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US-Wahlkampf: Wie viel Glaube ist erlaubt?

Wie oft und in welcher Weise sollte im US-Wahlkampf über den Glauben gesprochen werden? Verbände unterschiedlichster Religionsgemeinschaften haben dazu einen Leitfaden veröffentlicht. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Rick Santorum und der Evangelist Franklin Graham erregen derweil mit Äußerungen über Barack Obamas Glauben die Gemüter.
Von PRO

Foto: Gage Skidmore (CC-BY-SA)

"Kandidaten für öffentliche Ämter haben selbstverständlich das Recht, ihren eigenen Glauben frei zu leben", heißt es in dem Dokument, das unter anderem vom "Baptistischen Komitee für Religionsfreiheit", dem Dachverband der Methodisten, dem "Amerikanisch-Islamischen Kongress", dem "Amerikanisch-Jüdischen Komitee" und der "Hinduistischen Stiftung Amerikas" unterzeichnet wurde. "Und sie sollten sich dabei wohlfühlen, den Wählern ihre religiösen Überzeugungen zu erklären und ihre Glaubensinhalte zu kommentieren", schreiben die Verfasser der Erklärung. Kandidaten, die sich für ein Amt bewerben, sollten darüber hinaus, wenn sie möchten, auch darüber sprechen, welchen Einfluss ihr Glaube auf ihre Arbeit und ihre Politik habe.

Allerdings gebe es auch einen Punkt, ab dem die Betonung der Religion in Wahlkämpfen unangemessen werde und in einer religiös heterogenen Gesellschaft sogar verunsichernd wirken könne. Es spalte die Gesellschaft, nur Wähler einer bestimmten Religion anzusprechen: "Das widerspricht dem amerikanischen Ideal, alle Bürger in den politischen Prozess einzubinden, egal, ob sie Mitglieder einer großen und starken Religionsgruppe sind, einer religiösen Minderheit oder gar keiner Glaubenstradition angehören."

Die Wähler, so ist in dem Papier weiter zu lesen, sollten ihre Entscheidung aufgrund der Qualifikation, Integrität und politischen Positionierung eines Politikers treffen. Das religiöse Bekenntnis eines Kandidaten sollte weder von ihm selbst noch von den Wählern als entscheidende Qualifikation für ein Amt gewertet werden. Konkret fordern die 14 unterzeichnenden Verbände einen Verzicht auf religiöse Vorurteile und Voreingenommenheit und einen Wahlkampf, der sich nicht spezifisch auf die Religion stützt. "Die rote Linie wird überschritten, wenn ein Kandidat suggeriert, dass er wegen seines Glaubens gewählt werden sollte", zitiert die Onlinezeitung "Huffington Post" den Vorsitzenden der "Interfaith Alliance", Welton Gaddy. Er sei sehr befremdet über die Rolle, die Religion in den letzten Wahlkämpfen gespielt habe.

Republikaner Santorum unterstellt Obama "unbiblische Theologie"

Trotz der Wirtschaftskrise haben religiös belegte Themen im Präsidentschaftswahlkampf der USA in den letzten Wochen wieder an Gewicht gewonnen. Für heftige Kritik sorgte der sehr konservative katholische Kandidat Rick Santorum, der bei einer Rede in Ohio den christlichen Glauben von Präsident Barack Obama anzweifelte: "Bei Obamas Politik geht es nicht um euch, es geht nicht um eure Lebensqualität, es geht nicht um eure Jobs", sagte er. "Es geht um ein falsches Ideal. Eine falsche Theologie. Keine Theologie, die auf der Bibel basiert – eine andere Theologie." Santorum stellte später klar, dass er sich mit dieser Aussage lediglich auf Obamas Umweltpolitik bezogen habe, die die Erde höher stelle als den Menschen.

Auch Franklin Graham, Sohn des Evangelisten Billy Graham und jetziger Leiter des Missionswerks der Familie, will sich über Obamas Glauben nicht eindeutig festlegen. Als er am Dienstag im Nachrichtensender MSNBC gefragt wurde, ob er Obama für einen Christen halte, antwortete er ausweichend: "Diese Frage kann ich für niemanden beantworten. Sie müssen sie Präsident Obama stellen. Er sagt, dass er Christ ist, also nehme ich an, dass er es ist." Graham berichtete von einem Gespräch mit Obama, bei dem er ihn gefragt habe, wie er zum Glauben gekommen sei. Obama habe daraufhin lediglich erzählt, in welche Kirche er gehe. Ein Christ zu sein bedeute jedoch mehr als nur den Kirchgang, erklärte Graham. In Medien und sozialen Netzwerken wurde er für diese Ausführungen scharf kritisiert.

Den in politischen Fragen konservativ aufgestellten Katholiken Santorum bezeichnete Graham jedoch trotz "theologischer Differenzen" als Christen. Auf die Frage, wie er zum Glauben des mormonischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney stehe, sagte Graham: "Die meisten Christen würden das Mormonentum nicht als Teil des Christentums betrachten. Klar, sie glauben an Jesus Christus. Aber sie glauben an viele andere Dinge, die wir so nicht akzeptieren können." Allerdings sei Romney für die Präsidentschaft geeignet.

Die nächsten Vorwahlen zur amerikanischen Präsidentschaft finden am 28. Februar in Michigan und Arizona statt. Die Präsidentschaftswahl ist am 6. November. (pro)

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