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Studie: Zusammenhang von Religion und Kriminalität

Die Aussage, dass der Islam ein Teil Deutschlands ist, wird in der Republik laut eines Gutachtens zur Integration mehrheitlich abgelehnt. Die Wissenschaftler empfehlen, „frei von Tabus“ über den Zusammenhang von Religiosität und Straffälligkeit zu forschen. Hier zeigten sich Unterschiede zwischen Christen und Muslimen.
Von PRO
Laut Forschungen geht bei Christen Religiosität mit geringerer Straffälligkeit einher

Foto: pro

Laut Forschungen geht bei Christen Religiosität mit geringerer Straffälligkeit einher
Die abstrakte Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“ spaltet die Deutschen. Eine – wenn auch knappe – Mehrheit ohne Migrationshintergrund mit rund 53 Prozent verneint diesen Satz. Eine starke Minderheit von rund 47 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund stimmt der Aussage hingegen zu. Zu diesem Ergebnis kommt das am Dienstag veröffentlichte Gutachten des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Bei den Befragten mit türkischem Migrationshintergrund liegen die zustimmenden Werte mit rund 71 Prozent am höchsten. Der Zusammenhang von Religion und individueller Integration werde in der öffentlichen Debatte „doppelt überschätzt“, heißt es in dem Gutachten. Zum einen lägen keine belastbaren wissenschaftlichen Belege dafür vor, dass individuelle Religiosität oder Religion grundsätzlich die Teilhabe an Bildung und am Arbeitsmarkt erschwert. Zum anderen zeige die empirische Forschung, dass Unterschiede im Integrationserfolg zwischen verschiedenen religiösen Gruppen nicht in erster Linie auf die Religionszugehörigkeit zurückzuführen sind. Der zentrale Erklärungsfaktor für Erfolg oder Misserfolg im Bildungssystem – und darüber vermittelt auch am Arbeitsmarkt – sei und bleibe der soziale Hintergrund.

Wachsende Religiosität und fundamentalistische Haltung

Ein stärkerer Zusammenhang als im Bereich der Integration in Bildung und Arbeitsmarkt zeige sich zwischen Religion und Einstellungen zur Demokratie, fundamentalistischen Haltungen und Gewaltaffinität. Die Forschungslage sei in diesem Bereich zwar noch eher dünn, aus den vorliegenden Studien ließen sich jedoch zwei Tendenzen erkennen: Zum einen steige mit wachsender Religiosität die Zustimmung zu fundamentalistischen Haltungen. Das gilt religionsübergreifend, bei Muslimen scheine dieser Effekt allerdings deutlich ausgeprägter zu sein als bei Christen. Zum anderen gehe bei Christen Religiosität mit geringerer Straffälligkeit einher; dies ließe sich bei Muslimen nicht feststellen. So scheine für diese Gruppe zwar kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Religiosität und dem Begehen von Gewaltverbrechen zu bestehen, jedoch verschwinde bei religiösen Muslimen der bei anderen Religionen straffälligkeitsmindernde Effekt von Religiosität. Die SVR spricht sich angesichts der Bedeutung des Themas für weitere künftige Forschungen „frei von Tabus“ aus. Bei der Vorstellung des SVR-Jahresgutachtens mit dem Titel „Viele Götter, ein Staat: Religiöse Vielfalt und Teilhabe im Einwanderungsland“ sagte die SVR-Vorsitzende Christine Langenfeld am Dienstag: „Deutschland ist demografisch zu einem multireligiösen Land geworden. Zudem wird eine – mit der Verabschiedung des Grundgesetzes etablierte – Politik der Religionsfreundlichkeit konsequent auf andere Religionen angewendet.“

Freundliches Integrationsklima

Das Integrationsklima in Deutschland bewerten Menschen mit und ohne Migrationshintergrund deutschlandweit als weitgehend freundlich. „Das zeigt, dass der Integrationsprozess auf einer stabilen Grundlage steht“, sagte Langenfeld. Zudem zeige sich, je besser die eigene ökonomische Situation beurteilt wird, umso optimistischer fällt die Wahrnehmung des Integrationsklimas aus. Häufige soziale Kontakte zwischen Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte wirkten sich zudem positiv auf die Einschätzung des Integrationsklimas aus. „Wer hingegen kaum mit Zuwanderern zu tun hat, ist skeptischer.“ Für das SVR-Integrationsbarometer wurde gefragt, welche Aspekte für die Zugehörigkeit zur Gesellschaft in Deutschland als entscheidend eingeschätzt werden. Die Zugehörigkeit zur Gesellschaft wird weit weniger an exklusive Kriterien wie die Geburt in Deutschland, deutsche Vorfahren oder auch die Zugehörigkeit zur christlichen Glaubensgemeinschaft geknüpft, sondern eher an die deutsche Staatsangehörigkeit. Das allerwichtigste Kriterium für die Zugehörigkeit zur Gesellschaft ist jedoch gruppenübergreifend ein fester Arbeitsplatz. Wahrgenommene Integration durch Leistung gilt offensichtlich auch für die zugewanderte Bevölkerung. Die institutionelle Gleichstellung des Islam sei in den vergangenen Jahren weit vorangeschritten, heißt in dem Gutachten. Dies gilt sowohl für die Einführung des islamischen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen als auch für die Etablierung der islamischen Theologie an Hochschulen. Aus Sicht des SVR sind nun vor allem die muslimischen Akteure gefordert, zur Institutionalisierung des Islam in Deutschland organisatorisch ihren Beitrag zu leisten.

Schulpflicht als zentraler Grundpfeiler des Bildungssystems

Im Bildungsbereich sind dem religionsrechtlichen Pluralismus Grenzen gesetzt. Religiös motivierte Wünsche von Eltern nach Befreiung von Sport-, Schwimm- oder Biologieunterricht lehnt der SVR grundsätzlich ab. „Die Teilnahme an der ‚Veranstaltung Schule‘ ist ein wichtiger Beitrag dazu, die individuelle Entwicklung des Kindes zu fördern, eine demokratische Gemeinschaft zu bilden und gemeinsame Werte zu stärken“, sagte Langenfeld. Hier gelte ein klarer Vorrang der Schulbesuchspflicht. Für das SVR-Integrationsbarometer 2016 wurden zwischen März und August 2015 knapp 5.400 Personen mit und ohne Migrationshintergrund befragt. Zentraler Inhalt des Integrationsbarometers ist die Messung des Integrationsklimas. Dabei wird nach dem „Funktionieren“ der Einwanderungsgesellschaft in den Bereichen Nachbarschaft, Arbeitsmarkt, soziale Beziehungen und Bildung gefragt. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/studie-jugendliche-wollen-nicht-streng-glaeubig-sein-95871/
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https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/islamforscher-integrationsprobleme-nicht-nur-auf-religion-schieben-95578/
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