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Suchmaschine ohne Sex

Wer eine Frage ans Internet hat, tippt sie meist schnell bei der Suchmaschine Google ein. Die Suchmaschine dominiert den Markt, hat aber den Ruf, eine „Datenkrake“ zu sein. Andreas Wiebe hat mit „Hulbee“ eine Alternative entwickelt. Der Clou daran: Die Suchmaschine speichert keine Daten vom Nutzer und sie findet keine Pornos.
Von PRO
Die Suchmaschine „Hulbee“ will Kinder beim Surfen im Internet vor Gefahren schützen
Die Suchmaschine „Hulbee“ will Kinder beim Surfen im Internet vor Gefahren schützen
Wer im Internet nach „Sex“ sucht, erhält Hunderttausende Treffer zu einschlägigen Sex- und Pornoseiten. Nicht so, wenn man diesen Begriff bei der Suchmaschine Hulbee eintippt. Die liefert ein einzeiliges Resultat: „Es wurden keine Ergebnisse für ‚Sex‘ gefunden.“ Hulbee zeigt bei Suchanfragen keine Ergebnisse, deren Seiten Pornografie und Gewalt enthalten oder darauf hinweisen. Wenn es nicht gerade um diese Themen geht, liefert Hulbee dem Nutzer nach der Eingabe eines Suchbegriffs relevante Antworten und schlägt weitere Begriffe vor, die zu diesem Schlüsselwort passen können. Solche semantischen Suchmaschinen gibt es nur wenige. „Der Nutzer soll so rasch wie möglich ein Resultat erhalten und kann dann die Plattform verlassen“, erklärt der 41-jährige Ideengeber und Firmenchef Andreas Wiebe. Von Anfang an war ihm neben Fragen der Technologie und des Datenschutzes wichtig, dass keine Gewalt und keine Pornografie darin vorkommen: „Als Christen und Eltern von drei Kindern wollten wir etwas bauen, das die Kinder vor dem Bombardement mit Pornografie schützt. Was wir uns wünschen, werden sich vielleicht auch andere Eltern wünschen.“ Die entsprechenden Schlüsselwörter wie „Sex“ hat Hulbee verbannt, obwohl dies auch das englische Wort für Geschlecht ist: „Zu 90 Prozent wird dieses Wort genutzt, um nach pornografischen Inhalten zu suchen und nicht, um etwas über das Geschlecht herauszufinden“, erklärt Wiebe. Er selbst sei schockiert davon gewesen, was man unter diesem Stichwort alles im Internet findet: „Für uns war es nicht ethisch, das einfach so zuzulassen. Deswegen haben wir an Hulbee weitergearbeitet.“

