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Thema Pornografie im ZDF-“Nachtstudio”

In Deutschland konsumieren 81 Prozent aller über 15-Jährigen Pornos über das Internet. Damit ist die Zahl vier Mal so hoch wie die der Raucher. Bei den Frauen soll die Quote 40 Prozent betragen. In der aktuellen Sendung des ZDF-"Nachtstudios" wurde das Problem unter dem Titel "Ich lad's mir runter: Das Paradox Pornografie" thematisiert.
Von PRO

Foto: ZDF / pro

Die sexuelle Aufklärung ist im Zeichen der digital medialisierten Welt
bis in alle Details im Netz zu haben. Mit einigen Klicks befinden sich
die Nutzer auf Pornoseiten, die keine Wünsche offen lassen. Moderator
Volker Panzer diskutierte am Sonntag in seiner Sendung mit der
holländischen Musikjournalistin Myrthe Hilkens, dem Buchautor Johannes
Gernert, dem Medienwissenschaftler Norbert Bolz und Jakob Pastötter, dem
Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche
Sexualforschung, über das Problem.

Hilkens betonte, dass der Pornografie-Konsum eine Suchtspirale auslösen und die Nachfrage nach immer extremeren Pornos fördern könne. Mittlerweile sei so viel Porno in das Leben der Menschen eingedrungen, dass endlich eine soziale Debatte darüber stattfinden müsse. "Vieles Pornografische geschieht nur zur Genugtuung der Männer." Dagegen werde zu wenig über die vier Millionen Frauen und Kinder geredet, die von der Porno-Industrie ausgebeutet werden.

"Erst eine virtuelle Mutprobe, dann die Erregung"

Johannes Gernert, Autor des Buches "Generation Porno", stellte die These auf, dass die technische Entwicklung entscheidend für die Vielfalt der Darstellung von Pornografie sei: "Die Pornografie ist immer näher an die Menschen herangekommen. Im Internet ist sie mittlerweile schnell in hoher Auflösung zu haben." Mit dem iPhone und anderen technischen Möglichkeiten könne sie quasi zum ständigen Wegbegleiter werden.

Während das Schauen von Pornografie im Internet für neun- bis elfjährige eher eine "virtuelle Mutprobe" darstelle, spiele bei den Älteren die sexuelle Erregung die Hauptrolle. Erschreckend sei, dass viele Mädchen von ihrem Partner unter Druck gesetzt werden das Ganze zu konsumieren. Dass Sexualität auch Schmerz bedeuten könne, werde ausgeblendet. Zu verhindern, dass junge Menschen Pornografie sehen, sei schlicht unmöglich. Als Reaktion müssten die Familien und Schulen zu einem kritischeren Umgang mit Medien – nicht nur im pornographischen Bereich – anleiten.

Norbert Bolz, Medienwissenschaftler an der TU Berlin, machte deutlich, dass mit der Sperrung der einschlägigen Internetseiten das Problem nicht gelöst werde. Während mit allen anderen erotischen Vorstellungen die "Vorlust" gefördert werde, agiere ein "Porno unterhalb der Schwelle des öffentlich Erträglichen und Zumutbaren. Die Pornografie ist ein Begehren, das gesellschaftlich nicht anerkannt ist und in einen Ersatzschauplatz mündet", verdeutlichte Bolz seine Sicht der Dinge. "Die Männer können in der Gesellschaft nicht ausleben, was sie eigentlich gerne ausleben würden."

Mit der Realität nichts zu tun

Der Sexualwissenschaftler Jakob Pastötter prangerte die inszenierte Sexualität an, die mit der realen Erfahrung nichts zu tun habe: "Wir haben es im Westen nicht geschafft, eine öffentliche sexuelle Kultur zu entwickeln. Pornografie ist ein autistisches Medium, das alleine vor dem Bildschirm gelebt wird." Mit der Entwicklung einher gehe, dass der Sexualpartner zu einem Sexualobjekt werde. "Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass der Sex, den wir haben, nicht der richtige sein kann, weil der Sex, den wir sehen, viel spannender ist." Darunter leide der reale Sex.

Hilkens forderte aufgrund der aktuellen Entwicklungen eine neue sexuelle Revolution: Die pornographischen Elemente symbolisieren nicht die sexuelle Freiheit. "Es ist die Aufgabe unserer Generation, das Thema in die Schulen zu bringen und auf der politischen Ebene zu thematisieren." Gernert sah in der Rückschau den Wunsch über das Thema zu reden als gescheitert an. "Vielleicht wird dies ja durch die anhaltende Debatte gewährleistet", so seine Hoffnung.

Das ZDF empfiehlt zur Vertiefung des Themas auch das Buch von Thomas Schirrmacher "Internetpornografie – und was jeder darüber wissen sollte", das im Hänssler-Verlag erschienen ist und in Zusammenarbeit mit dem Christlichen Medienverbund KEP herausgegeben wird. (pro)

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