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USA: Kinder nach Cyber-Mobbing festgenommen

In Florida hat sich eine 12-Jährige das Leben genommen, nachdem sie online gemobbt wurde. Obwohl die Haupttäterinnen erst 12 und 14 Jahre alt sind, hat die Polizei sie festgenommen und ihre Namen öffentlich gemacht. Dieses Vorgehen gefällt nicht jedem.
Von PRO

Foto: NBC News

Am 10. September setzte die 12-jährige Rebecca S. ihrem jungen Leben ein Ende. In einer stillgelegten Zementfabrik kletterte sie auf einen Turm und sprang in den Tod. Zuvor war sie über Monate hinweg von Schulkameradinnen gemobbt worden – mit Schlägen, verletzenden Worten und demütigenden Einträgen auf ihrer Facebook-Seite.

Die beiden Haupttäterinnen sind erst 12 und 14 Jahre alt, wobei die ältere der beiden die Führung innehatte und in der Schule Hass gegen Rebecca schürte. „Du solltest Bleichmittel trinken, bis du stirbst“, soll sie Rebecca ins Gesicht gesagt und sie mehrfach zum Selbstmord animiert haben. Immer wieder sagte die 14-Jährige, dass Rebecca hässlich sei, begann eine Beziehung zu deren Ex-Freund.

Trotz Schulwechsel: Mobbing im Internet allgegenwärtig

Das Mobbing der Mädchen-Gang weitete sich auf Rebeccas Freunde aus. Allen, die noch zu ihr hielten, wurde mit Konsequenzen gedroht. Ein Mädchen wird hinterher der Polizei erzählen, sie habe zu viel Angst gehabt, um noch mit Rebecca befreundet zu bleiben. Um Weihnachten 2012 gelingt es der Haupttäterin, Rebeccas beste Freundin gegen sie aufzuhetzen und sie dazu zu bringen, das Mädchen zu schlagen.

Wegen der Schläge wird Rebeccas frühere beste Freundin vom Unterricht suspendiert. Das Mobbing bleibt nicht auf dem Schulhof, sondern verfolgt Rebecca per Internet und Handy auf Schritt und Tritt. Ihre Mutter schickt die Tochter auf eine andere Schule, ändert die Telefonnummer. Es hilft nichts. Auf ihrer Facebook-Seite geht der Terror weiter. Die 12-Jährige beginnt, sich bei Google über verschiedene Selbstmord-Methoden zu informieren – Tabletten, Gift, Rasierklingen. Sie entscheidet sich schließlich für den Turm in der alten Zementfabrik.

Amerika diskutiert medienwirksame Festnahme von Kindern

All das ist über einen Monat her, und doch diskutiert die amerikanische Medienöffentlichkeit den Fall seit einigen Tagen intensiv. Grund hierfür ist Grady Judd, Sheriff des Landkreises Polk County, in dem sich die Tragödie zugetragen hat. Am Dienstag lud er zu einer Pressekonferenz ein, bei der er medienwirksam die Festnahme der Täterinnen im Kindes- und Teenageralter bekanntgab. Er nannte die vollen Namen der Mädchen und zeigte ihre Polizeifotos – ein Vorgehen, das in den USA bei erwachsenen Straftätern üblich ist, nicht aber bei Minderjährigen. Entsprechend zurückhaltend geben sich Amerikas Zeitungen und Fernsehsender, verfremden die Fotos und nennen die Namen nicht.

Gegen Mobbing auf dem Schulhof gibt es in Florida kein Gesetz. Der Tatbestand, den die Polizei den Mädchen vorwirft, lautet „schweres Stalking“, im Bezug auf die beleidigenden Einträge in sozialen Online-Netzwerken. „Wir sind uns dieses Tatbestandes sehr sicher“, erklärte Judd am Mittwochabend im Lokalsender WTVT. Es handele sich um ein ernstes Verbrechen, daher mache er die Angelegenheit öffentlich. Auslöser für die Festnahme war ein Eintrag der älteren Täterin auf ihrer Facebook-Seite: „Ich weiß, dass ich Rebecca gemobbt habe und dass sie sich umgebracht hat, aber IDGAF.“ IDGAF steht für „I don‘t give a Fu**“, übersetzt etwa: Es kümmert mich einen Scheiß.

Die beiden Mädchen wurden erkennungsdienstlich behandelt und nach wenigen Stunden im Jugendgefängnis wieder zu ihren Eltern gebracht.

Vater: „Meine Tochter ist kein Monster“

Das Vorgehen der Polizei ist nicht unumstritten. Der Anwalt Jeff Brown beispielsweise sagte ebenfalls bei WTVT, Judd habe seine Kompetenzen als Sheriff überschritten: „Er ist kein Richter, und er ist kein Anwalt. Er trägt zur Vorverurteilung der Mädchen bei.“ Klüger sei es abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben. Um das Online-Mobbing gegen Rebecca genau nachvollziehen zu können, sollen nun Daten bei verschiedenen Internetanbietern, unter anderem in Kanada, überprüft werden.

Die Eltern der Festgenommenen weisen alle Schuld von ihren Kindern. Die Mutter der 14-Jährigen behauptet, die Facebook-Seite ihrer Tochter mit der bösartigen Reaktion auf den Selbstmord sei gehackt worden, sie selbst habe die Online-Aktivitäten ihrer Tochter kontrolliert. Der Vater der 12-Jährigen sagte: „Sie ist eine erstklassige Schülerin. Sie ist nicht das Monster, als das sie in den Medien rüberkommt.“

Rebeccas Mutter hofft, dass die beiden Täterinnen resozialisiert werden. Gegenüber NBC News sagte sie: „Gerechtigkeit wäre für mich, wenn diese Mädchen ihre Leben und ihr Verhalten anderen gegenüber ändern würden.“ Am kommenden Wochenende wäre Rebeccas 13. Geburtstag gewesen. (pro)

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