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USA: Identitätskrise der Evangelikalen?

Die Evangelikalen in den USA stecken in einer großen Krise, schreibt der Journalist Tom Gjelten. Bei dem Adjektiv „evangelikal“ gehe es mittlerweile weniger um das Evangelium, als viel mehr um eine politische Agenda, kritisieren immer mehr christliche Leiter.
Von Jörn Schumacher
„Die evangelikalen Christen in den USA durchleben gerade eine Identitätskrise“, schreibt der Journalist Tom Gjelten von NPR
„Die evangelikalen Christen in den USA durchleben gerade eine Identitätskrise“, schreibt der Journalist Tom Gjelten von NPR

„Die evangelikalen Christen in den USA durchleben gerade eine Identitätskrise“, schreibt der Journalist Tom Gjelten vom National Public Radio (NPR) unter der Überschrift „2017 war ein schweres Jahr für Evangelikale“. „Anders als andere Religionsgemeinschaften umfasst die evangelikale Bewegung eine Spanne von unterschiedlichen Perspektiven und Tendenzen und ist deshalb anfällig für Zersplitterung und Meinungsverschiedenheiten“, erklärt der Autor.

Die derzeitige Krise basiere etwa darauf, dass einige selbsternannte Evangelikale Präsident Donald Trump oder auch den mittlerweile gescheiterten Senatskandidaten Roy Moore öffentlich unterstützen. Dabei seien beide bekannt dafür, eher Ressentiments gegenüber andere Gruppierungen zu schüren anstatt Einheit zu schaffen. „Bei einigen Evangelikalen beschädigt ein Muster aus Narzissmus, Lügen, Frauenfeindlichkeit und Verunglimpfung von Immigranten und Flüchtlingen ihre religiöse Tradition.“

Viele prominente evangelikale Vertreter hätten inzwischen öffentlich gesagt, dass sie das Label evangelikal ablegen wollten wegen der politischen Konnotation, die das Wort mittlerweile habe. Dabei stamme das Wort „evangel“ aus dem Altgriechischen und bedeute in etwa „gute Nachricht“, erinnert Gjelten.

Die Bedeutung des Wortes „evangelikal“

Der Journalist zitiert Collin Hansen von der Organisation „Gospel Coalition“ mit den Worten: „Für alle diejenigen unter uns, die sich wünschen, dass unsere Nachbarn die Liebe Jesu Christi kennen lernen, ist das ein tragischer Moment. Dabei bedeutet das Wort ‚evangel‘, das uns zu Evangelikalen macht, die Gute Nachricht, aber unsere Nachbarn hören nur eine bestimmte politische Agenda oder eine bestimmte Art von Angst und Frustration.“

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes „LifeWay Research“ habe ergeben, dass weniger als die Hälfte der so genannten evangelikale Christen in Amerika überhaupt die Autorität der Bibel anerkennt oder glaubt, dass Jesus Christus der Weg zur Vergebung der Sünden sei. „In den vergangenen Jahren bekam das Label evangelikal zunehmend eine politische Konnotation“, schreibt Gjelten.

Ebenso habe Mark Galli, Chefredakteur von Christianity Today, festgestellt: „Die Wahrnehmung ist, dass Evangelikale vor allem politisch konservative Menschen sind, und ihre Religion nur der Anstrich.“ Stephen Strang, der in seinem neuen Buch „God and Donald Trump“ versucht zu erklären, warum etwa 80 Prozent der weißen Evangelikalen Trump bei der Wahl unterstützt haben, stimmt der Ansicht zu, dass Amerika auf dem Weg in eine zunehmende Säkularisierung sei. Aber das Mittel dagegen sei nicht die Politik. „Die Leute denken: ‚Wenn ich nur noch dieses kleine Gesetz durchbringe, kommen wir dem Himmelreich ein kleines bisschen näher.‘ Ich glaube, das ist ein riesiger Irrtum.“

Scott McConnell, der die Umfrage von „LifeWay“ durchführte, ist überzeugt, dass die Zukunft eine Öffnung von Evangelikalen zu anderen Kulturen mit sich bringe. Jüngere Evangelikale hätten viel eher Beziehungen auch zu Menschen anderer Ethnien, und das führe dazu, dass die evangelikale Bewegung immer weniger politisiert werde.

Von: Jörn Schumacher

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