auch Politiker gehören". Der Diplom-Sozialarbeiter appellierte an die Zuhörer, politisch aktiv zu werden. "Jeder kann sich zu einer Mahnwache stellen, auch das ist Politik". Er als Politiker könne Themen am besten aufgreifen, wenn sie direkt aus der Bevölkerung kämen. "Wir Abgeordnete können nur repräsentieren, was auch vorhanden ist". Daher sei es wichtig, sich für Themen stark zu machen: "Wer Relevanz will, kann nicht nur reden, sondern sollte auch dementsprechend handeln". Als Vorbilder führte Heinrich Mahatma Ghandi und Martin Luther King an, die stets gewaltfrei für ihre Sache eingetreten seien.

Am letzten Veranstaltungstag luden 70 Abgeordnete aller Fraktionen zu einem gemeinsamen Frühstück im Jakob-Kaiser-Haus ein. In kleinen Gruppen von etwa 8 Personen hatten die Teilnehmer so die Gelegenheit, persönlich mit den Politikern ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen. Trotz der beginnenden Plenarsitzung kamen etwa 50 Gastgeber persönlich. Die Vorträge von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) mussten aber entfallen.

Die "Tage der Begegnung" werden unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung, Deichmann SE und dem Christlichen Medienverbund KEP gefördert. (pro)
http://tage-der-begegnung.eu/
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