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Vatikan-Synode wegen Christenverfolgung im Orient

Christen erleiden in arabischen Ländern seit Jahren immer mehr Verfolgung. In Ländern wie Irak, Iran und im Libanon schrumpft die Zahl der Christen auf wenige Prozent. Aufgerüttelt durch Berichte über Angriffe auf Christen und dem Erstarken des islamischen Fundamentalismus führt die Katholische Kirche von Sonntag an eine zweiwöchige Nahost-Synode in Rom durch.
Von PRO

Foto: Joshua Treviño

Von ehemals 1,2 Millionen Christen unter Saddam Hussein gibt es mittlerweile nur noch rund 300.000 Christen im Irak. Seit der Invasion der alliierten Truppen 2003 ist die wohl brutalste Christenverfolgung der jüngeren Geschichte entfesselt. Schätzungsweise 60.000 Christen sind nach Jordanien geflüchtet, berichtet die "Frankfurter Rundschau". Das Blatt lässt einen katholischen Pfarrer zu Wort kommen, dessen ehemalige Gemeinde in Bagdad nicht mehr existiert. Sein Vater wurde im Irak entführt, weil er Christ war. Auf seiner Haustür war "Haut ab!" gesprüht worden.

Viele Christen erhalten Morddrohungen, werden entführt, ihre Geschäfte demoliert. Im gesamten Nahen Osten leben derzeit noch rund 17 Millionen Christen unter 480 Millionen Muslimen. Im Iran machen sie rund ein Prozent aus, in Israel 2,3 Prozent, in Jordanien 3,5, und in Ägypten zehn Prozent.

Der Vatikan sorgt sich daher um eine "Entvölkerung" von Christen im Nahen Osten. Unter dem Titel "Die katholische Kirche im Mittleren Osten. Gemeinschaft und Zeugenschaft" treffen sich von Sonntag an in Rom 150 Patriarchen und Bischöfe zu einer Synode. Das 46 Seiten umfassende Synodenpapier beklagt zahlreiche Einschränkungen der Religionsfreiheit und der Menschenrechte sowie wirtschaftliche Schwierigkeiten. "Religions- und Gewissensfreiheit sind der muslimischen Mentalität fremd", heißt es darin. Die Anwendung islamischen Rechts auch auf Nichtmuslime etwa sei "diskriminierend" und widerspreche den Menschenrechten. Christen fühlten sich durch eine vom Aufstieg des "politischen Islams" ausgelöste "extremistische Strömung" zunehmend bedroht.

Zudem äußert sich der Vatikan besorgt über islamischen Fundamentalismus, der zu einer wachsenden Zahl von Angriffen auf Christen in der Region führe. Extremismus sei eine "Bedrohung für alle, Christen und Muslime". Der Übertritt zu anderen Religionen sei "für Juden und Muslime häufig vom Staat verboten", heißt es weiter. Ziel der Synode sei die "Stärkung der Christen in der Region", sagte der Generalsekretär der Nahost-Synode, Erzbischof Nikola Eterovi , bei der Vorstellung des Thesenpapiers laut einem Bericht des Evangelischen Pressedienstes (epd).

Geleitet wird die Nahost-Synode vom Präfekten der Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, und dem syrisch-katholischen Patriarchen Ignace Youssif III. Unter den vom Kirchenoberhaupt berufenen Experten befinden sich zahlreiche Personen aus der Nahost-Region und aus Europa.

Erst im Juni hatte Papst Benedikt XVI. die Weltgemeinschaft aufgerufen, noch größeres Blutvergießen im Nahen Osten zu verhindern. Bei seinem Besuch auf Zypern forderte das Kirchenoberhaupt "dringende und gezielte internationale Bemühungen, die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten abzubauen". (pro)

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