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Strategien gegen islamistischen Extremismus

Der Hamburger Staatsschutz leistet sich mit Irmgard Schrand eine Islamwissenschaftlerin, die als Expertin Auskunft zu kulturellen und gesellschaftlichen Fragen gibt und polizeiliche Ermittlungen bei Taten mit islamischen Hintergrund unterstützt. Darüber hinaus leitet sie Deutschlands einziges "Präventionsteam Islam" in einer Polizeibehörde. Dieses soll Strategien gegen islamistischen Extremismus entwickeln. Einem ähnlichen Thema widmet sich die Talkshow "Beckmann" am heutigen Donnerstag.
Von PRO

Foto: Schängel/Wikipedia

"Da ein Teil der Attentäter des 11. September aus Hamburg kam, hat die Hansestadt eine besondere Verantwortung", sagt Irmgard Schrand gegenüber pro. Dies führte dazu, dass die 50-jährige Islamwissenschaftlerin seit Anfang 2002 für den Staatsschutz arbeitet. Zuvor lebte sie fünf Jahre in Kairo und forschte dort über Juden in Ägypten. Die Wissenschaftlerin im Polizeidienst spricht fließend Arabisch sowie Englisch, Spanisch und etwas Persisch. Eine ihrer Hauptaufgaben sieht sie in der Prävention und deshalb rechnet sie es der Polizeiführung nach Angaben des Evangelischen Pressedienstes (epd) hoch an, dass 2008 eine fünfköpfige Arbeitsgruppe "Prävention islamistischer Extremismus" gegründet wurde.

Mit ihrem Team möchte Schrand ein Klima schaffen, in dem Radikalisierung verhindert werden kann. Im Gespräch mit pro erläutert sie: "Wir betreiben die Bildung von Netzwerken. Alle, die Jugendliche schützen und fördern wollen, sind willkommen. Jugendliche brauchen Raum für Idealismus, sie müssen unbequeme Fragen stellen und eine gerechte Welt schaffen wollen. Gefährlich wird es nur, wenn sie von Schwarz-Weiß-Denken, Feindbildern und Verschwörungstheorien beseelt sind und Gewalt als einziges Mittel zur Veränderung sehen."

Es müsse viele Leute geben, die sich für dieses Phänomen interessierten, die die Motive der jungen Leute erkennen könnten und wüssten, wann jemand mit einer radikalen Gruppierung oder einer entsprechenden Internetseite in Berührung gekommen ist. "Es geht darum zu erkennen, wie man den jungen Menschen helfen kann, ohne sie zu kriminalisieren." Zu diesen Netzwerken sollen Imame, Lehrer, Sozialpädagogen, betroffene Familien und Jugendliche gehören, die gemeinsam eine Gegenstrategie zur Propaganda extremistischer Islamisten entwickeln, berichtet der epd.

Geistliche Dimension spielt nur geringe Rolle

Nach Schrands Beobachtung spielt die geistliche Dimension der Religion für jugendliche Islamisten nur eine geringe Rolle. Wichtiger seien ihnen gesellschaftspolitische Forderungen und Regeln, die sie aus dem Koran herausläsen. Viele Jugendliche lehnten die gegenwärtige Gesellschaft ab und suchten nach einer Alternative, erklärt die Islamwissenschaftlerin dem epd. Und im Gespräch mit pro ergänzt sie: "Dieses Phänomen, dass sich Teenager den Salafiten Pierre Vogel anhören, lässt sich dadurch begründen, dass er ebenso von der Mehrheitsgesellschaft abgelehnt wird wie sie." Das Interesse am Islamismus sei eine Form von Protestverhalten. Dieser Protest der muslimischen Jugendlichen mit Hang zum Extremismus, so Schrand im epd-Bericht, richte sich oft gegen die eigenen Eltern und gegen die Imame in den Moscheen, weil diese nicht Deutsch sprechen können und die deutsche Lebenswelt nicht kennen. Anfällig für islamistischen Extremismus seien aber nicht nur Jugendliche mit türkischen und arabischen Wurzeln, sondern auch mit deutschen. Ihre Informationen suchten die jungen Menschen überwiegend im Internet, wo sie sich ungefilterte Informationen erhofften, da Tageszeitung und Fernsehen aus der Sicht der Jugendlichen zensiert seien.

"Die Kinder des Dschihad" bei "Beckmann"

Die Talkshow "Beckmann" widmet sich am heutigen Donnerstagabend um 22.45 Uhr in der ARD dem Thema: "Die Kinder des Dschihad – warum werden aus jungen Deutschen radikale Islamisten?" Zu Gast sind der Vater von Fritz G., dem Kopf der so genannten "Sauerland-Gruppe", der mit weiteren islamischen Extremisten eine Serie von Bombenanschlägen geplant hatte und zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde, sowie die Mutter von Robert B., der als Terrorverdächtiger in einem Londoner Hochsicherheitsgefängnis sitzt. Außerdem werden an der Diskussion die Journalisten Peter Scholl-Latour und Souad Mekhennet teilnehmen, ebenso der Sozialforscher Martin Schäuble, der der Frage nachgeht, warum junge Deutsche zu islamistischen Terroristen werden. (pro)

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