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taz: Pädophilen-Affäre erreicht Jürgen Trittin

In der Debatte um die Pädophilie-Vergangenheit der Grünen ist nun auch Spitzenkandidat Jürgen Trittin in die Kritik geraten. Die tageszeitung (taz) berichtete am Montag, der Politiker habe 1981 ein Papier mitverantwortet, das Sex zwischen Erwachsenen und Kindern unter bestimmten Bedingungen erlauben wollte.
Von PRO

Foto: Rudolf Simon (CC BY-SA 3.0)

Trittin habe 1981 das Kommunalwahlprogramm der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste (AGIL) in Göttingen presserechtlich verantwortet, schreiben die Politologen Franz Walter und Stephan Klecha in einem Beitrag für die taz. Walter und Klecha vom Göttinger Institut für Demokratieforschung waren im Mai von den Grünen beauftragt worden, den Einfluss pädophiler Gruppen und Personen in der Parteigeschichte aufzuklären.

Auf Anfrage der taz bestätigte Trittin die Sachlage als „zutreffend“. Dies unterstreiche die Notwendigkeit von Walters Forschungsvorhaben. Die Grünen seien nicht die einzige Partei, die in ihrer Gründungsphase dem Einfluss von Interessengruppen, welche den Missbrauch von Kindern legalisieren wollten, ausgesetzt gewesen seien. „Dies war in der Göttinger AGIL eher noch ausgeprägter“, erklärte Trittin. „Es war gerade ihr Selbstverständnis, die Forderungen einzelner Initiativen – in diesem Fall der Homosexuellen Aktion Göttingen – eins zu eins zu übernehmen.“ Diesen falschen Forderungen sei nicht energisch genug entgegengetreten worden. „Dies ist auch meine Verantwortung“, sagte Trittin. „Und dies sind auch meine Fehler, die ich bedauere.“

„Fatale Schweigespirale“ bei den Grünen

Walter und Klecha schreiben in ihrem taz-Beitrag von einer „fatalen Schweigespirale“: „Die Grünen halten lieber den Mund, murmeln höchstens von einem besonderen Zeitgeist, raunen von Verirrten und Sektierern, die man längst hinter sich gelassen habe.“

Die in der taz veröffentlichten Enthüllungen wurden am Montag von zahlreichen Medien aufgegriffen. Noch im August stand die als den Grünen nahestehend geltende Zeitung im Verdacht, einen Beitrag über Pädophilie bei den Grünen nicht gedruckt zu haben, weil er der Partei im Wahlkampf hätte schaden können (pro berichtete). Walter und Klecha schreiben nun, in den 1970er Jahren hätte auch die linksliberale Wochenzeitung Die Zeit „den Protagonisten einer Entkriminalisierung von vermeintlich einvernehmlicher Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern großzügig Raum“ gegeben.

Dies gelte ebenso für Foren der evangelischen Kirche sowie Veranstaltungen und Publikationen der Humanistischen Union sowie einige sozialpädagogische Verbände. Heute schrieen alle Betroffenen „Skandal“ und verlangten Aufarbeitung, meinten damit jedoch nie den eigenen Verein, die eigene Partei oder das eigene Medienhaus.

Walter verteidigte am Montag den Zeitpunkt seiner Veröffentlichung kurz vor der Bundestagswahl: „Da steckt keinerlei Kalkül dahinter“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er denke bei seiner Forschung nicht darüber nach, welchem Politiker oder welcher Partei etwas schaden oder nutzen könne. „Ich würde allen Parteien in der Frage raten, den Mund nicht zu weit aufzumachen“, betonte er weiter. Die Pädophilie-Debatte sei kein spezifisches Problem der Grünen.

Özdemir: „Keine Rücksicht auf den Wahltag“

Parteichef Cem Özdemir sagte am Montag laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin, die Veröffentlichung zeige, dass die Grünen mit der Bitte an Walter den richtigen Schritt getan hätten. „Wir wollten ja jemanden, der absolut
unabhängig ist“, sagte Özdemir. „Er macht es so, dass er keine Rücksicht
nimmt, auch nicht auf einen Wahltag. Das ist richtig so.“

Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder bezeichnete die damalige Veröffentlichung der Grünen als „abscheulich“ und erklärte: „Herr Trittin soll sich wirklich überlegen, ob er der Richtige für diese Führungsaufgabe bei den Grünen ist.“ Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (ebenfalls CDU) kritisierte im Tagesspiegel: „Als Jürgen Trittin mit falschen Bolzenschneider- und Schlagstock-Fotos von einer Göttinger Demo konfrontiert wurde, konnte er sich sofort perfekt an jedes entlastende Detail der Szene erinnern.“ Der selbe Jürgen Trittin brauche nun einen Professor, „um seine persönlichen Erinnerungen an grüne Pädophile wachzurütteln und zu veröffentlichen“. Dies sei „blanker Hohn“ gegenüber den Missbrauchsopfern. (pro)

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