PRO: Wie haben Sie Donald Trumps Auftritt beim National Prayer Breakfast erlebt?
Frank Heinrich: Mich hat ein Stück weit beruhigt, dass nicht so viele Leute wie letztes Jahr begeistert aufgesprungen sind, um zu jubeln. Es gab Applaus, Manche standen auch auf. Aber diese Frenetik vom vergangenen Jahr war nicht mehr dieselbe, und auch der Abschlussapplaus war deutlich kürzer.
Warum war das so?
Es könnte unter anderem an der Länge gelegen haben. Für ihn waren 20 Minuten eingeplant, stattdessen sprach er am Ende 80 Minuten, also eine geschlagene Stunde länger. Damit hat er den eigentlichen Hauptredner verdrängt und alle nachfolgenden Seminare durcheinandergebracht. Erst nach einer Dreiviertelstunde begann er, seine vorbereitete Rede vorzulesen. Davor hat er einfach erzählt – darunter viele Unwahrheiten und Beleidigungen. Zum Beispiel sagte er, dass er dafür gesorgt habe, dass Europa nun fünf Prozent für das Militär ausgibt. Das waren erkennbar falsche Behauptungen, dazu kamen problematische Verallgemeinerungen. Aber das kennen wir von ihm ja.
Wie haben Sie Trumps geistliche Positionierung wahrgenommen?
Als er gegen Ende wieder auf die vorbereitete Rede auf dem Teleprompter schaute, las er vor: „Die Schrift sagt uns immer: ‚Selig sind, die reinen Herzens sind‘.“ Er schaute sofort hoch und sagte scherzhaft: „Ich weiß nicht, ob das unbedingt auf mich zutrifft.“ Diese Ehrlichkeit ist ja immerhin schon mal zu würdigen. Gleichzeitig hat er aber politische Gegner massiv beleidigt. Und da musste ich an Jakobus denken: „Aus demselben Mund kommen Segen und Fluch“. Das darf nicht sein. Ich frage mich schon, wie ich auf den geistlichen Teil einer Trump-Rede hören soll, wenn ich vorher erst einmal die ganzen Beleidigungen innerlich wegstecken muss. Anders gesagt: In unseren Gemeinden würde jeder Redner, der sich auf der Kanzel so abfällig äußert, erleben, wie viele Leute den Saal verlassen.
Foto: Susanne Domaratius-Enders Zur Person
Frank Heinrich leitete das Heilsarmeekorps in Chemnitz, bis er 2009 für die CDU in den Bundestag einzog. Das Mandat behielt er bis 2021. Anschließend gehörte er von 2022 bis 2025 dem Vorstand der Evangelischen Allianz in Deutschland an und war deren Politikbeauftragter. Heute arbeitet er als Berater.
Ist es angesichts solcher Eskapaden überhaupt sinnvoll, dass der US-Präsident auf dem Prayer Breakfast spricht?
Grundsätzlich ja. Der Präsident gehört dazu, egal wer es ist, als Gast. Das war immer so. Der Hauptredner ist traditionell jemand anderes. Die Rede des Präsidenten ist ja nur ein Teil dieser Veranstaltung, wenn auch der prominenteste. Problematisch wird es, wenn dieser Raum durch eine überlange Rede blockiert wird und geistliche Gemeinschaft nicht mehr stattfinden kann.
Wozu braucht es das Prayer Breakfast?
Neben dem Hauptevent gibt es noch viele andere Elemente. Das Prayer Breakfast lebt von Gebet, Gemeinschaft, gemeinsamem Essen, Seminare, von persönlichem und politischem Austausch – über die Parteigrenzen hinweg, mit Menschen aus mehr als 100 Ländern. Und dabei geht es immer um Jesus – selbst wenn der Gesprächspartner Muslim ist. Das begeistert mich. In der deutschen Delegation sind fünf Bundestagsabgeordnete aus drei verschiedenen Parteien dabei. Selbst in diesen Zeiten gibt es in den USA noch eine Verbindung zwischen gläubigen Demokraten und Republikanern, die jede Woche nach neutestamentlicher Tradition „miteinander das Brot brechen“, sie gehen also miteinander essen und leben ihre Verbundenheit durch den Glauben an Jesus. Und diese Verbundenheit war trotz allem auch diesmal spürbar.