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Stein auf Stein – zur christlichen Legostadt

Margarete und Knut Ahlborn bauen in Gemeinden zusammen mit Kindern Legostädte, um sie spielerisch mit dem christlichen Glauben vertraut zu machen. Die Idee geht auf einen Pionier zurück, der im rechten Moment sein Legoreich aufteilte.
Von PRO
Eine Kinderhand setzt das selbstgebaute Haus in die Legostadt in der Christus-Gemeinde in Neukirchen-Vluyn

Foto: pro/Michael Müller

Eine Kinderhand setzt das selbstgebaute Haus in die Legostadt in der Christus-Gemeinde in Neukirchen-Vluyn

Der hohe Turm wankt bedenklich, als ihn die Kinder anheben und in die Legostadt tragen. Zuerst stabilisieren sie ihn auf einem Zwischentisch, dann bringen sie ihn mit vereinten Kräften auf die Platte. Der Turm reicht bis unter die Decke der Christus-Gemeinde in Neukirchen-Vluyn. Viel Durchhaltekraft hätten sie für das anspruchsvolle Bauprojekt nicht gebraucht, sagt Elia. Es sei „easy peasy“ gewesen. Der zwölfjährige Junge hat sich mit anderen Kindern in den vergangenen zwei Tagen hauptsächlich dem Turmbau gewidmet. Die Deckenhöhe des Gemeinderaums hatten sie ausgemessen. Leicht schräg steht der Turm aus lila-gelb-schwarzen Legosteinen nun dort – aber er hält. Das Bauwerk stellt selbst das imposante rot-schwarze Kirchengebäude in den Schatten, für das Kinder gerade einen angrenzenden Friedhof bauen.

„Kinder bauen lieber nach einem Plan, als nur ihre eigenen Ideen verwirklichen zu wollen“, sagt Knut Ahlborn. Er und seine Frau Margarete sind Mitarbeiter von kids-team. Die Organisation, die auf Spendenbasis arbeitet, bringt Legosteine in Gemeinden. Die Mitarbeiter bauen mehrere Tage mit Kindern eine Stadt aus Lego auf und machen sie dabei mit biblischen Geschichten und der Liebe von Gott bekannt. In Neukirchen-Vluyn sind rund 250.000 Steine im Einsatz. Ahlborn weist auf die Details des Turms hin: da sind Fensterputzer an der Fassade zu erkennen. Auch gibt es Figuren zu entdecken, die an der Außenseite des Turms hängen. Ahlborn erzählt, wie Kinder mit den Steinen auch Erfahrungen aus der Realität verarbeiten. Ein Kind habe zum Beispiel ständig Radarfallen gebaut. Später stellte sich heraus, dass der Vater wiederholt geblitzt worden war. Ein anderes Kind hat sich auf das Autobauen und die Zugschiene spezialisiert, die durch die gesamte Stadt führt. Später würde es gerne Rennfahrer werden.

Mit vereinten Kräften heben die Kinder den wackeligen Turm auf die Bauplatte Foto: pro/Michael Müller
Mit vereinten Kräften heben die Kinder den wackeligen Turm auf die Bauplatte

Predigt so wichtig wie Beziehung zu Kindern

Das kids-team ist zum dritten Mal in der Christus-Gemeinde Neukirchen-Vluyn zu Gast. Acht Gemeindemitglieder, darunter auch Pastor Wolfgang Louis, unterstützen die Kinder, geben Hilfestellungen und leiten sie an. Nur wenige der 26 Kinder kommen aus der Evangelischen Freien Gemeinde. Die meisten sind Schulkinder, die auf die Aktion aufmerksam geworden sind, welche die Gemeinde während der Herbstferien anbietet. Die Eltern können ihre Kinder in die Obhut des Teams geben, während sie selbst arbeiten gehen.

„Die Beziehung zu den Kindern ist genauso wichtig wie die Predigt“, sagt Ahlborn. Drei Punkte stehen bei der Arbeit des 56-Jährigen im Mittelpunkt: Die Kreativität der Kinder zu fördern. Das soziale Miteinander sei ganz wichtig. Außerdem sollen die Kinder mit Gott als Schöpfer vertraut gemacht werden. Zwischen den Bauphasen und dem gemeinsamen Mittagessen treffen sich alle noch ein weiteres Mal am Vormittag. Ahlborn hält eine Andacht, bei der die Kinder zusammen singen und ihm zuhören, wie er von Jesus erzählt. Auf einem Suchbild können die Kinder, die mindestens acht Jahre alt sind, zum Beispiel entdecken, was Gott alles erschaffen hat.

