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Sterben leichtgemacht?



Der ehemalige Fußballprofi Timo Konietzka trinkt in der Schweiz einen Gift-Cocktail und bestimmt damit selbst über das Ende seines Lebens. Nun hat der Medizinethiker und Philosoph Giovanni Maio in einem Essay in der Tageszeitung "Die Welt" für den Hospizgedanken als Alternative zum assistierten Suizid plädiert.
Von PRO

Foto: openlens / Fotolia

"Wie kann es sein, dass wir scheinbar verlernt haben, adäquat auf einen Suizid zu reagieren? Eine Gesellschaft, die den Suizid nicht mit Bestürzung auffasst, sondern ihn als eine nachvollziehbare Tat deklariert, läuft Gefahr, auch andere Menschen in den Tod zu schicken", bemängelt Giovanni Maio, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Freiburg. Die Hinnahme  eines assistierten Suizids sende auch das Signal, dass "unsere Gesellschaft" dies nachvollziehen könne und für vernünftig halte. Im Angesicht einer Krankheit Hand an sich zu legen, werde gerade die Zweifler überlegen lassen, ob ihr Leben noch wertvoll ist "und ob sie nicht etwa nur noch zur Last fallen".



"Autonomie" des Patienten Raum geben?


Hinter der breiten Zustimmung des assistierten Suizids verberge sich nichts weniger als "eine verdeckte Tendenz zur totalen Abwertung verzichtvollen Lebens, zur Geringschätzung allen behinderten Lebens, eine Tendenz zur vermeintlich freiwilligen Abschaffung allen gebrechlichen Lebens", ist Maio überzeugt. Die Gesellschaft dürfe weder am Anfang noch am Ende des Lebens aussortieren. Gerade in diesen Phasen bedürfe es der besonderen Zuneigung zu den Menschen. "Stattdessen gilt es immer mehr als ein Leben, das eigentlich doch gar nicht sein müsse, wenn man nur der ‘Autonomie’ des Patienten mehr Raum geben würde", schreibt Maio.



"Verbrämt hinter einer Autonomiediskussion findet eine Sichtweise Verbreitung, nach der allein der unabhängige und sich selbst versorgende Mensch ein wertvolles und sinnvolles Leben führen kann", ergänzt er. Sobald dies nicht mehr der Fall sei, werde das Leben automatisch zum Unleben. Der Wissenschaftler sieht darin den Größenwahn einer modernen Gesellschaft, in der nur Freiheit und Leistungsfähigkeit als Werte gelten.



Auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein, bedeute für etliche der Sterbenden einen erheblichen Kontrollverlust. Die Gesellschaft wolle die Angst vor dem Kontrollverlust und dem Loslassen nicht wahrhaben und deute sie um in ein Pathos der Freiheit. Dabei übersehe sie aber, dass echte Freiheit eher darin bestehe, die Wesensmerkmale des Menschseins zunächst anzunehmen und zu realisieren. Die Gesellschaft müsse lernen loszulassen – "auch von der Fiktion des durchgängig selbstbestimmten Lebens".



Kultur des Beistands etablieren



Ziel müsse es sein, eine Kultur des Beistands und der Sorge zu etablieren, bei der den Verzweifelten Zuversicht, Trost, und neue Perspektiven aufgezeigt würden: "Solange ein Leben existiert, ist dieses Leben wie ein Licht; um es zu sehen, muss man nur die Augen öffnen." Hospizdienst und die Palliativmedizin stünden symbolisch für diesen Trost und für die Hochschätzung des Lichts.



Er persönlich wünsche sich nicht den Ruf nach einer Liberalisierung des assistierten Suizids, sondern eine Besinnung auf den Kern des Problems: "Je mehr die Politik Signale der Unterstützung des assistierten Suizids sendet, desto mehr entfernt sie sich von der eigentlichen Aufgabe einer humanen Gesellschaft, die nur darin liegen kann, Trost und Zuversicht zu spenden und dies erst recht und gerade bei sterbenden Patienten", bilanziert der Mediziner. (pro)

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