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„Tatort: Hardcore“ gehört nicht ins 20.15 Uhr-Programm

Einen Mord im Porno-Milieu mussten die „Tatort“-Kommissare am Sonntag aufklären. Die verruchten und anstößigen Szenen überließen wenig der Vorstellung. Solche Bilder gehören zu dieser Uhrzeit nicht ins Fernsehen. Ein Kommentar von Martina Blatt
Von PRO
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Luna Pink (Helen Barke) in High Heels bei einem Pornodreh. Wenig später ist sie tot.

Foto: © BR/Jonas Schmager

Luna Pink (Helen Barke) in High Heels bei einem Pornodreh. Wenig später ist sie tot.

Der „Tatort: Hardcore“ in der ARD vom vergangenen Sonntag hat die Gemüter erhitzt. Die Münchener Kommissare Batic und Leitmayr ermittelten im Porno-Milieu. Der Bayerische Rundfunk (BR), der für die Produktion dieser Folge verantwortlich war, garnierte den Krimi nach dem Motto „Sex sells“ mit viel nackter Haut, vulgären Dialogen und expliziten Szenen – die vieles nicht der Vorstellungskraft überließen. Solche Bilder sollten nicht zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr gezeigt werden.

Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) unterhält sich mit zwei Pornodarstellern (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer) am Set Foto: © BR/Hagen Keller
Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) unterhält sich mit zwei Pornodarstellern (Martin Bruchmann und Sebastian Fischer) am Set

Der BR verteidigt unterdessen seinen „Tatort“. Die zuständige Redakteurin Stephanie Hecker sagte im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Das, was da stattfindet, ist in vielen Teilen und Praktiken empörend und auch ekelhaft. “ Was sie allerdings nicht verstehe, sei, „dass man sich darüber empört, dass es im ,Tatort‘ thematisiert wird“. Pornografie sei millionenfach im Netz präsent und werde millionenfach genutzt. „Und das alles ist für Kinder leicht zugänglich. Darüber sollte man nicht schweigen.“

Kindern früh Erstinformationen geben

Fakt ist: Pornografie gehört bei einem großen Teil der Jugendlichen und Erwachsenen zur Sexualität. Laut Umfragen ist der Konsum von Pornos auch in christlichen Kreisen nicht ungewöhnlich, obwohl dies unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild erscheint. Kinder und Jugendliche werden immer früher mit Produktionen der Sex-Industrie konfrontiert, etwa auf dem Schulhof.

Dass man über diese Problematik – die Zugänglichkeit der Filme, die Auswirkung des Porno-Konsums und die mitunter menschenverachtenden Zustände in der Branche – diskutieren muss, steht außer Frage. Doch die Vorgehensweise des BR ist fraglich. Dafür hätte es nicht die Bilder kopulierender Paare und eine ausführliche Zur-Schau-Stellung von Gruppen-Sex gebraucht.

Nikolaus Franke, Jugendreferent beim Weißen Kreuz, rät Eltern, ihren Kindern die Erstinformation zum Thema Pornografie zu geben – möglichst noch im Grundschulalter. Was er damit meint ist folgendes: Es sei wichtig, zu erklären, dass Pornos für einen Markt gemacht worden sind, sagte er in einem früheren Gespräch mit pro. Die Kinder hielten die Filme so für weniger realistisch. Zudem sollten Eltern Kindern Handlungshinweise geben, wie etwa, Freunden zu sagen, dass sie keine pornografischen Bilder sehen wollten, wenn ihre Kumpel ihnen welche zeigen wollten.

Tatort als Familienfilm?

Der öffentlich-rechtliche Sender verwies laut dpa darauf, dass die „Tatort“-Redaktion und die BR-Jugendschutzbeauftragten bei der Produktion von „Hardcore“ stets in enger Abstimmung standen. Die Beurteilung der Folge führte zu der Einschätzung, dass der Film für Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet sei. Damit stand einer Ausstrahlung um 20.15 Uhr nichts im Wege. Anders verlief es etwa bei dem „Tatort: Franziska“ vom WDR aus dem Jahr 2014. Dieser durfte aus Jugendschutz-Gründen erst 22 Uhr ausgestrahlt werden. Zu recht. Der Film war zu brutal. Denn das Format „Tatort“ verstehe sich im Prinzip als ein Familienfilm, sagte WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke damals.

Der aktuelle „Tatort“ ist kein Familien-Kino. Damit ist er längst nicht der einzige Film, der den beliebten Sendeplatz um 20.15 Uhr zu Unrecht erhält: Die Prüfstellen scheinen immer großzügiger zu werden, was ihre Entscheidungen bei Altersfreigaben für Filme angeht. Das betrifft nicht nur pornografische, sondern auch Gewaltdarstellungen. „Die Entwicklung der Gesellschaft erfordert also mehr Information, mehr Bildung, Kultur und Vermittlung von Medienkompetenz, erhöhte Meinungs- und Urteilsfähigkeit sowie qualitativ hochwertige Beratung und Unterhaltung“, heißt es in einer Stellungnahme zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Diesem Anspruch hält dieser „Tatort“ leider kaum stand.

Von: Martina Blatt

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