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TV-Hilfe: Spiel mit den Gefühlen

Menschen bei ihren Problemen zu helfen, ist nichts Schlechtes. Ist eine Fernsehkamera dabei, wenn geholfen wird, ist das Unterhaltung. "Helptainment" nennt sich das Doku-Soap-Format, das seinen Siegeszug im Fernsehen längst angetreten hat und sich auch bei den Öffentlich-Rechtlichen Sendern ausbreitet.
Von PRO

Ratgebersendungen haben im Fernsehen eine lange Tradition. Im Bereich Gesundheit oder Recht gaben Bildschirmexperten schon seit Jahrzehnten Tipps und Ratschläge. Seit einiger Zeit gibt es Coaching-Sendungen auch zu anderen Themen. Ob Kindererziehung, eine seit Jahren nicht mehr renovierte Wohnung oder der Kampf mit den eigenen Pfunden: Nichts, was bisher im Privaten stattfand, ist davor sicher, Thema eines Realityformates zu werden.

Dem Erziehungsratgeber “Die Super-Nanny” folgten Einrichtungs- und Wohnberatungsserien, Kochsendungen, später auch praktische Lebenshilfe wie die RTL-Formate “Helfer mit Herz” oder “Engel im Einsatz”.

Auch der Norddeutsche Rundfunk hat die Formate für sich entdeckt. “Kühn und Kollegen – das NDR Team kämpft für Sie” heißt eine Sendung, die dort Hilfe verspricht, wo Zuschauer nicht mehr weiter wissen. Moderatorin Sabine Kühn und ihre Kollegen helfen bei Problemen mit der Krankenversicherung, mit Behörden oder bei wirtschaftlicher Abzocke. Und die Kamera ist immer dabei.

In der vorerst dreiteiligen Serie “Retten Sie unser Hotel” ist die Hamburger Hotelkaufrau Uta Felgner vor laufender Kamera unterwegs zu kleinen Hotels, die kurz vor der Pleite stehen. Uta Felgner hilft, indem sie die Situation analysiert und dann gemeinsam mit den Besitzern und der Belegschaft Lösungen sucht. Wenn es sein muss, legt sie auch selbst mit Hand an.

Mit Notsituationen um Quote kämpfen

“Lebensberatung gehört zu unserem Auftrag, das kann man nachlesen”, begründet Volker Herres gegenüber der Onlineausgabe der “Süddeutschen Zeitung” den Trend zu Coachingformaten im NDR. Aber man müsse sich “deutlich von den Privaten absetzen”. Wie dieses Absetzen praktisch aussieht, bleibt unklar. Nachdem die Einrichtungssendung “Alles neu!” wieder aus dem Programm genommen wurde, lief im Frühjahr 2008 die gemeinsam mit dem WDR produzierte Serie “Räum dein Leben auf”. Damit wollte der Sender offensichtlich am Erfolg von Einsatz in vier Wänden (RTL) anknüpfen. Vermutlich blieben die Quoten dann doch hinter den Erwartungen zurück.

Neue Themen müssen also her. Für den Herbst 2008 plane der NDR eine TV-Ehetherapie, berichtete die Süddeutsche in ihrer Onlineausgabe. Die Therapeuten Christin Müller und Michael Mary sollen ab Herbst 2008 vor der Kamera versuchen, die Probleme der norddeutschen Paare zu lösen.

Das Thema “wie löse ich Liebesprobleme” zieht Zuschauer bereits seit Jahren vor den Bildschirm, wenn “Nur die Liebe zählt” (Sat1) läuft. Das Problem dabei: Vor allem jüngere Zuschauer nehmen die Hilfe-Sendungen ernst, trennen nicht zwischen Inszenierung und Wirklichkeit. So sagte einmal eine 16-Jährige im Gespräch über Doku-Soaps: “Wenn ich ein Problem hätte, würde ich zu Kai Pflaume gehen, der kann doch alle Probleme lösen”.

Andere setzen eher auf weibliches Mitgefühl: Das Gästebuch von Vera Int-Veen ( “Helfer mit Herz”) umfasst über 300 Seiten mit Hilferufen von Menschen, die dort vertrauensvoll ihre persönliche Notsituation schildern. Dabei können viele nicht mehr unterscheiden zwischen Bildschirm und Wirklichkeit. Ein Beitrag in “Fluter”, dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, macht dies deutlich: In dem Artikel “Fremde Tränen” zitiert Autor Christoph Leischwitz aus dem Leserbrief eines Menschen, dem die Redaktion von “Helfer mit Herz” eine Absage geschickt hatte: “Liebe Vera…ich habe mich nicht für Ihre Sendung beworben! Ich habe Sie – Sie persönlich- um Hilfe gebeten.”

Zuschauer suchen Informationen für den Alltag

Auf einer Tagung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) beschäftigten Medienwissenschaftler sich mit dem Phänomen der Help-Soaps. Ihr Fazit: Zuschauer suchen nach “relevanten Informationen für das Alltagsleben”. Ein zunehmend prekärer Alltag der Menschen vergrößere den” Bedarf an Gefühlsmanagement”. Daher vermittelten die Hilfesendungen doch auch ein “gewisses Maß an Orientierung”.

Auf der Suche nach Hilfe vergessen leider viele Hilfesuchende eines: Helptainment-Formate werden nur aus einem Grund produziert: Um gute Quoten zu bekommen. Und das versuchen nun auch die gebührenfinanzierten Sender.

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