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Umstrittenes Theaterstück in Berlin

Bei seiner Uraufführung in Paris im Oktober warfen erboste Katholiken Stinkbomben, und die Polizei musste eingreifen. Am Montag wurde das Theaterstück "Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn" auch in Berlin-Kreuzberg aufgeführt. Die katholische Kirche hat protestiert.
Von PRO

Foto: Il Fatto Quotidiano (CC-NC-SA)

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, demonstrierte eine Menschenmenge bei der Aufführung des Stückes in Paris vor dem Theater. Sie attackierten Besucher mit Tränengas und Motoröl, stürmten den Saal und  warfen Stinkbomben. Die Polizei musste die Tumulte schlichten. Danach sei das Stück unter anderem in Toulouse, Antwerpen und Mailand nur unter Polizeischutz gezeigt worden, heißt es.

Das Theater "Hebbel am Ufer (HAU)" in Berlin Kreuzberg hat das umstrittene Stück am Montag aufgeführt. Es trägt den Titel "Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn" und stammt vom italienischen Regisseur Romeo Castellucci. Darin geht es um das 4. Gebot, das besagt, Vater und Mutter zu ehren. Ein Sohn scheitert aber voller Ekel und Hilflosigkeit daran, seinen alten dementen Vater zu pflegen, ihm die Windeln zu wechseln.

Das Bühnenbild zeigt ein Bildnis Jesu. Regisseur Castellucci erklärt: "In diesem Stück wird der Blick Jesu zum Scheinwerfer, der die Geschehnisse auf der Bühne in wechselhaftes Licht taucht. Das Licht könnte gut oder böse sein, anstößig oder unschuldig."

"Was anderen heilig ist, in den Dreck gezogen"

Laut der "Bild"-Zeitung beschwerte sich das Staatssekretariat des Vatikan über die Aufführung des Stückes. Es beleidige "das religiöse Empfinden der Christen", hieß es. Mehrere Bischöfe verurteilten das Stück, denn das überdimensionale Jesus-Bild werde mit Kot beschmiert und mit Steinen beworfen.

Im Interview mit "Bild" sagte der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki: "Ich verurteile es, dass das, was Menschen aus ihrem Glauben heraus wichtig und heilig ist, in dieser Weise durch den Dreck gezogen wird. Das ist unanständig." Er selbst wolle die Aufführung keinesfalls besuchen. "Es gibt keinen Grund, sich etwas anzusehen, das nur der Provokation dient", sagte der Erzbischof von Berlin.

Der Regisseur Castellucci sagte gegenüber der Zeitung: "Das Ganze ist eine hysterische Attacke. Die Argumente der Protestler sind armselig. Ich will die Kirche gar nicht kritisieren." Castellucci weiter: "Proteste, wie sie in Frankreich und Italien stattgefunden haben, wären in Berlin nie möglich." Das Berliner Theater geht nicht davon aus, dass es Störungen geben wird. Eine Sprecherin des Hauses sagte, es werde keinen Polizeischutz geben.

Intendant verteidigt Castellucci

Der Intendant des Berliner Theaters Hebbel am Ufer, Matthias Lilienthal, hat das Stück gegen Kritik aus der Kirche verteidigt. Es gehe nicht darum, Heiliges in den Dreck zu ziehen, sagte Lilienthal der Nachrichtenagentur dpa. "Romeo Castellucci macht das aus einem großen Bekenntnis zum Christentum heraus", sagte Lilienthal. Der italienische Theatermacher schaffe große Tableaus, die versuchten, Glauben und Empathie zu verbinden. "Glaube ist auch darin enthalten, wie wir mit alten Menschen umgehen." Dazu gehörten nun einmal Alterserkrankungen wie Inkontinenz und Demenz.

Keine Proteste bei Aufführung

Wie dpa am Dienstag berichtet, kam es bei der Aufführung am Montagabend weder zu Protesten noch Tumulten im Theater "Hebbel am Ufer". Das Publikum bedachte das Werk mit begeistertem Applaus. Auch dass ein Christusbild mit Handgranaten und Exkrementen beworfen wurde, veranlasste – anders als bei Aufführungen in Frankreich und Italien – niemanden zu empörten Reaktionen. "Hier leben halt nur zwei oder drei Katholiken", frotzelte ein Premierengast gegenüber dpa. Schon in Essen und München war "Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn" ohne größere Probleme gelaufen.

Im Anschluss an die Berliner Premiere stellte sich Regisseur Castellucci auf der Bühne Fragen zu seiner Inszenierung. Man könne diese durchaus als "religiöse Aufführung" auffassen, sagte er. Mit dem katholischen Glauben beschäftigt sich der italienische Künstler schon seit längerem. Als bloße Provokation will Castellucci sein aktuelles Stück aber nicht verstanden wissen. Am heutigenDienstag soll es noch einmal im "Hebbel am Ufer" über die Bühne gehen. Nächster Aufführungsort ist Montreal in Kanada. In Deutschland ist das Stück wieder im November in Leipzig zu sehen. (pro)
http://www.hebbel-am-ufer.de/de/kuenstler/kuenstler_22774.html?HAU=1
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