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USA: Streit um Muslime im Reality-TV

In den USA ist ein Streit um die Doku-Soap "All American Muslim" entbrannt. Der christliche Verein "Florida Family Association" ruft Werbekunden zum Boykott der Sendung auf, weil die gewalttätigen Aspekte des Islam in der Sendung ausgeblendet würden. Eine Baumarktkette kam der Aufforderung nach – und erntet dafür große Empörung.
Von PRO

Foto: TLC (Screenshot: pro)

Fouad Zaban ist Trainer einer Football-Mannschaft an der örtlichen Highschool von Dearborn, Michigan. Nina Bazzy-Aliahmad will einen Nachtclub eröffnen. Mike Jaafar ist Polizist, seine Frau Angie arbeitet im Marketing, das Paar hat vier Kinder. Sie alle gehören zu den Protagonisten der Doku-Soap "All American Muslim", die seit dem 13. November auf dem US-Sender TLC ausgestrahlt wird. Erstmals werden in der Sendung "ganz normale Muslime von nebenan" bei ihrem Alltag gezeigt.

Für die christliche Gruppe "Florida Family Association" (FFA) stellt die Sendung eine Provokation dar. Sie fordert Christen im Land auf, große Werbekunden der Sendung per E-Mail um einen Boykott der Sendung zu bitten – eine in den USA gängige Form des Protests, oft verbunden mit der Drohung, nicht mehr bei Firmen zu kaufen, die im Umfeld unliebsamer Fernsehsendungen werben. In dem dazu von der FFA veröffentlichten Mustertext heißt es: "Die Sendung ist Propaganda, offensichtlich dafür gedacht, der Besorgnis über radikale Muslime entgegenzutreten, die islamischen Fundamentalismus und die Scharia verbreiten wollen." Weiter wird kritisiert: "Die Show zeigt nur Muslime, die wie ganz normale Bürger erscheinen und blendet diejenigen aus, deren Agenda eine eindeutige Bedrohung für die Freiheit und die traditionellen Werte in Amerika bedeutet."

Besonders den Auftritt des Polizisten Mike Jaafar empfindet die FFA als Provokation. Jaafar sagt in der Sendung: "Ich bin Amerikaner durch und durch, ohne Wenn und Aber." Gerade dieses Bekenntnis zum Staat sei blanker Hohn: In der Stadt Dearborne, dem Zentrum muslimischen Lebens in den USA, würden zum Christentum konvertierte Muslime bedrängt, es habe auch einen Ehrenmord gegeben.

Vor einigen Tagen zeigte dieser Protest Wirkung und entfachte eine öffentliche Debatte. Die Baumarktkette "Lowe’s" zog ihre Werbespots aus dem Umfeld von "All American Muslim" zurück. Die Kette begründete die Entscheidung mit "Beschwerden, Fragen und der Besorgnis von verschiedenen  Seiten des Zuschauerspektrums". Später erklärte der Baumarktriese über den Internetdienst Twitter: "Wir haben unsere Werbung nicht aufgrund der Beschwerden einer einzelnen Gruppe zurückgezogen." Es sei nicht die Absicht der Firma, irgendjemanden vor den Kopf zu stoßen, "Lowe’s" schätze Vielseitigkeit und Integration. Sollte ein anderer Eindruck entstanden sein, entschuldige sich die Firma dafür.

Sturm der Entrüstung gegen "Lowe’s"

Die Baumarktkette ist nun ihrerseits der Entrüstung derjenigen ausgesetzt, die "All American Muslim" verteidigen. Politiker, Prominente und muslimische Verbände in den USA kritisieren die Entscheidung. Keith Ellison, der erste muslimische Abgeordnete im US-Kongress, verurteilte Lowe’s einem Bericht der "Los Angeles Times" zufolge für die "Verbreitung von Ansichten einer hasserfüllten Randgruppe". Einzelne Politiker forderten einen Boykott der Geschäfte von "Lowe’s", ebenso wie der in Amerika bekannte Rapper Russell Simmons oder die Schauspielerin Mia Farrow.

Dabei ist "Lowe’s" nicht der einzige Werbekunde, der nicht mehr in den Pausen von "All American Muslim" wirbt. Stolz präsentiert die FFA eine Liste von Firmen auf ihrer Website, die bei den neuesten Folgen keine Werbung mehr geschaltet hatten. Medienberichten zufolge hatten einige dieser Firmen aber schon vorher nicht im Umfeld der Sendung geworben. Ebenfalls ist offen, ob die Firmen tatsächlich aufgrund des Protests der FFA, oder wegen der niedrigen Einschaltquote der Sendung ihre Spots zurückgezogen haben.

"Florida Family Association" listet "anstößige" TV-Inhalte

Die FFA hat bereits in der Vergangenheit Protestaktionen durchgeführt. Nach eigenen Angaben hat die Gruppe mit ihrem Protest bereits 35.000 einzelne Läden davon überzeugt, keine Pornografie mehr zu verkaufen. Auf ihrer Internetseite listet die Organisation Fernsehserien mit ihrem Empfinden nach anstößigen Inhalten wie Homo- und Transsexualität und stellt Firmen an den Pranger, die in den Werbepausen solcher Sendungen werben. Es erstaunt, dass die FFA die "anstößigen" Bilder in Form von Screenshots der Fernsehsendungen weiterverbreitet – so finden sich auf der Seite der "Familienorganisation" Bilder von Küssen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern.

Wegen eines Hacker-Angriffs war die Seite am Dienstag nicht zu erreichen, inzwischen ist sie wieder online. David Canton, der Leiter der Gruppe, bezeichnete den Hacker-Angriff als "Attacke auf die Redefreiheit".

In den amerikanischen Medien, die sonst nicht zur Zurückhaltung neigen, ist der Streit um "All American Muslim" bislang kein großer Skandal. Deutsche Medien wie "Spiegel Online" und "Welt online" haben über das Thema berichtet und sehen im Vorgehen der FFA, die sie als "evangelikal" definieren, ein weiteres Beispiel für die "Bigotterie" der Christen in den USA. Auf "Welt Online" heißt es in der Schlagzeile: "US-Freikirche bekämpft ‘All American Muslims’", obwohl die FFA keine Kirche, sondern ein Verein ist und die Serie "All American Muslim" heißt.

Wie "Spiegel Online" berichtet, haben auch in den USA lebende Muslime die Doku-Soap kritisiert. Die Serie, so ihr Vorwurf, zeige nur eine Minderheit der Muslime, nämlich aus dem Libanon stammende Schiiten. Andere hätten die fehlende Sittsamkeit der weiblichen Teilnehmer kritisiert. Manche Muslimas in der Sendung tragen Kopftuch, andere einen Minirock. Nina Bazzy-Aliahmad, eine der Protagonistinnen, versucht gerade, einen Nachtclub zu eröffnen. Männliche Geschäftspartner erklären ihr vor laufender Kamera, dass sich das für eine Frau nicht gehöre.

"Die Ironie ist, dass der Streit um ‘Lowe’s’ Werbung der Sendung die Dramaturgie verleiht, die ihr bisher gefehlt hat", fasst die Journalistin Michelle Goldberg das Thema in der Internetzeitung "The Daily Beast" zusammen. Gerade weil die dargestellten Menschen ganz normal seien, sei die Show oft langweilig. "Und es ist dieses total normale Leben, das die Kritiker der Sendung nicht tolerieren wollen." (pro)

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