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Türkische Paulus-Kirche wird wieder Gotteshaus

Die Geburtskirche des Apostels Paulus in der heutigen Türkei soll wieder eine Kirche werden. Das hat die türkische Religionsbehörde entschieden. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe begrüßte die Entscheidung als "Signal für die Verwirklichung der Religionsfreiheit in der Türkei".
Von PRO

Foto: Joshua Treviño (flickr)

Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche St. Paul in Tarsus war bis jetzt ein Museum. Die Hafenstadt im Süden der Türkei soll Heimatort des Apostels Paulus sein. Der türkische Staat beschlagnahmte die Kirche 1943 und nutzte sie als Militärlager. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" verfiel sie immer mehr, bis sie im Jahr 2000 als Museum wieder hergerichtet wurde.

Nun hat der Leiter der Religionsbehörde "Diyanet", Ali Bardakoglu, entschieden, dass der Bau wieder als christliches Gotteshaus genutzt werden soll. Das berichtet die österreichische Tageszeitung "Die Presse". Bei Reisen im Ausland könne er nicht erklären, wieso das Kirchengebäude als Museum eingestuft sei, sagte Bardakoglu in einem Interview mit der türkischen Tageszeitung "Milliyet". "Ich fände es besser, wenn die Paulus-Kirche als Gotteshaus dient, nicht als Museum."

Bardakoglu erklärte weiter, es gebe heute in Europa mehr als 3.000 Moscheen. Die Türkei müsse religiöse Freiheiten sichern, auch wenn etwa die Schweiz Minarette verbiete. "Wenn der Platz für Christen heilig ist und sie dort Gottesdienste abhalten wollen, gibt es keinen Grund für ein Verbot."

Lob vom CDU-Generalsekretär

Der Generalsekretär der CDU Deutschlands, Hermann Gröhe, freute sich über die Entscheidung: "Für Christen in aller Welt wäre es ein wichtiges Signal, wenn gerade in der Kirche im Geburtsort des Apostel Paulus wieder Gottesdienste gefeiert werden könnten", hieß es in einer Pressemitteilung am Mittwoch. "Ich hoffe, dass dieser Vorstoß von der türkischen Regierung baldmöglichst aufgegriffen und umgesetzt wird. Dies wäre ein bedeutendes Signal für die Verwirklichung der Religionsfreiheit in der Türkei", so Gröhe.

Trotz der Reformbemühungen der letzten Jahre gebe es "noch viel zu tun. Immer noch haben Christen mit behördlichen Schikanen zu kämpfen". Gröhe forderte, dass auch das Priesterseminar von Halki in Istanbul wieder eröffnet wird. Dieses Seminar war bis zu seiner Schließung durch den türkischen Staat im Jahre 1971 die wichtigste Theologische Hochschule des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel.

Gröher erklärte weiter: "Der Staat muss zudem überzeugend und wirksam fundamentalistischen Gewalttätern, die Christen bedrohen, entgegentreten. Darüber hinaus ist es an der Zeit, endlich Voraussetzungen für einen eigenen Rechtsstatus für nicht-muslimische Religionsgemeinschaften in der Türkei zu schaffen." Gröhe fügte hinzu: "Die CDU Deutschlands steht an der Seite der Christen in der Türkei und wird in ihren Bemühungen nicht nachlassen, weltweit dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit Geltung zu verschaffen."

Der Türkei-Experte Otmar Oehring vom katholischen Missionswerk "Missio" hat unterdessen Zweifel geäußert, dass die Aussage von Bardakoglu irgendetwas bewirken könne. Gegenüber dem "Domradio" sagte er: "Herr Bardakoglu hat sich schon einmal in entsprechender Weise geäußert, wie auch andere Vertreter des türkischen Staates oder des türkischen politischen Establishments. Es hat sich bis jetzt überhaupt nichts an der Situation geändert, und ich befürchte, dass sich auch weiterhin nichts ändern wird." Außerdem sei Bardakoglu für derartige Entscheidungen gar nicht zuständig, kritisierte Oehring.

Kauder: Lage von Christen nicht egal

Unterdessen hat der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, am Donnerstag mitgeteilt, dass für die Union die Lage von religiösen Minderheiten wie Christen eine wichtige Rolle spiele. Kauder, der sich derzeit mit weiteren CDU-Abgeordneten auf einer mehrtägigen Asienreise befindet, sagte gegenüber dem "Evangelischen Pressedienst" (epd) telefonisch aus Kuala Lumpur/Malaysia: "Die Länder müssen spüren, dass uns ihr Umgang mit Christen und anderen Minderheiten nicht egal ist."

Als positives Beispiel nannte der Politiker Indonesien. Das muslimische Land sei ein Ort der Toleranz, in dessen Verfassung alle Religionen genannt würden. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono habe in einem Gespräch mit den CDU-Politikern betont, dass die christliche Minderheit ihren Glauben leben können solle. Indonesien habe ein starkes Interesse an westlichen Direktinvestitionen. In Malaysia erlebten die religiösen Minderheiten hingegen eine "Politik der kleinen Nadelstiche", merkte Kauder an. Im Laufe der Donnerstags will die CDU-Delegation nach Singapur weiterreisen. (pro)

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