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Top-News: Wirtschaftskrise, Amoklauf – und die Bergpredigt

Was wäre, wenn Jesu Worte täglich in den Nachrichten kämen? Dort sind sie schon, meint der Designer Eberhard Wolf. Sein Buch "Die Bergpredigt" zeigt die Lehren Christi in Nachrichtenbildern und beweist: Die Bibel hat auch zu Themen wie Schulamokläufen oder Wirtschaftskrise etwas zu sagen.
Von PRO

Foto: Foto Ian Berry/Magnum in "Die Bergpredigt", Droemer

"Wahrlich ich sage dir, du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast", sagt Jesus in der Bergpredigt. Es sind eher unbekannte Worte, verglichen mit dem "Vater Unser" oder dem Vers vom Splitter im Auge des Bruders und dem Balken im eigenen. Für Eberhard Wolf, Art-Director der "Süddeutschen Zeitung", sind sie dennoch eng mit einer Reihe von Schlüsselerlebnissen verknüpft, die ihn zu einem außergewöhnlichen Projekt trieben: Im Oktober erschien seine "Auslegung" der Bergpredigt beim Pattloch-Verlag – und zwar als Nachrichtenbildband.

Es war der Tag, an dem die Investment Bank Lehmann Brothers zusammenbrach, als der Satz vom Rückzahlen des letzten Pfennigs für Wolf endlich einen Sinn ergab. In seinem Buch illustriert er die Worte Jesu durch ein Schwarz-Weiß-Bild eines Bankers auf der Wallstreet. Von außerhalb des Bildrandes deutet ein Finger auf den Mann. "Du kommst nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast", scheint er zu sagen. Wolf entdeckte dieses Bild am Tag der Lehmann-Pleite. Dies war auch der Tag, an dem sich für ihn die Aktualität der Bergpredigt erwies.

Aktuell, auch nach 2.000 Jahren

Auch 2.000 Jahre, nachdem diese Worte gesagt wurden, können sie noch ein Werte-Wegweiser im Angesicht aktueller politischer Ereignisse sein. Dass das für die ganze Bergpredigt gilt, will der Designer in seinem Bildband zeigen. Auf 160 Seiten stellt Wolf die Bergpredigt in Nachrichtenbildern der Agentur "Magnum" dar. Zum Satz "Du sollst nicht töten" zeigt er einen Jungen, der mit einer Pistole auf das Bild eines Babys zielt. Der nackte Oberkörper eines Mannes mit Kreuzkette und Maschinengewehr vor dem Bauch soll symbolisieren: "Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel."

Eberhard Wolf ist in christlicher Umgebung aufgewachsen. Diakonissen und Pfarrer kannte er aus seinem familiären Umfeld, er besuchte den Konfirmandenunterricht. "Man denkt nie darüber nach, es ist eben so", sagt er heute über seine Konfirmation. Erst vor zwei Jahren begann er, sich erneut mit dem Glauben auseinander zu setzen. Als sein Vater starb, besuchte er die Kirche. In der Stille des Gottesdienstraumes habe er eine neue Nahe zum Christentum gefunden, sagt er.

Dann, ein Jahr später, saß er mit Freunden zusammen. Im Gespräch fielen Wolf die vielen biblischen Anleihen auf, die in der Runde zu Tage traten. Der Balken im eigenen Auge; suchet, so werdet ihr finden; liebt eure Feinde – all diese Redewendungen sind die Worte Jesu. "Der Text ist ja eigentlich sensationell", sagte er sich. Für ihn blieb die Frage, wie er in die Moderne übertragen werden kann. Vorfälle wie die Lehmann-Pleite, das Schulattentat von Winnenden oder der Tod Dominik Brunners an einer Münchner S-Bahn-Station – zu all diesen Ereignissen hat die Bergpredigt etwas zu sagen, findet Wolf. "Irgendwas ist in dieser Welt schiefgelaufen. Die Bergpredigt aber ist eine Blaupause, an der man sich orientieren kann", sagt er.

So hat er den 2.000 Jahre alten Text mit Nachrichtenbildern von heute gekoppelt. Winnenden kommt ebenso im Buch vor wie die Wirtschaftskrise – auch wenn das der Leser nicht direkt erkennen mag. Bilderklärungen gibt es im Buch nämlich nicht. "So lasse ich Freiraum für Assoziationen", sagt Wolf. Es gebe eben keine absolute Weisheit, auch nicht durch Bibelübersetzungen und Auslegungen. Um dem Leser dies zu verdeutlichen, hat Wolf ans Ende seines Buches vier Übersetzungen der Bergpredigt angehängt. Luther, die römisch-katholische Einheitsübersetzung, Hoffnung für alle und die Bibel in gerechter Sprache sollen zeigen, wie unterschiedlich die Worte Jesu ausgelegt werden können.

"Jeder muss selbst seinen Weg zum Glauben finden", sagt Wolf. Er selbst bezeichnet sich als Christ, sei aber ein zu großer Freigeist, um sich in einer Kirchgemeinde wohlzufühlen. "Christsein bedeutet für mich Toleranz und Verantwortung", sagt er. Werte, die vor allem in der Bergpredigt zum Ausdruck kämen.

Eberhard Wolf ist seit 2002 Art-Director der "Süddeutschen Zeitung". Der ausgebildete Kommunikationsdesigner arbeitete bereits als Fotoreporter für das Magazin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" oder als Designer für den "Spiegel". Er hat Lehraufträge an der Universität Trier und in München. Wolf erhielt bereits den "European Newspaper Award" und war für den Design-Preis der Bundesrepublik Deutschland nominiert. "Die Bergpredigt" ist im Pattloch-Verlag erschienen. (pro)

"Die Bergpredigt – Eine Interpretation in Bildern der Gegenwart", Pattloch Verlag, 160 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 22 Euro, ISBN 978-3-629-02228-8

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