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Strafe ja, Prügel nein

Auch wenn die Bibel an einzelnen Stellen von der Erziehung mit der Rute spricht, ist das keine Aufforderung dazu, Kinder körperlich zu bestrafen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Gießener Instituts für Ethik und Werte. Eltern sollten ihre Kinder gewaltfrei, konsequent und in Liebe erziehen.
Von PRO

Foto: Marcus Bormann/Fotolia

Wer seine Kinder schlägt, kann sich dabei nicht auf die Bibel berufen. Das stellt die am Dienstag veröffentlichte Studie klar. Der Autor, Stephanus Schäl, analysiert darin Bibelstellen aus dem Buch der Sprüche, in denen von körperlicher Züchtigung mit der Rute die Rede ist. Er kommt zu dem Schluss, die eigentliche Aussage dieser Texte „ist die Ermahnung und Ermutigung zur konsequenten Erziehung der Kinder, nicht die Aufforderung, die Kinder körperlich zu bestrafen“.

In den vergangenen Monaten berichteten Medien mehrfach über konservative christliche Gruppen, in denen Kinder vermeintlich geschlagen würden. Deshalb befasste sich das Institut mit der Frage, ob die Bibel Gewalt gegen Kinder rechtfertige. So befand das Kriminologische Institut Niedersachsen in einer Studie vom April dieses Jahres, Freikirchler würden ihre Kinder häufiger schlagen als Eltern, die der katholischen oder einer evangelischen Landeskirche angehören. Anfang September nahm das Jugendamt 40 Kinder von Angehörigen der Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ wegen Prügelvorwürfen in Obhut. Befürworter von körperlichen Strafen gegenüber Kindern stützten sich dem Ethik-Institut zufolge vor allem auf einzelne Aussagen aus dem Sprüche-Buch im Alten Testament, in denen die Rute als Mittel der Erziehung genannt wird.  

Prügelstrafe nicht „typisch christlich“

Schäl stellt in seiner Studie dar, dass diese Texte tatsächlich eindeutig auf die körperliche Bestrafung von Kindern anspielen. Das sei zur Abfassungszeit im Orient als legitimes Erziehungsmittel angesehen worden. Jedoch dürften die Sprüche, die zur Weisheitsliteratur gehörten, nicht mechanisch eins zu eins angewandt werden. Mit den beschriebenen kulturell verankerten Alltagsbeobachtungen und Bildern in diesen Texten würden vielmehr Prinzipien kommuniziert, die über die konkrete Situation der damaligen Lebenswirklichkeit hinausgingen. Dies werde auch an den sprachlichen Stilfiguren und dem poetischen Charakter der Sprüche deutlich.

Das „bindende Prinzip“ in den Stellen über die Rute sei demzufolge „die unbedingt notwendige konsequente Erziehung (und Bestrafung) durch die Eltern, nicht die auf dem Hintergrund der alt-vorderorientalischen Praxis geschilderte körperliche Züchtigung der Kinder“. Außerhalb der Sprüche fordere die Bibel nirgendwo dazu auf, Kinder zu schlagen – nur dazu, sie streng und auch mit Strafen zu erziehen.

Es gebe viele andere Möglichkeiten, um Kindern auch ohne Prügel Grenzen aufzuzeigen, resümiert der Autor. Christen sollten in der säkularen Gesellschaft sowohl privat als auch öffentlich für eine konsequente Erziehung eintreten, die aus der Liebe zum Kind geschehe. So könnten sie in der Öffentlichkeit auf authentische Weise Missverständnissen vorbeugen und dem Vorurteil entgegenwirken, gewaltsame Erziehung sei typisch christlich. (pro)
http://www.ethikinstitut.de/fileadmin/ethikinstitut/redaktionell/Texte_fuer_Forum_Ethik/24-Gewalt_in_der_Erziehung.pdf
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