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US-Kita: Ipad statt Buntstifte

In einer Kindertagesstätte im US-Bundesstaat Maine sollen Vorschulkinder künftig mit iPads lernen. Rund 200.000 Dollar, umgerechnet knapp 140.000 Euro, investiert die Kita für das Projekt. Unter Experten ist der Einsatz von Computern in Kindergärten allerdings umstritten.
Von PRO

Foto: Markus Schieder (Fotolia)

Ein Kommitee, das im US-Bundesstaat Maine für Bildung verantwortlich ist, hat das Pilotprojekt vergangene Woche gestartet. Laut einem Bericht des "Computer Kommunikation Netzwerks" bezeichnen die Verantwortlichen ihre Entscheidung als "Meilenstein" auf dem Weg zu besserer Bildung für Kinder. Diese sollen durch den Umgang mit den Geräten schneller lernen.

Wie "Focus Schule" berichtet, ist der Leiter der Kita, Tom Morrill, davon überzeugt, dass iPads für Kleinkinder ideal sind, um den Umgang mit Buchstaben und Zahlen zu lernen. Morill sieht in dem Einsatz der mobilen Geräte "eine Revolution in der Erziehung". Auch der frühere Gouverneur von Maine, Angus King, zeigt sich begeistert: Was immer die Aufmerksamkeit und Begeisterung der Kinder erregt, sei für die Lernprozesse förderlich, zitiert ihn "Focus Schule".

Der ehemalige Professor an der Stanford-Universität in Kalifornien, Larry Cuban, weist darauf hin, dass es in der wissenschaftlichen Literatur keinerlei Belege dafür gebe, dass das Verteilen von iPads an Fünfjährige wirklich eine Verbesserung der Lesefähigkeiten bewirke.

Computer erst in der Grundschule?

In Deutschland sind Experten geteilter Meinung bezüglich des Computereinsatzes in Kindertagesstätten. "Viele Kinder haben bereits einen zu hohen Fernsehkonsum, da sollte die Kita eher gegensteuern und zeigen, was es in der realen Welt alles zu erleben gibt", sagte die Sozialpädagogin Birgit Grämke von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung Mecklenburg-Vorpommern bereits 2010 gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Außerdem gebe es keine Studie, die belege, dass ein früher Medienkonsum zu einer besseren Medienkompetenz führe.

Nach Ansicht der Pädagogin reicht es völlig aus, wenn in der Grundschule mit der Computerbildung begonnen werde. Grämke befürchtet, dass bei zu früher Beschäftigung mit der virtuellen Computerwelt wichtige Sinne verkümmern. "Computer bedienen, wie auch der Fernseher, nur die Sinne Hören und Sehen." Bewegung spiele keine Rolle, Tast-, Geschmacks- und Geruchssinn würden nicht gefordert. Kleine Kinder benutzten aber alle Sinne, um die Welt zu erfassen und zu begreifen.

Wenn Computer in Kindergärten aufgestellt würden, müsse deren Nutzung in ein pädagogisches Konzept eingebettet sein, fordert der Medienwissenschaftler Norbert Neuss. Er ist Leiter des Studiengangs "Bildung und Förderung in der Kindheit" an der Gießener Justus-Liebig-Universität. Auf seiner Internetseite fordert der Dozent Erziehende dazu auf, nicht immer nur darauf zu schauen, was Medien für Schäden anrichten könnten, sondern zu sagen: "Wir wollen uns den produktiven und sinnvollen Aspekten zuwenden". Dazu gehören für Neuss beispielsweise Projekte wie "mit Kindern fotografieren". Wichtig findet er vor allem, dass Erzieherinnen und Pädagogen für die Arbeit mit Medien im Kindergarten ausgebildet werden.

Für die Sozialpädagogin Grämke ist noch ein anderer Aspekt wichtig: Kinder dürften "auf gar keinen Fall alleine vor dem Computer sitzen, auch nicht mit einem Lernspiel". (pro)

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