„Kirche gehört in die Medien, genauso wie Fußball“ – diesen Satz sagte Thomas Peters im Jahr 2012 in einem PRO-Interview. Zu dem Zeitpunkt war er seit sieben Jahren evangelischer Pfarrer im hessischen Stadtallendorf, heute ist in der Region das Gemeindeleben aus vier Orten in der Kirchengemeinde Herrenwald zusammengefasst.
Seine Pfarrers-Kollegin Evelyn Koch berichtete gegenüber PRO, Thomas Peters sei am vorigen Dienstag während einer privaten Urlaubsreise in Hamburg plötzlich verstorben: „Diese Nachricht ist über uns alle hereingebrochen, ohne jede Vorwarnung.“ Ein langjähriger Freund aus Stadtallendorf sagte bewegt: „Thomas Peters war nicht nur in der Kirche als Hirte und Seelsorger bekannt, sondern überall in Stadtallendorf als vielfacher Initiator sehr wertgeschätzt und anerkannt – auch bei den anderen Religionsgemeinschaften.“
Auch die Christliche Medieninitiative pro trauert um einen langjährigen Freund, Wegbegleiter und aktiven Mitgestalter: Acht Jahre lang, von 2014 bis 2022, gehörte Thomas Peters dem ehrenamtlichen Vorstand an, bis zu seinem Tod war er Vereinsmitglied. Vermutlich gibt es nur wenige Kirchenleute in Deutschland, die über so viele Jahre in ihrem persönlichen Wirkungsbereich derart erfolgreich dazu beigetragen haben, dass sich Christsein, Glaube und kirchliche Angebote „ganz normal“, wie Thomas Peters es nannte, in den Medien widerspiegeln.
In seiner Öffentlichkeitsarbeit konzentrierte sich Peters auf die lokalen Medien. Sein Selbstverständnis war dabei ganz schlicht: „Es sollte zum Alltag der Menschen gehören, die Kirche die ganze Woche über wahrzunehmen, nicht nur sonntags“, sagte er.
PRO-Reporter Nicolai Franz, der Peters 2012 in seinem Pfarrbüro besuchte, staunte nicht schlecht, als er die Früchte von dessen Arbeit aus der Nähe betrachten konnte: Systematisch hatte der Medienpfarrer seit Jahren sämtliche Presseartikel über seine Kirchengemeinde in Jahrgangs-Ordnern gesammelt, prall gefüllt mit ausgeschnittenen Zeitungsartikeln: Der damals aktuelle Ordner umfasste 97 Pressetexte und Einladungen zu Gemeinde-Aktivitäten, die Peters an sieben Medienanbieter versandte – von der „Oberhessischen Presse“ bis hin zum traditionsreichen Ortsblättchen „Bären-Bote“.
Übers Jahr kamen da schon mal 200 Zeitungsartikel zusammen, später auch viele Onlinebeiträge, die sich etwa um einen „Durst nach Leben“-Impuls während der „Evangelischen Woche in der Wasserkirche“ drehten oder zuletzt über den Gebetsgottesdienst „Was passiert im Iran?“ informierten, den die Gemeinde zusammen mit Open Doors veranstaltete.
„Thomas war immer hilfsbereit. Und er war ein Macher, niemand der die Füße hochlegte“, erinnert sich seine Kollegin Evelyn Koch. Und so reagierte der Pfarrer spontan auch auf gesellschaftliche Entwicklungen. Er startete ein Projekt zur Gewaltprävention. Während der Flüchtlingskrise interviewte ihn die Tageszeitung „Die Welt“ zu dem vorbildlichen, sozial-diakonischen Engagement seiner Kirchengemeinde.
Dass sich die tägliche Arbeit von Thomas Peters – als Christ, als Pfarrer, als sozial und diakonisch engagierter Mitbürger – so oft in den Medien wiederfand, war indes kein Zufall. Es hatte viel mit dem Zusammenspiel seiner theologisch-kirchlichen Ausbildung und den öffentlichkeits-orientierten Aufgabenstellungen in früheren Jahren zu tun: Kirchliche und christliche Öffentlichkeitsarbeit waren für Thomas Peters nie protestantische Lackpflege. Vielmehr gründeten sie in seinem Herzensanliegen, allen Menschen – und nicht nur Kirchenbesuchern – die gute Botschaft von Jesus Christus lebensnah weiterzugeben.
Studiert hatte er evangelische Theologie und alte Sprachen in Stuttgart, Tübingen und Celle. 1994 startete er zunächst in Kassel als Assistent der Geschäftsführung von ProChrist, bis Ende 2000 arbeitete er dort als Koordinator für Veranstalter und Öffentlichkeitsarbeit. Dort betreute er nicht nur die 3.000 Gemeinden, die sich an der per Satellit übertragenen Evangelisation beteiligten, sondern arbeitete auch als Seminarleiter und koordinierte in der Position des Vize-Geschäftsführers vor allem die nationale Pressearbeit.
Anschließend wurde Peters Geschäftsführer des Christival und trug damit die organisatorische Gesamtverantwortung für die größte kirchliche Jugendveranstaltung im Jahr 2002, an der 20.000 junge Menschen teilnahmen. Bis 2011 war er zudem Redaktionsleiter des Magazins „anruf“ des EC-Verbandes. Als Gemeindepfarrer entwickelte Peters schließlich innovative Gottesdienst- und Veranstaltungsformate und begleitete diese durch seine professionelle und erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit.
Seine große Liebe galt seit jeher auch Israel und den dort lebenden Menschen. Vielen Mitgliedern seiner eigenen Gemeinde und Hunderten weiteren Menschen hat er über Jahre als Reise-Mitorganisator eine Tür zu einem tieferen Verständnis für die aktuelle Relevanz des zentralen biblischen Themas Israel aufgestoßen. Etliche Freunde aus ganz Deutschland haben wiederholt seine Reisen gebucht. Im November 2026 wollte Thomas Peters noch einmal zu seiner persönlichen Lieblings-Tour aufbrechen: Er wollte den „Jerusalemer Weg“ gehen, eine faszinierende Pilgerwanderung entlang der Lebensstationen von Jesus, von Nazareth und dem See Genezareth bis hinauf nach Jerusalem.
Auch für die Gemeinden seiner Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck hatte er sich bis zuletzt ins Zeug gelegt. Ende Januar verantwortete Peters einen „Impulstag“ für eine zukunftsfähige und lebendige Kirche in unsicheren Zeiten. Er selbst wählte für sich den Workshop 1: „Social Media Kommunikation für Gemeinden“. Seine eigene Weiterbildung in der christlichen Medienarbeit war ihm bis zum Schluss wichtig: Vier Tage vor seinem plötzlichen Tod buchte Thomas Peters bei der publicon-Medienakademie der Christlichen Medieninitiative pro das Seminar „Kreative Kurztexte“ – damit auch in der digitalen kirchlichen Kommunikation straffe Texte zu einem echten Hingucker werden.
In seinem Trauerwort auf der Website des Kirchenkreises Kirchhain schrieb Dekan Jens Heller diese Woche: „Wir können es nicht fassen und finden auch noch keine richtigen Worte dafür.“ Schritt für Schritt „und mit großer Rücksicht vor allem auf seine Familie“ müssten nun alle mit der traurigen Wahrheit umgehen, dass Thomas Peters plötzlich fehlt: „Möge uns auch jetzt der Glaube begleiten, dass in Jesus Christus dem Tod das letzte Wort genommen wurde.“ Thomas Peters hinterlässt seine Ehefrau und vier erwachsene Kinder.