Das christliche Medienmagazin

“Titanic”-Cover sorgt für Proteste

Das Satiremagazin "Titanic" widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe dem Missbrauchsfällen in Einrichtungen der katholischen Kirche. Doch was die Macher des Blattes auf der Titelseite zeigen, ist nach Ansicht zahlreicher Christen eine Grenzüberschreitung.
Von PRO

Foto: www.titanic-magazin.de

Proteste kalkuliert "Titanic" natürlich ein, auch Rügen des Presserates und juristische Auseinandersetzungen. So auch mit der aktuellen Ausgabe. Auf dem Titel prangt in großen Lettern "Kirche heute", dazu eine Zeichnung, die einen katholischen Bischof zeigt, der sich offenbar an einem am Kreuz hängenden Christus vergeht. Etwa 100 Beschwerden sind laut dem Deutschen Presserat aufgrund des Titelbildes bereits eingegangen, Ende Mai soll über den Fall entschieden werden. Der Presserat mit Sitz in Bonn kümmert sich um die Einhaltung dieses Pressekodex, das Organ spricht etwa Rügen aus, die unter Umständen im gerügten Blatt veröffentlicht werden müssen. Der Pressekodex umfasst Regeln, die sich die Presse in Deutschland selbst gegeben hat und die klar beziffern, welche Form der Berichterstattung und Darstellung erlaubt ist und welche nicht. Nach Angaben des Kölner "Express" gingen bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt zudem zwei Strafanzeigen ein. Diese beträfen die Tatbestände der Volksverhetzung und das Beschimpfen von Bekenntnissen. Voraussichtlich in der kommenden Woche werde über die Einleitung von Ermittlungsverfahren entschieden.

Der Chefredakteur von "Titanic" äußerte sich in einem Interview mit dem Fachdienst "Meedia" zu den Beschwerden: "Diese Reaktion ist für uns unverständlich, insbesondere der Vorwurf, durch diesen Titel könnte die katholische Kirche beleidigt werden. Wir wissen nicht, woher diese Interpretation kommt, und wir sind schockiert über die zum Teil anstößigen und jugendgefährdenden Phantasien, die dieser Titel in manchen Hirnen auslöst." Mit der Reaktion auf das Titelbild habe er "selbstverständlich nicht gerechnet".

55 Gerichtsverfahren seit Gründung 1979

Natürlich sind Persönlichkeitsrechte oder die Rechte von Religionsgemeinschaften auch in Gesetzen geschützt – und so liegt das Magazin immer wieder in Rechtsstreitigkeiten. Seit seiner Gründung 1979 wurden insgesamt 35 Ausgaben verboten, der Verlag war in 55 Gerichtsverfahren verwickelt. Acht Mal scheiterte davon die katholische Kirche mit Klagen gegen "Titanic": Viermal war sie wegen Verunglimpfung des Papstes, dreimal wegen Religionsbeschimpfung und einmal aufgrund einer mutmaßlichen Beleidigung des verstorbenen Bischofs von Fulda, Johannes Dyba, gerichtlich gegen das Magazin vorgegangen.Freilich gibt es bei den Gerichtsverfahren nicht nur Niederlagen für die Kläger. Erfolgreich klagten unter anderem der frühere Bundespräsident Johannes Rau, der CDU-Politiker Friedrich Merz, der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre oder auch der Moderator Hans-Joachim Kulenkampff. Eine von dem SPD-Politiker erwirkte Schadenersatzzahlung in Höhe von 40.000 brachte "Titanic" zusammen mit den mehr als 190.000 DM Anwalts- und Gerichtskosten an den Rand der Insolvenz. Auch der frühere SPD-Vorsitzende Kurt Beck Beck erwirkte 2006 eine einstweilige Verfügung gegen ein Titelbild, auf dem Beck abgebildet war. Dazu hatte "Titanic" getitelt: "Problembär außer Rand und Band: Knallt die Bestie ab!"

Pressekodex regelt Berichterstattung

Der aktuelle Titel des Magazins verstößt nach Ansicht zahlreicher Christen, die Beschwerde beim Presserat eingereicht haben, gegen mehrere Ziffern des Pressekodex. In Ziffer 9 etwa verpflichtet sich die Presse zum "Schutz der Ehre": "Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen." In Ziffer 10 werden Religion und Weltanschauung geschützt. "Die Presse verzichtet darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen." Und in Ziffer 12 werden Diskriminierungen verurteilt: "Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden." Und in Ziffer 11 heißt es noch zum Jugendschutz: "Bei der Platzierung bildlicher Darstellungen von Gewalttaten und Unglücksfällen auf Titelseiten beachtet die Presse die möglichen Wirkungen auf Kinder und Jugendliche."

Der "Stern" übrigens fasste in einem Artikel im Jahr 2007 den Erfolg des Magazins zusammen. "Der ‘Titanic’ geht es heute von allen am besten", heißt es in dem Beitrag. "Die verkaufte Auflage stabil zwischen 60.000 und 70.000, Mythos unkaputtbar – dank 35 verbotener Ausgaben, 55 Gerichtsverfahren, unzählbarer einstweiliger Verfügungen und Unterlassungserklärungen." Aktuell liegt die Auflage des Magazins – laut Impressum – bei knapp 100.000.

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