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Überwachung: Wissen ist Macht

Wissen ist Macht. Das sieht man deutlich am Überwachunsgskandal verschiedener Geheimdienste. Dass nun die britische Zeitung The Guardian Datenträger mit brisanten Informationen zerstören sollte, ist eine symbolische Machtgebärde des Staates und zeigt, wie wichtig freier Journalismus ist. Ein Kommentar von Jonathan Steinert
Von PRO

Foto: flickr/potsdam

Es klingt wie eine Szene aus einem Krimi: Agenten der Regierung statten einer der einflussreichsten Zeitungen des Landes einen Besuch ab. Sie lassen sich in den Keller führen. Dort zwingen sie den Chefredakteur, Festplatten und Computer seiner Zeitung zu zerstören, auf denen brisante Informationen gespeichert sind – überwacht von Sicherheitsexperten des Geheimdienstes.

So geschehen bei Großbritanniens Zeitung The Guardian.  Wie deren Chefredakteur Alan Rusbridger diese Woche berichtete,  musste er die Datenträger mit den Informationen von Edward Snowden zerstören – oder sie der Regierung übergeben, andernfalls würde die Zeitung geschlossen. Rusbridger zog ersteres vor. Snowden hatte aufgedeckt, wie unter anderem auch der britische Geheimdienst GCHQ Kommunikationsdaten überwacht und seine Bevölkerung und andere Länder ausspioniert. Der Guardian hat darüber als erstes berichtet. Klar, dass das den Behörden nicht gefällt. Dass sie nun solche skandalösen Methoden an den Tag legen, soll offenbar Macht demonstrieren. Es zeigt aber vor allem die Angst der britischen Regierung und staatlichen Behörden, Macht zu verlieren.

Es kann nicht die Absicht gewesen sein, die Berichterstattung über die geheimen Dokumente zu verhindern. Denn von den Daten gibt es längst andernorts Kopien. Außerdem muss der Guardian nicht von London aus berichten. Die meisten Informationen wurden ohnehin in den USA publiziert. Und der Journalist Glenn Greenwald, dem Snowden die Daten über die Affäre anvertraute, lebt in Brasilien. Dass weitere Enthüllungen über die Praktiken der Geheimdienste an die Öffentlichkeit kommen werden, hat die Zerstörungs-Aktion auf jeden Fall nicht verhindert.

Wissen ist Macht, denn wer etwas weiß, kann andere kontrollieren und dadurch noch mehr Wissen anhäufen. Wenn der Staat seine Bürger ausspioniert und überwacht, hat er Macht über sie. Wenn diese das aber wissen und darüber reden, werden sie sich möglicherweise anders verhalten. Das Wissen darüber verleiht den Bürgern also ebenfalls Macht. Journalismus hat die Aufgabe, die Politik zu kontrollieren und die Menschen im Land zu informieren. Dazu muss er auch Dinge ans Licht bringen, die der Staat lieber im Dunkeln lassen würde. So wird Macht in der Gesellschaft verteilt. Das ist der zentrale Gedanke der Demokratie: Die Macht geht vom Volke aus. Um das gewährleisten zu können, braucht es einen freien und unabhängigen Journalismus. Und es braucht eine Bevölkerung, die sich dafür interessiert.

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