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Untreue via Mausklick: Agentur wirbt nun auch in Deutschland

Das amerikanische Unternehmen "Ashley Madison" will das Fremdgehen möglichst leicht machen. Auf seiner 2002 ins Leben gerufenen Webseite können sich Verheiratete anonym Sex-Partner suchen. Seit Oktober hat die unmoralische Dating-Agentur auch in Deutschland einen Ableger – Werbung für "Ashley Madison" läuft landesweit in Funk und Fernsehen. Die Organisation für Seelsorge und Sexualethik "Weißes Kreuz" verurteilt indessen entschieden das Angebot der Agentur.

Von PRO

Foto: Fotolia/Berns Jürgens

"Ashley Madison möchte niemanden dazu bringen, fremd zu gehen. Wenn Sie Probleme in Ihrer Partnerschaft oder Ehe haben, sollten Sie eine Beratungsstelle aufsuchen. Wenn Sie trotzdem dazu entschlossen sind, eine andere Person als Ihren Partner zu suchen, um unerfüllte Bedürfnisse zu befriedigen, dann sind wir fest davon überzeugt, dass unser Angebot der beste Startpunkt ist", erklärt  die Agentur auf ihrer deutschen Homepage. Und verdient dabei nicht schlecht: Wer an einem Seitensprung interessiert ist und Gleichgesinnte kontaktieren will, muss für das Kennenlernpaket 49 Euro zahlen.

Die Agentur will den deutschen Markt erobern. Deshalb hat das Unternehmen TV- und Radiospots geschaltet, die unter anderem beim Sender RTL laufen. Der Werbefilm zeigt eine Frau, die in einem Restaurant auf ihren Ehemann wartet – das Paar hat Hochzeitstag. Doch der Gatte kommt zu spät, telefoniert während des Abendessens, flirtet mit einer Kellnerin und benimmt sich auch sonst so gar nicht wie ein Gentleman. "Stellen Sie sich vor, Sie haben ein richtig schlechtes Date – und stellen Sie sich vor, es wiederholt sich für den Rest Ihres Lebens", heißt es in dem Clip. Dann folgt der Slogan der Datingagentur: "Das Leben ist kurz – gönn dir eine Affäre".

Auch die Deutschen wollen fremdgehen

Der Erfinder der Agentur wirkt jedoch ausgesprochen brav: Noel Biderman ist 39, verheiratet und Vater zweier Kinder. 2001 gründete er "Ashley Madison" und machte daraus ein Erfolgsprojekt. Mittlerweile hat sein 2002 online gegangenes Portal Medienberichten zufolge 120 Mitarbeiter und über 7 Millionen Mitglieder. "Wenn wir 2011 nicht um die 100 Millionen Dollar einnehmen, sind wir enttäuscht", sagte Biderman kürzlich in einem Interview. Auch der Mann, der das unmoralische Angebot auf dem deutschsprachigen Markt etablieren will, ist Familienvater. Constantin Dietrich sagte dem österreichischen Nachrichtendienst "News.at": "Unsere Recherchen haben gezeigt, dass die Nachfrage im deutschsprachigen Raum groß ist." Laut der Münchner "Abendzeitung" scheint das zuzutreffen: Allein in Bayerns Hauptstadt erzielte die Seite am Tag ihrer Veröffentlichung 16.000 Klicks.

Ethisch verwerflich finden die Macher ihr Angebot nicht. Auf der deutschsprachigen Webseite begründen sie das so: "Menschen gehen nicht fremd, weil es einfach oder bequem ist. Die Meisten gehen fremd, weil in ihrer Beziehung etwas fehlt und sie das Gefühl haben mehr zu verdienen als das, was der Partner ihnen gibt. Unser Angebot erhöht die Wahrscheinlichkeit des Fremdgehens genausowenig, wie die Herstellung von Glasflaschen den Alkoholismus fördert." Die Aufgabe der Agentur sei es, "unseren Kunden eine sichere und diskrete Plattform zu bieten, auf der sie ihre Gefühle erforschen können ohne sich dabei unnötigen Risiken auzusetzen".

Weißes Kreuz: "Geheimnistuerei ist keine Lösung"

Rolf Trauernicht, Leiter der Organisation für Seelsorge und Sexualethik "Weißes Kreuz", findet keine freundlichen Worte für solche Angebote. "Geheimnistuerei ist keine Lösung für ein Eheproblem", erklärt er auf Anfrage von pro. Wer mit der Sexualität innerhalb seiner Ehe unzufrieden sei, müsse sich zunächst darüber klar werden, wo der Grund dafür liege. Anschließend gebe es nur noch eine Lösung: reden, reden, reden. "Mangelnde Kommunikation ist oft das größte Problem", sagt er. Mit seinem Angebot fördere Ashley Madison jedoch genau das. Ein Teufelskreis also.

Während es in Deutschland bisher vergleichsweise wenige kritische Stimmen zu der Fremdgehagentur gibt, gilt Erfinder Biderman in den USA als der unbeliebteste Mann des Landes. Der TV-Sender NBC schloss einen seiner Werbespots aus dem Super Bowl-Programm aus. In der kanadischen Stadt Toronto untersagten die öffentlichen Verkehrsbetriebe eine Werbung auf Straßenbahnen mit der Begründung, die Agentur fordere zum Lügen auf. "Ashley Madison" expandiert dennoch weiter. Bidermans Service gibt es mittlerweile als Blackberry-Programm und iPhone-App. Wenn es aber um die eigene Beziehung geht, versteht zumindest Constantin Dietrich keinen Spaß. Er sagte der schweizerischen Zeitung "Blick": "Ich wäre am Boden zerstört, wenn mich meine Frau betrügen würde." (pro)

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