Die geplante öffentliche Hinrichtung eines verurteilten Amokläufers in den USA durch ein Erschießungskommando stößt auf Kritik christlicher Kirchenvertreter. Der Vorsitzende der katholischen US-Bischofskonferenz, Erzbischof Paul S. Coakley, bezeichnete das Vorhaben nach Angaben von Religion News Service (RNS) als „barbarische Förderung einer Kultur des Todes“. Auch evangelikale Vertreter warnen dem Bericht zufolge vor den Folgen einer öffentlich übertragenen Exekution.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte am 8. Oktober angekündigt, die Hinrichtung des ehemaligen Militärpsychiaters und Offiziers Nidal Malik Hasan öffentlich zugänglich zu machen und live übertragen zu lassen. Hasan erschoss bei einem Amoklauf im November 2009 auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas 13 Menschen und verletzte 32 weitere. Ein Militärgericht verurteilte ihn 2013 zum Tode. Die Hinrichtung durch ein Erschießungskommando ist für den 3. Dezember 2026 vorgesehen.
Bischof warnt vor einer „Kultur des Todes“
Erzbischof Coakley erklärte, Hasans Verbrechen seien durch nichts zu rechtfertigen. Die geplante öffentliche Hinrichtung untergrabe jedoch die moralischen Grundlagen der US-amerikanischen Gesellschaft. Unter Berufung auf Römer 12,17 – „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem“ – forderte er die Verantwortlichen auf, ihre Entscheidung zu überdenken.
Unterstützung erhielt Coakley von Walter Kim, dem Präsidenten der National Association of Evangelicals. Kim betonte gegenüber RNS die Notwendigkeit, Hasans Verbrechen gerecht zu bestrafen. Eine live übertragene Hinrichtung drohe jedoch, eine der ernstesten staatlichen Aufgaben in ein öffentliches Spektakel zu verwandeln.
Unter evangelikalen US-Christen ist die Frage allerdings umstritten. Der baptistische Pastor Robert Jeffress aus Dallas verteidigte die öffentliche Hinrichtung unter Berufung auf 1. Mose 9,6. Auch Pastor Doug Wilson, dessen Gemeinde der US‑Verteidigungsminister besucht, sprach sich grundsätzlich für öffentliche Exekutionen aus, warnte allerdings davor, diese zu einem makabren Schauspiel werden zu lassen.
Papst Leo XIV. lehnt Todesstrafe ab
Papst Leo XIV. bekräftigte am 10. Oktober, dem Welttag gegen die Todesstrafe, die ablehnende Haltung der katholischen Kirche zur Todesstrafe. In einer Botschaft auf der Plattform X erklärte er, die Todesstrafe sei unzulässig, weil sie die Unantastbarkeit und Würde des Menschen verletze. Der Schutz der Gesellschaft und die Anforderungen der Gerechtigkeit ließen sich auch ohne Hinrichtungen gewährleisten. Moderne Haftsysteme könnten die Bevölkerung schützen, ohne Verurteilten jede Möglichkeit zur Umkehr zu nehmen.
Die Todesstrafe ist unzulässig, da sie die Unverletzlichkeit und Würde des Menschen verletzt. Das Gemeinwohl kann geschützt und den Anforderungen der Gerechtigkeit kann Rechnung getragen werden, ohne auf die Todesstrafe zurückzugreifen: Es wurden wirksame Haftsysteme entwickelt,…
— Papst Leo XIV (@Pontifex_de) October 10, 2026
Der Papst erwähnte die geplante Hinrichtung Hasans in seiner Botschaft nicht ausdrücklich. Die katholische Kirche hatte ihre grundsätzliche Ablehnung der Todesstrafe 2018 unter Papst Franziskus ausdrücklich im Katechismus verankert. Sie betrachtet die Todesstrafe seither als unvereinbar mit der Menschenwürde und setzt sich weltweit für ihre Abschaffung ein.