Knut Ahlborn hält eine Andacht mit Legofiguren Foto: pro/Michael Müller
Knut Ahlborn hält eine Andacht mit Legofiguren

Ahlborn sieht sich und seine Frau als Multiplikatoren. Dabei haben sie sich das Konzept nicht ausgedacht. Sie betreiben es im Sinne von Gerhard Windhövel weiter. Er ist der Erfinder der christlichen Legostadt. In Neukirchen-Vluyn sind zwar nicht direkt Steine aus dessen Sammlung im Einsatz, aber einige seiner Gebäudemodelle und Sortiersysteme für die Steine sind es schon. Der heute 78-jährige Windhövel war in den Achtzigerjahren nicht nur einer der Vorreiter, Kindern beim Bauen von Legostädten mit Jesus Christus bekannt zu machen. An einem entscheidenden Punkt in seinem Leben entschloss sich Windhövel auch, seine jahrelang angesammelten Legostädte an verschiedene Nachfolger weiterzugeben.

Knut und Margarete Ahlborn (r.) mit dem ehrenamtlichen Team der Christus-Gemeinde Foto: pro/Michael Müller
Knut und Margarete Ahlborn (r.) mit dem ehrenamtlichen Team der Christus-Gemeinde

Vorreiter der christlichen Legostadt

Gründer Windhövel organisierte das erste fromme Legobauen im Jahr 1984. Nach einer Jungscharstunde lud er die Kinder zum gemeinsamen Bauen ein. Seine Mutter gab das Geld, um die ersten Steine zu kaufen. Über Kleinanzeigen vergrößerte Windhövel die Sammlung.

„Ich bin legogeschädigt“, sagt Windhövels Ehefrau Rita, die anfangs nicht mit ihm zu Bauwochenenden durch die Republik fuhr, sich aber später überzeugen ließ. Über Mundpropaganda erfuhren andere Gemeinden von dem Projekt und luden Windhövels ein. Überall sei Lego gewesen, erzählt sie: „In der Waschmaschine, im Auto und in der Wohnung. Die Steine wusch mein Mann in Kopfkissenbezügen.“ Nachts lag er wach, weil er über neue Gebäudemodelle nachdachte, die er für die Legostädte erfinden könnte. Mit 60 Jahren gab er seinen regulären Job als Erzieher auf, um sich ganz dem Legoprojekt zu widmen.

Natürlich darf eine Kirche in der Legostadt nicht fehlen Foto: pro/Michael Müller
Natürlich darf eine Kirche in der Legostadt nicht fehlen

„Die Idee, über das Spielen und Bauen den christlichen Glauben zu vermitteln, war bei ihm von Anfang an da“, sagt Ehefrau Rita, die für Windhövel spricht. Nach einer Hirnblutung vor einigen Jahren fällt dem Gründer der Legostadt das Sprechen schwer. Sie erklärt: „Was nützt es Kindern, wenn sie viel Spielzeug in ihren Zimmern haben, aber ihre Herzen leer und voller Sehnsucht sind?“ Die Kinder müssten auch wissen, wie sie ihr eigenes „Lebenshaus“ bauen könnten und dass es für die Welt einen übergeordneten „Bauplan“ gebe.

Die Idee, Gebäude aus der Stadt oder der näheren Umgebung mit Legosteinen nachzubauen, geht auf Pionier Gerhard Windhövel zurück Foto: pro/Michael Müller
Die Idee, Gebäude aus der Stadt oder der näheren Umgebung mit Legosteinen nachzubauen, geht auf Pionier Gerhard Windhövel zurück

Im Jahr 2002 teilte Windhövel die Steine auf. Fünf komplette Legostädte reichte er weiter: An den Sächsischen Jugendverband „Entschieden für Christus“, den Gemeinschaftsverband in Sachsen-Anhalt, die Evangelische Gesellschaft, die Bibelschule Wiedenest und den Bibellesebund Schweiz. Er traf die Verantwortlichen, wies sie in die Arbeit mit den Legostädten ein, erklärte die Sortiersysteme und übergab seine kopierten Gebäudepläne. Laut Knut Ahlborn sind heute 30 verschiedene Menschen in Deutschland mit Windhövels Ideen und zum Teil auch mit seinen Steinen unterwegs. Dessen Nachfolger erreichen bis zu 100.000 Menschen im Jahr.

Dieser Artikel ist der Ausgabe 6/2017 des Christlichen Medienmagazins pro entnommen. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich per Telefon 06441-915-151, per E-Mail an info@kep.de oder online.

Von: Michael Müller

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