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Strittiger Film über Evangelikale: Das sagen die Macher

Eine Reportage über Evangelikale auf dem öffentlich-rechtlichen Jugendportal Funk hat Kritik hervorgerufen: Unter anderem fühlte sich ein Pastor von den Journalisten getäuscht. Am Mittwoch hat die verantwortliche Redaktion dazu Stellung bezogen.
Von PRO
Reporter Friedemann Karig ermittelt in Berlin bei der „Holy Spirit Night”

Foto: UFA LAB

Reporter Friedemann Karig ermittelt in Berlin bei der „Holy Spirit Night”

In dem am Montag veröffentlichten, knapp zehnminütigen Film „Kein Erbarmen“ berichten zwei Aussteiger aus evangelikal-charismatischen Freikirchen über geistlichen Missbrauch. Das Christliche Medienmagazin pro hatten den Beitrag als einseitig kritisiert. Der für den Clip interviewte Pfarrer Martin Buchwitz erklärte gegenüber pro, von den Journalisten überrumpelt worden zu sein. Hinter dem Ausstieg eines jungen Mannes, der im Film „Thomas“ genannt wird, und dessen öffentlicher Kritik an der Gemeinde stehe eine persönliche Motivation.
Wäre es also denkbar, dass Thomas die Journalisten für eine Abrechnung mit der Gemeinde instrumentalisiert hat? „Es ist Teil unser alltäglichen Arbeit, immer zu prüfen, ob wir ggf. instrumentalisiert werden. Dies haben wir auch bei dieser Recherche immer diskutiert und überprüft“, teilt die zuständige Redaktion am Mittwoch gegenüber pro mit. „Jedoch wird (auch im Beitrag) die Geschichte von Thomas mittels unabhängiger Expertise, namentlich Philipp Kohler für die evangelische Landeskirche in Württemberg, als ‚bekannt und glaubwürdig‘ eingestuft.“ Während Recherche und Produktion habe die Redaktion „jederzeit allen Grund zur Annahme“ gehabt, dass Thomas‘ Geschichte glaubwürdig sei. Aufgrund des Quellenschutzes wollte die Redaktion keine Angabe zu der Frage machen, von welcher Seite der Kontakt zwischen Thomas und den Journalisten initiiert wurde.
Die Journalisten erklärten, ihre Arbeit an dem Beitrag „ergebnisoffen“ begonnen zu haben. „Wir waren fasziniert von den Veranstaltungen wie der ‚Holy Spirit Night‘ und sind dieser Faszination nachgegangen. Nach einiger Zeit kristallisierte sich auf Grund der brisanten Fälle der Aussteiger einerseits sowie andererseits angesichts einer sehr defensiven Kommunikationspolitik der angefragten Gemeinden ein bestimmter Fokus heraus.“ Daraufhin habe die Redaktion den beiden betroffenen Gemeinden einen Fragenkatalog zugeschickt.

Vorwurf des Pauschalurteils gegen Christen zurückgewiesen

Bereits in der Vergangenheit hatten Medien über Aussteiger aus Freikirchen berichtet, etwa der NDR mit seinem viel diskutierten Film „Mission unter falscher Flagge“. Die Deutsche Evangelische Allianz hatte explizit als Reaktion darauf im Herbst 2015 eine Clearingstelle eingerichtet, an die sich Opfer geistlichen Missbrauchs wenden können. Die Autoren des Funk-Beitrages sahen keinen Grund, auch dort um eine Stellungnahme oder Einordnung der Fälle zu bitten. Die Arbeitsstelle Weltanschauungsfragen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg sei „eine kompetente und vor allem hinreichend unabhängige beratende Institution, die eine umfängliche und ausreichende Einordnung der Fälle vorgenommen hat“.
Zu Beginn des Beitrages beklagt sich Reporter Friedemann Karig darüber, nicht auf dem Gelände einer Berliner Kirchengemeinde drehen zu dürfen und erklärt: „Pressefreiheit scheint kein christlicher Wert zu sein“. pro wollte von der Redaktion wissen, ob dies nicht ein Pauschalurteil gegen Christen sei, und ob die Redaktion wisse, dass sich gerade auch Christen weltweit für Grundrechte wie die Pressefreiheit einsetzen. „Wir wissen, dass die Formulierung zugespitzt ist, halten sie aber für kein ungerechtfertigtes Pauschalurteil gegen den christlichen Glauben“, teilten die Reporter mit. „Und gerade weil wir die Pressefreiheit als ein hohes Gut achten, schätzen wir Organisationen und gesellschaftliche Akteure, die sie fördern – halten es aber für essentiell, diese auch zu kritisieren, wenn es Missstände gibt, die man kritisieren muss. Auch wir stellen uns selbstverständlich jeder berechtigten Kritik.“
Beim Versuch, eine Drehgenehmigung für die „Holy Spirit Night“ zu bekommen, seien die Reporter „über Wochen hingehalten“ worden. „Dies führte zu dem Eindruck, dass eine Berichterstattung rund um die Veranstaltung nicht nur unerwünscht ist, sondern auch nach Möglichkeit ausgebremst werden soll. Daher der pointierte Satz zur Pressefreiheit, der als Teil eines Aufsagers vor Ort eben im Kontext der ‚Holy Spirit Night‘ zu verstehen ist.“
„Kein Erbarmen“ lief als Teil des Online-Formats „Jäger und Sammler“, bei dem junge Journalisten gesellschaftskritische Themen recherchieren. Das Projekt ist Teil von „Funk“, dem neuen Jugendportal von ARD und ZDF. (pro)Erneut Freikirchen im Visier öffentlich-rechtlicher Reporter (pro)
Allianz will Machtmissbrauch in Gemeinden verhindern (pro)

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