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TV-Politik total

Die einen können seine Fratze im Fernsehen kaum ertragen, die anderen sehen in ihm ein Genie des deutschen Unterhaltungsfernsehens. Jetzt macht der gelernte Metzger und jetzige Fernsehmacher Stefan Raab einen auf seriösen Politik-Talk?
Von PRO

Foto: Daniel Kruczynski (CC-BY-SA)

Raab, das ist doch der, der einer 16-Jährigen 70.000 Euro Schmerzensgeld zahlen musste, weil er sie wegen ihres Namens Lisa Loch vor der ganzen Nation lächerlich machte? Der eine Frau aus Sachsen zur Verzweiflung brachte, weil sie im Fernsehen das Wort "Maschendrahtzaun" im Dialekt aussprach? Raab, der zur deutschen Kultur kaum Tiefsinnigeres beigetragen hat als Refrains wie "Wadde hadde dudde da?"?

Am 11. November startet er auf ProSieben einen monatlichen Polit-Talk namens "Absolute Mehrheit". Der Fernsehprofi überträgt sein jahrelanges Erfolgsrezept auf die Politik-Sparte, und das heißt: Wettbewerb unter den Kandidaten. "Meinung muss sich wieder lohnen" lautet der Untertitel der Sendung. Und so wie bei "Schlag den Raab" zwei Menschen bis zum Allerletzten um viel Geld kämpfen, so soll es bei ihm auch in einer Politsendung zugehen. Das ist irgendwie ehrlich.

Wie immer bei Raab können die Zuschauer per Anruf und SMS kundtun, welchen der Kombattanten sie am besten fanden. Derjenige, der mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt, erhält 100.000 Euro. Dass ProSieben an der Stimmvergabe kräftig mitverdient – geschenkt. Von einem "soziologischen Experiment" spricht Raab, der bislang fast alles zu Gold machte, was er anpackte. Was die Medienjournalisten derzeit aber viel mehr fasziniert: Raab tritt in Zukunft gegen Günther Jauch an – Privatfernsehen gegen Öffentlich-Rechtliches, der Grobschlächter gegen die Journalisten-Elite. Und schon geht der Kampf los: Pikiert ließ ARD-Chefredakteur Thomas Baumann über die neue Sendung verlauten: "Das Konzept, Mehrheitsmeinungen mit Geldprämien zu belohnen, halten wir für abwegig." Raab reibt sich daraufhin die Hände: "Weil in der Regel heißt das, dass das ein absoluter Kracher wird, wenn die ARD was scheiße findet."

Er war früher immer der Buh-Mann des Fernsehens. Naserümpfend stellte der CDU/CSUFraktionsvizevorsitzende Wolfgang Bosbach einmal fest: Raab verfahre nach dem Muster: "Je niedriger die Schublade, desto höher die Quote." Dabei ist der Metzger-Sohn längst zu einem Wunderkind, vielleicht dem einzigen, der deutschen Fernsehlandschaft geworden. Die Ergebnisse seiner Kreativität lassen sich fast nicht mehr überblicken: Radio-Comedy, selbst komponierte Songs, die zum Gedächtnis der Nation gehören ("Hier kommt die Maus"), Film-Soundtracks, "Wok-WM", Autoball, "Schlag den Raab", Poker-Nacht, Turmspringen, das Entstauben des "Eurovision Song Contest" sowie mehrere Casting-Shows. Raab lebt Fernsehen, und ProSieben ist sein Spielplatz, auf dem er seine Träume verwirklichen kann. Heute ist Raab einer der erfolgreichsten Medienschaffenden in Europa, an Medienpreisen hat er mittlerweile quasi alles bekommen. Als er den Deutschen Comedypreis entgegennahm, sagte er, vielleicht vor allem in Richtung des so genannten "Unterschichten-Fernsehens" mit seinem "Bauer sucht Frau" und der durchgeskripteten "Richterin Barbara Salesch": "Ihr kommt alle in die Hölle."

Raab selbst hält sein Privatleben penibel vor der Öffentlichkeit versteckt. Der "Focus" recherchierte vor ein paar Jahren, dass er im Jesuiten-Internat Aloisiuskolleg in Bad Godesberg zur Schule ging. "Ganz entgegen dem Augenschein nimmt Stefan Raab seinen Glauben aus dem Jesuiteninternat mit", schrieb das Blatt damals. Seine beiden Töchter habe er vom ehemaligen Schulleiter, einem Pater, taufen lassen. Raab bediene mit seiner neuen Polit-Sendung Populismus, sagen Kritiker. Doch der findet bei den etablierten Talk-Shows von ARD und ZDF genauso statt.

Eine neue Polit-Sendung kann nie schaden. Kommt sie aber vom Unterhaltungssender ProSieben und deren Zugpferd Stefan Raab, kann es nur bedeuten, dass es spannend wird. Raab selbst zeigte sich bei der Präsentation seines Formats am Mittwoch in Hamburg überzeugt: "Ich glaube, die Leute sind nicht so doof wie viele meinen, und können sehr gut entscheiden, ob sie verscheißert werden oder nicht." (pro)

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