Hulbee als Wohltätigkeits-Projekt

Der verheiratete Industrieelektroniker hat sich in seiner beruflichen Laufbahn intensiv mit künstlicher Intelligenz befasst. Er gehört zu den Mitentwicklern des Lego-Roboters „Mindstorm“, und war beteiligt bei der Entwicklung der Desktop-Suche „Superior Search“, an der auch Microsoft Interesse hatte. Als Unternehmen entwickelt Hulbee Software für andere Unternehmen und finanziert sich auf diese Weise. Die Suchmaschine ist für Wiebe ein Wohltätigkeitsprojekt und als Ableger seiner Suchmaschine Swisscows (Schweizer Kühe) entstanden, die in der Schweiz sehr beliebt ist. Mit Werbung auf seiner Suchmaschine kann der Unternehmer nur schwer Geld verdienen, denn Werbetreibende sind interessiert an den Nutzerdaten. Doch die speichert Hulbee ebensowenig wie die Suchanfragen, auf die viele Werber ihre Anzeigen hin ausrichten. „Wir wissen weder, woher sie kommen, wer sie sind, noch was sie für einen Browser verwenden. Wir speichern nichts. Die Server sind an dieser Stelle leer und liefern lediglich die Suchergebnisse“, macht Wiebe deutlich. Das macht die Suchmaschine auch uninterressant für Geheimdienste oder Hacker. „Wenn jemand bei uns einbrechen würde, könnte er nur die Tür beschädigen, aber nichts von der Einrichtung mitnehmen.“ Sich gegen Google zu stellen, hält der Geschäftsführer für überheblich. Er sieht seine Suchmaschine als Alternative, die „Schutzmöglichkeiten zur Verfügung stellt“. Google sammle „Akten zu jedem Nutzer für die Zukunft“, sagt Wiebe. Diese Daten könnten eines Tages auch gegen die Nutzer eingesetzt werden. Während der amerikanische Internetriese Milliarden Anfragen täglich bearbeitet, sind es bei Hulbee nach eigenen Angaben momentan monatlich 10 bis 15 Millionen. Der Schutz des Nutzers steht für Wiebe an oberster Stelle. In der Schweiz gebe es strengere Datenschutzrichtlinien als in der EU. Für die Entwicklung neuer Technologien sei dies von Vorteil, „weil wir auf die Speicherung von Daten überhaupt keine Rücksicht nehmen müssen“. Auch die Server für Wiebes Suchmaschinen stehen in der Schweiz und unterliegen damit auch deren Datenschutzbestimmungen. Aktuelle Entwicklungen im Datenschutz beobachtet er skeptisch: „Wir wollen als Christen auch in unserem Beruf Salz der Erde sein. Die Überwachung der Menschen ist aus meiner Sicht nicht biblisch.“ Mittlerweile seien unter anderem die Mitarbeiter der Verwaltung aller Kölner Krankenhäuser und der Bund der Kriminalbeamten auf diese Suchmaschine umgestiegen, sagt Wiebe. Großen Rückhalt für das Projekt findet er bei seiner Frau. Die Pädagogin und er haben von Haus aus nichts mit dem christlichen Glauben am Hut. Beide kamen als Russlanddeutsche nach Deutschland. Ein Schulkamerad hatte ihn damals eingeladen, mit in die christliche Versammlung zu kommen. Sowohl er als auch seine Frau sind, bevor sie sich kannten, auf derselben Evangelisationsveranstaltung zum Glauben gekommen. Ein Beruf in der freien Wirtschaft wurde in ihrer Gemeinde kritisch beäugt. Für Wiebes ist das aber kein Konflikt mit ihrem Glauben: „Business ist für mich nichts Schlechtes. Abraham war einer der reichsten Männer seiner Zeit“, verdeutlicht er. Seine Firma hat ihren Sitz auf der Schweizer Seite des Bodensees. Den Namen für die Suchmaschine hat Wiebe mit seinen Kindern beim Abendessen entwickelt: „Wir kamen über Herbie, den VW-Käfer und Hubble dann zu Hulbee“.

Das Internet wird leicht zum Tatort

Markus Wortmann, Kriminologe und Vorsitzender des Vereins „Sicheres Netz hilft“, kennt sich aus mit den Risiken im Internet. „Bei allem Nutzen birgt das Internet auch Gefahren, denn es wird missbraucht“, sagte er auf Anfrage von pro. Die Palette der möglichen Straftaten reiche von Urheberrechtsverletzungen und Betrug über das Ausspähen von Daten bis hin zu Kinderpornografie. Deswegen ist es ihm wichtig, junge Menschen und Erziehungsverantwortliche fit im Umgang mit Medien zu machen. Sein Verein hat ein interdisziplinäres Team von Juristen, Medizinern, Psychologen, IT-Spezialisten und leistet überregional aktive Präventions- und Aufklärungsarbeit in Sachen Internetnutzung. Hulbee sieht Wortmann als eine Alternative zu den großen Suchmaschinen. Das hätten auch Firmenchefs und Privatleute erkannt. Die datenschutzrechtlichen Bestimmungen bei Hulbee seien für jedermann ersichtlich. „In den Geschäftsbedigungen wird explizit darauf hingewiesen, dass keine persönlichen Daten wie etwa die IP-Adresse oder die Browserverwendung gespeichert werden“, sagte Wortmann. Aus Wortmanns Sicht sollten Eltern grundsätzlich die Voreinstellungen für die Internetsuche auf dem Computer daheim so treffen, dass die Kinder nicht auf nicht kindgerechte Seiten gelangen. „Wir haben eine Schieflage in der Werte-, Normen- und Ansichtenvermittlung. Es gilt, das Rechtsgut, die Menschen und die Meinungsfreiheit zu schützen und zu respektieren“, erklärt Wortmann. Der Schlüssel zu mehr Sicherheit im Netz liegt seiner Meinung nach in persönlichen Kenntnissen über die Nutzen und Gefahren der Cyberwelt. „Je aufgeklärter und kompetenter die Anwender sind, desto besser lassen sich Risiken einschätzen und minimieren.“ (pro)

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 3/2016 des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie pro kostenlos unter der Telefonnummer 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.

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