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Theologen-Nachwuchs: Nicht alles schönreden



Es sind drei völlig unterschiedliche Biografien - aber alle drei haben ein gemeinsames Ziel: Georg Henn, Serap Aydin und Alexander Nachama möchten Geistliche in ihrer Religion werden und ordnen diesem Ziel alles andere unter. Statt wilde Partys zu feiern, beten und lernen sie in ihrer Freizeit. "UniSPIEGEL" hat die drei angehenden Theologen portraitiert.


Von PRO

Foto: Ulrich W. Sahm

Der Katholik Georg Henn erzählt darin ganz offen, dass er sich immer wieder dumme Sprüche über "ein Leben im Zölibat" anhören müsse. Auch in seiner Familie sei das Vorhaben, Priester zu werden, nicht unumstritten: "Ich habe aber das Gefühl, dass es Gottes Plan ist. Ich fühle mich zum Priester berufen", zitiert "UniSPIEGEL" den 24-Jährigen, der am Priesterseminar in Freiburg studiert.



Zum ersten Mal bewusst gebetet und mit dem Gedanken gespielt, Pfarrer zu werden, habe er bei einem Jugendtreffen in Taize. Nach dem Abitur und einem prägenden Freiwilligen Sozialen Jahr in Rumänien habe er in Freiburg sein Lehramtsstudium mit zwei Fächern begonnen: "Sehr schnell merkte ich, dass mich Theologie viel mehr interessiert. Bald studierte ich nur noch Theologie", so Henn, der im vergangenen Jahr den Schritt ins Priesterseminar wagte. Zweifel, ob der Weg der richtige sei, blieben nicht aus. Dabei wolle er auch nicht alles schönreden.



Ganz für die Leute da sein



Für viele der Kommilitonen sei der Zölibat dann doch ein Grund gewesen, das Studium vorzeitig abzubrechen. Priesteranwärter müssten deswegen auch in "mehrstündigen Sitzungen eine Art ‘Generalcheck’ durchlaufen". Positiv an diesem Lebensmodell finde er, dass er sich voll der Gemeinde widmen könne und kein Lebensbereich leiden müsse: "Mein Amt wird mich komplett ausfüllen, und ich will ganz für die Leute da sein: Ich bin später quasi Familienvater für eine ganze Gemeinde", wünscht sich Henn.



Serap Aydin studiert in Tübingen am bundesweit ersten Zentrum für islamische Theologie. Die 24-Jährige wurde sehr religiös erzogen. Trotzdem überlies ihr Vater ihr die Entscheidung, den Islam auch zu praktizieren. Als Frau darf sie trotz ihres Studiums nie Imam werden, auch wenn sie alle Kenntnisse dafür erworben hat. Ihr gefalle es aber, jetzt ihren Glauben aus einer theologischen Sicht zu betrachten.



Mehr Verständnis für den Islam



Die meisten der Absolventen wollten Predigerinnen oder Lehrerinnen werden und anderen Menschen dabei helfen, den Koran zu verstehen. Von anderen Menschen wünscht sich Aydin mehr Verständnis für den Islam. Als gute Muslimin wolle sie nicht missionieren. Es gelte, den Glauben vorzuleben statt zu überzeugen, auch weil viele Menschen den Islam auf Ehrenmorde und den 11. September reduzierten. Dabei komme das Wort Islam aus dem Arabischen und bedeute Friede: "Ich will dazu beitragen, ein besseres Verständnis meiner Religion zu schaffen – zum Beispiel als Religionslehrerin, Sprachdozentin oder durch wissenschaftliche Arbeit", wird sie in dem Artikel zitiert.



Quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat Alexander Nachama den jüdischen Glauben. Sein Großvater war bereits Kantor in einer jüdischen Gemeinde und Auschwitz-Überlebender. Alexanders Familie praktizierten regelmäßig den Sabbat. Er studierte nach seiner Ausbildung zum Kantor, Judaistik an der Freien Universität Berlin. Nach dem Uni-Abschluss hat er seit 2008 das Rabbiner-Programm des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam absolviert.



Jedes Mal etwas Besonderes



Als Rabbiner ist er für die Struktur eines Gottesdienstes und die Predigt zuständig: Er liest aus der Tora vor und bindet die Gemeinde ein. So durfte er schon mit 14 Jahren den ersten Gottesdienste leiten. Durch sein Rabbiner-Studium erhält Alexander Nachama er einen Einblick in verschiedene jüdische Gemeinden: Ihm mache es unglaubliche viel Freude, Verantwortung im Gottesdienst zu übernehmen. "Bis heute ist es jedes Mal etwas Besonderes", bekennt Nachama. (pro)

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