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Ursachen für Unterdrückung

Der Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats, Heiner Bielefeldt, sieht unterschiedliche Gründe, warum in so vielen Ländern religiöse Minderheiten unterdrückt werden. Gegenüber dem Kölner "Domradio" sagte der katholische Theologe, dass Staaten auf diese Weise manchmal vom eigenen Versagen ablenken wollten.
Von PRO

Foto: UN

Eine Ursache für die Unterdrückung religiöser Minderheiten sieht Bielefeldt in der negativen Stimmung innerhalb der Bevölkerung. "Die kann sich sogar in richtigen Hassakten entladen", sagt der Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg. Dafür gebe es dramatische Beispiele in vielen Ländern der Welt, "wenn man etwa auf Pakistan, die terroristischen Anschläge in Nigeria oder die gewaltsamen Übergriffe auf Kopten in Ägypten schaut".

Manchmal versuchten Staaten, von eigenem Versagen abzulenken und Aggressionen umzuleiten, entweder auf das Ausland oder interne Minderheiten, stellt Bielefeld fest. Dieses immer wieder in der ganzen Welt anzutreffende Muster, nutzen Regierungen, "um Ressentiments auf Kanäle zu leiten, die ihnen selber weniger gefährlich sind". Solche Diskriminierungen könnten zum Beispiel darin bestehen, dass bestimmte religiöse Gruppen oder Minderheiten sich jedes Jahr neu registrieren lassen, also immer wieder bürokratische Verfahren durchlaufen müssten. "Ohne Registrierung gelten ihre Aktivitäten zum Teil als illegal."

Administrative Schikanen

Ein weiterer wichtiger Punkt sei das Bildungssystem. "Es gibt Länder wie Saudi-Arabien, wo auch innerislamische Minderheiten erleben, dass ihnen in der Schule ein Kurrikulum aufgedrückt wird, wonach sie eine ganz bestimmte Interpretation des Islam lernen und als Voraussetzung auch der Schulabschlüsse entsprechende Kurse belegen müssen." Darüber hinaus gebe es gesellschaftliche Schikanen, wie die Verfolgung von Konvertiten. "In vielen Ländern der Welt ist Konversion vom Islam gar nicht vorgesehen, Abfall vom Glauben kann administrativ schikaniert werden, aber in einigen Ländern sogar strafrechtlich."

Als UN-Sonderberichterstatter habe er die Möglichkeit, jedes Jahr im Menschenrechtsrat und in der Generalversammlung auf Missstände hinzuweisen, "auch Klarstellungen vorzunehmen, weil es manchmal Tendenzen gibt, die Religionsfreiheit zugunsten einer kaum mehr greifbaren Toleranz-Rhetorik aufzuweichen". (pro)

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