US-Evangelikale kritisieren ICE-Gewalt

Zwei evangelikale US-Pastoren haben ihre Sorge zur aktuellen Lage in Minnesota geäußert. Es herrsche ein Klima der Angst, auch unter „legalen US-Bürgern“. Kirchen hätten sich aufgemacht, verängstigten Menschen mit Migrationshintergrund zu helfen.
Von Anna Lutz

Der Pastor mit mexikanischen Wurzeln, Yonathan Moya, fühlt sich auf den Straßen seiner Heimat Minneapolis nicht mehr sicher. Das erklärte er in einem Video der „National Association of Evangelicals“, die der „Weltweiten Evangelischen Allianz“ angehört. Moya ist Leiter der christlichen Organisation „Border Perspective“ die unter Menschen mit migrantischem Hintergrund arbeitet. Im Interview spricht er von einer „harten Realität der Gewalt und der Angst, die über diese vulnerablen Gemeinschaften gekommen sei“. Auch er selbst verlasse das Haus derweil nicht mehr ohne seinen Pass.

Moya spricht damit das Vorgehen der US-Migrationsbehörde ICE an, die derzeit in Minneapolis nach illegalen Einwanderern sucht. Bei Protesten gegen deren teils brutales Vorgehen waren jüngst zwei US-Bürger ums Leben gekommen, der 37-jährige Alex Pretti und die gleichalte Renée Good. Sie wurden beide von ICE-Einsatzkräften erschossen. 

Moya spricht weiter davon, dass er durch die Geschehnisse, die Grundlagen der amerikanischen Gesellschaft anzweifle: Freiheit und Zusammenhalt. Auch viele Pastoren mit mexikanischem Hintergrund lebten in Angst. „Das ist herzzerreißend“, sagte Moya. „Ich hätte nie gedacht, dass wir so etwas in dem Land, dass ich so sehr liebe, in unseren Straßen sehen müssen.“

„Menschen werden bedrängt und inhaftiert“

Carl Nelson, Präsident der Organisation „Transform Minnesota“, einem christlichen Netzwerk, bestätigte diese Eindrücke. Auch er berichtete von ICE-Einsätzen gegen legale US-Bürger. „Die Menschen, deren Leben mit unseren verbunden sind, werden bedrängt und inhaftiert“, sagte er und ergänzte: „sehr gewalttätig inhaftiert“. Jüngst habe er selbst miterlebt, wie eine stillende Mutter von ihrem drei Monate alten Säugling getrennt worden sei. Erst nach Wochen sei sie wieder freigekommen.

Moya berichtete auch von Hilfsaktionen, die evangelikale Organisationen und Kirchen in Minnesota leisteten. Viele Menschen blieben aus Angst im Innern ihrer Häuser. Christen versorgten sie mit Essen. Nelson sprach von Fahrgemeinschaften, die sich darum kümmerten, dass Kinder zur Schule kämen oder kranke Menschen in Krankenhäuser gebracht würden. Auch finanzielle Spendenaktionen seien angelaufen. 

Moya und Nelson riefen Christen dazu auf, für die Menschen in Minnesota zu beten. „Wir wissen, dass Gott falsche Dinge richtig machen kann und alle Dinge neu“, sagte Moya. Darauf wolle er sich stützen. „Betet für die Menschen, die leiden und deren Leben ins Chaos gestürzt wurde“, ergänzte Nelson. 

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