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„Tatort“ als eine religiöse Parallelwelt

Ein junges Mädchen verfällt der Ideologie des Islamischen Staates. Dieses aktuelle Thema greift der „Tatort“ am Sonntag auf. Die beiden Kieler Ermittler Klaus Borowski und Sarah Brandt begeben sich zur besten Sendezeit in eine religiöse Parallelwelt, in der einige Menschen auf der Strecke bleiben. Eine Rezension von Johannes Weil
Von PRO
Was denkt eine junge Frau, die in die Ideen des Islamischen Staats vernarrt ist? Die 17-jährige Julia mit den Kommissaren Klaus Borowski und Sarah Brandt

Foto: NDR/Christine Schroeder

Was denkt eine junge Frau, die in die Ideen des Islamischen Staats vernarrt ist? Die 17-jährige Julia mit den Kommissaren Klaus Borowski und Sarah Brandt

Jedes Jahr folgen zahlreiche Mädchen und Jungen den Verlockungen des Islamischen Staates. Die Macher der Kult-Krimireihe „Tatort“ greifen das aktuelle Thema am Sonntag in einem neuen Kriminalfall auf. Die Folge „Borowski und das verlorene Mädchen“ erzählt die Geschichte der 17-jährigen Julia, die fasziniert ist von den Lehren der Terrorgruppe. Der Zuschauer betritt eine religiöse Parallelwelt und erlebt ein Ende mit Schrecken.
Julia hasst ihr altes Leben. Sie konvertiert zum Islam und möchte nach Syrien reisen, um einen IS-Kämpfer zu heiraten. Diese Ideen und Ansichten machen sie nicht nur in ihrer Klasse unbeliebt. Zuflucht findet sie in einer Hinterhof-Moschee mit einer streng konservativen Ausrichtung. Dort trifft der Ermittler Klaus Borowski auf „das verlorene Mädchen“. Er findet heraus, dass sie mit ihrer Familie gebrochen hat. Prekär wird die Lage dadurch, dass sie ihren eigenen Bruder des Mordes an einer Mitschülerin bezichtigt, deren Leiche tags darauf gefunden wird.

„Eure Wünsche sind nicht mehr meine Wünsche“

Zudem schreibt die junge Frau ihrer Mutter in einem Brief: „Liebe Mama, wenn Du das hier liest, werde ich nicht mehr da sein“. Sie möchte dort sein, wo sie anders sein kann, bekennt das junge Mädchen. Ihr eigenes Leben und ihre Wünsche entsprächen nicht mehr denen ihres Umfeldes, beschönigt sie die Lage nicht. Halt erhofft sie sich im Islam bei einen Gott, der ihre Wunden heilt und ihre Fragen beantwortet.
Neben Julia verdächtigt die Polizei noch einen jungen Moslem, der häufiger Gewalt gegen Frauen ausgeübt hat. Kommissar Borowski und seine Kollegin Sarah Brandt behalten – wie gewohnt – auch in sehr hektischen Momenten die Ruhe. Dabei muss sich Borowski auch mit dem Leiter der Staatsschutz-Abteilung rumärgern, der in dem Fall übergeordnete Sicherheitsinteressen hat. Für diesen ist die 17-Jährige jedenfalls Mittel zum Zweck. An Fahrt nimmt der Fall dann noch einmal auf, als eine in die Moscheegemeinde eingeschleuste V-Person tot aufgefunden wird.

„Kampf gegen das Scheiß-System“

Die Entsorgung der Leiche führt die Ermittler zwischenzeitlich auf eine falsche Spur. Selbst als der Täter des ersten Mordes schon feststeht, kommt es noch einmal zum Finale zwischen der Kämpferin für den Islam und dem „Scheiß-System“, das sie nach ihrer Flucht bekämpfen möchte.
Die Zuschauer erwarten 90 spannende Minuten mit einem aktuellen und hochbrisanten Thema. Einige unerwartete Wendungen geben dem „Tatort“ einen guten Schmiss. Vielleicht ist es auch nicht nur ein „Tatort“ der religiösen Parallelwelt, sondern der Haltlosigkeit vieler junger Menschen. In der Umsetzung nüchtern und aufklärerisch – die Zuschauer dürfen sich auf den Sonntagabend freuen. (pro)

Tatort, Borowski und das verlorene Mädchen, Sonntag, den 6. November 2016 um 20.15 Uhr, ARD

Ein verführerischer Film (pro)
„Tatort“ hilft beim Sterben nach (pro)

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