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Studie: Wachsender Hass in sozialen Netzwerken

Mit dem Internet breiten sich auch die Aufrufe zu Gewalt und Terrorismus aus. Das behauptet der am Montag veröffentlichte "Digital Terrorism and Hate"-Bericht des Simon Wiesenthal Zentrums. Von Hass-Inhalten besonders betroffen seien soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter.
Von PRO

Foto: ahorsewithnoname1972 (CC-BY-NC-SA)

Fast ein Viertel der Weltbevölkerung nutzt das Internet. Damit ist das weltweite Netz das Hauptkommunikationsmittel, wie der Bericht "Digital Terrorism and Hate 2010" des Simon Wiesenthal Zentrums zeigt. Medienangaben zufolge existieren derzeit 11.500 Internetseiten mit Hass-Inhalten. Das sind 20 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Zielscheibe des Hasses seien dabei vor allem Juden, Katholiken, Muslime, Hindus, Frauen, Homosexuelle und Immigranten.

Schon 2009 hieß es in einer Studie des Simon Wiesenthal Zentrums: "Der grenzenlose Handlungsspielraum und die Reichweite des Internets erschweren es, die Kommunikation zu beobachten und zurückzuverfolgen. Das macht es zum Hauptinstrument für Extremisten und Terroristen". Mit der Ausbreitung des Internets seien Extremisten stetig darum bemüht, Einfluss auf soziale Netzwerke zu nehmen, erklärte das jüdische Zentrum 2009. Auf diese Weise suchten sie nach Unterstützung für ihr Vorhaben und rekrutierten Menschen.

Die Mehrheit der Beiträge stammt aus Europa und dem Nahen Osten. Das 1977 gegründete Simon Wiesenthal Zentrum ist eine internationale Menschenrechtsorganisation, die sich mit Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord beschäftigt. Ihr Ziel ist es, Toleranz und Verständnis gegenüber Mitmenschen in der heutigen Zeit zu bewahren.

Den größten Zuwachs an digitalen Hass-Inhalten enthielten persönliche Blogs, Facebook, MySpace, YouTube und Twitter. Besonders die publikumsstarken sozialen Netzwerke würden mit "rassistischen und terroristischen Inhalten überflutet". Gruppierungen und Organisationen wie die kolumbianische Guerillabewegung FARC, die Hisbollah, die Hamas oder das neo-nazistische Internetforum "Stormfront" benutzen Facebook als Propagandainstrument. Obwohl derartige Seiten beobachtet würden, sei es schwierig zu unterscheiden "welche Drohungen legitim sind und welche einfach nur Gerede", sagten die Autoren gegenüber dem Nachrichtensender CNN.

Das gilt nicht nur für Strafverfolgungsorgane. Der Propagandaexperte Rainer Gries von der Universität Wien erklärte gegenüber dem Nachrichtendienst "Pressetext": "Gegenüber klassischen Medien wie dem Fernsehen oder dem Radio sind die User im Internet einer höheren Gefahr ausgesetzt." Persönliche Mitteilungen mit Hass-Inhalten könnten von den Nutzern nur schwer relativiert und auf Wahrheitsgehalt geprüft werden, fügte er hinzu.

Auch die Zahl der Internetseiten mit Anleitungen zur Herstellung von Sprengkörpern ist nach Angaben des Simon Wiesenthal Zentrums gestiegen. Für derartige Instruktionen werde besonders gerne Filmmaterial eingesetzt. Das Internet würde gefährliche Verschwörungstheorien entstehen lassen und ihnen Gültigkeit verleihen, zitierte der US-amerikanische Nachrichtensender "Fox News" die Studie.

Das Internet als Instrument des Friedens

Erst vor wenigen Tagen wurde das Internet für den Friedensnobelpreis 2010 nominiert. In einem "Manifest" über den Vorschlag heißt es: "Kontakt mit anderen ist immer das wirksamste Gegenmittel gegen Hass und Konflikte gewesen. Deshalb ist das Internet ein Instrument für den Frieden." Unter anderem befürwortete die Friedensnobelpreisträgerin von 2003, die Iranerin Schirin Ebadi, die Nominierung des Internets. Für die Aktivitäten der Oppositionellen im Iran habe das Internet eine wichtige Rolle gespielt, sagte Ebadi gegenüber der "Süddeutsche Zeitung". Mit Hilfe der neuen sozialen Medien konnten Informationen über Demonstrationen und deren Niederschlagung durch die Behörden unzensiert im Netz verbreitet werden. Die Nominierung des Internets für den Friedensnobelpreis wird jedoch kontrovers diskutiert. Auf dem Blog einer Gegeninitiative wird die Technik des Internets als zweckneutral beschrieben. Sie könne ebenso der Völkerverständigung dienen wie auch denen, die über das Internet Intoleranz, Gewalt und Hass verbreiteten. (pro)

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