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SWR-Talkshow: Trotz Schicksalsschlägen glauben?

Christen und Atheisten haben in der Fernsehsendung „Nachtcafé“ darüber diskutiert, ob der Glaube für ein erfülltes Leben notwendig ist. Die Psychologin Angelika Kallwass und die Ex-Muslima Sabatina James vertraten gegensätzliche Standpunkte – den überzeugendsten Auftritt hatte ein junger Witwer. Eine TV-Kritik von Moritz Breckner
Von PRO

Foto: SWR/Tom Oettle

Mit acht Jahren liess sich Kallwass, bekannt durch ihre langjährige Sendung „Zwei bei Kallwass“ in Sat.1, auf eigenen Wunsch taufen. Im Alter von 16 Jahren trat sie aus der Kirche aus und wurde zur Atheistin. Ein Grund, warum sie nicht mehr an Gott glauben konnte, war die so genannte Theodizee-Frage, warum Gott das Leid in der Welt zulässt. „Sechs Millionen Juden. Warum hat Gott nicht ‚Stopp‘ gesagt?“, habe sie sich gefragt. Als Kind der Nachkriegszeit habe sie viel Armut und Leid gesehen, auch in der Familie. „Ich kann nicht glauben“, sagte Kallwass in der Sendung am Freitagabend. „Manchmal denke ich, ich wäre gern wieder so naiv wie als Kind, aber ich sage auch: Ich brauche Gott heute nicht mehr. Ich nehme meine Kraft aus mir selber.“ Ihre eigenen Kinder hätten Angst, eine Kirche zu betreten, wenn dort eine Jesus-Figur ans Kreuz genagelt sei.

Mexx Koch, Prediger in der Motorrad-Szene, hat ganz andere Erfahrungen gemacht. Nach Jahren der Drogensucht und im Gefängnis war er körperlich und seelisch ein Wrack. „Der Glaube hat mir vollkommene Wiederherstellung, Orientierung und Ausrichtung gegeben“, bekannte er und zitierte aus der Bibel Johannes 3, Vers 16: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“. Allein diese Zusage gebe ihm Gewissheit für seine Zukunft, sagte der Kölner, der heute eine Familie hat und das Christentum bei Motorrad-Gottesdiensten verkündigt.

Atheist: „Lebe im hier und jetzt“

Die Idee des ewigen Lebens ist für den Atheisten Philipp Möller von der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung Fiktion. „Das Leben hier ist das einzige Leben, das du hast“, erklärte er. „Also tu alles, damit es für dich und deine Mitmenschen so angenehm wie möglich ist.“ Der katholische Bischof von Würzburg, Friedhelm Hofmann, betonte die Bedeutung der Nächstenliebe: Gott schicke Menschen, um Menschen in Not zu helfen. Auf diese Weise nehme er sich des Leids in der Welt an.

Die ehemalige Muslima und heutige Christin Sabatina James wies darauf hin, dass die christlichen Kirchen gerade dort am meisten wachsen, wo sie verfolgt werden: „Bei uns in Pakistan werden Christen ermordet und im Gefängnis gefoltert. Aber es werden immer mehr. Wie erklären Sie sich das?“ Obwohl sie durch den Islam Religion von ihrer schlimmsten Seite kennengelernt habe, sei es nie eine Option gewesen, zur Atheistin zu werden: „Ich habe eine Sehnsucht in meinem Herzen, die nur Gott stillen kann.“

Nach Schicksalsschlägen: Zuwendung oder Abkehr?

Die Frage nach Gottes Güte angesichts des Leids in der Welt zog sich als roter Faden durch die Sendung. „Ich kann diese Frage nachvollziehen“, sagte Hofmann, und erklärte, dass er sowohl Menschen kenne, die sich durch Leid vom Glauben abgewendet haben, als auch solche, die in Situationen des Schmerzes zum Glauben gefunden hätten.

Mit Ute Netz und Steffen Schwarz waren zwei Betroffene ins „Nachtcafé“ eingeladen, die repräsentativ für diese beiden Gruppen stehen dürften. Netz kann an keinen liebenden Gott mehr glauben, seit ihr Sohn vor sechs Jahren unverschuldet bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. „Gott ist für mich erledigt“, sagte sie. „Wenn es einen gütigen Gott gäbe, könnte er sowas nicht zulassen.“

Der Glaube von Steffen Schwarz hingegen hat in der schlimmsten Zeit seines Lebens an Intensität gewonnen. 2010 nahm sich seine Frau in einer zu spät erkannten Depression das Leben und ließ ihn mit der kleinen Tochter zurück. Schwarz erinnert sich genau an den Moment, als er die Nachricht vom Tod seiner Frau erhielt: „Mein erster Notruf ging an Jesus Christus. Wie ein Hilfeschrei.“ Sein Leben habe in Scherben gelegen, aber der Glaube sei sein „unverrückbares und unzerstörbares Fundament“. Er sei sich absolut sicher, sagte Schwarz schon zu Beginn der Sendung: „Als Christ darf ich die Ewigkeit bei Gott verbringen.“ (pro)

Die Sendung wird am 30. Oktober um 01.15 Uhr im SWR-Fernsehen wiederholt und ist in der Online-Mediathek des SWR abrufbar.

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