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Spotlight: Oscars für Film über Missbrauchsskandal

Der Film „Spotlight“ über Missbrauch in der katholischen Kirche hat zwei Oscars gewonnen. Regisseur und Autor Tom McCarthy erzählt darin die wahre Geschichte über ein Reporterteam des Boston Globe, das im Jahr 2002 einen Missbrauchsskandal in der US-Erzdiözese Boston aufdeckte.
Von PRO
Das Reporterteam „Spotlight“ deckt einen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Boston auf

Foto: KinoCheck/Youtube; Screenshot pro

Das Reporterteam „Spotlight“ deckt einen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Boston auf
„Spotlight“ gewann den Oscar in der Kategorie „Bester Film“ sowie als „Bestes Originaldrehbuch“. Der Film von Tom McCarthy behandelt die Geschichte um den Bostoner Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche um die Jahrtausendwende. Im Jahr 2001 wird Journalist Marty Barton neuer Herausgeber der Tageszeitung The Boston Globe. Durch einen Zeitungsartikel wird er auf einen pädophilen Priester und den Erzbischof von Boston, Kardinal Bernard Law, aufmerksam, die Missbrauchsfälle in der Kirche angeblich unter den Tisch kehren. Barton beauftragt sein Reporterteam „Spotlight“ mit der Recherche des Falles. Die Journalisten entdecken, dass die Missbrauchsfälle bewusst von der US-Erzdiözese Boston vertuscht werden und dass es etwa 90 Priester gibt, die sich regelmäßig an Kindern vergehen. Die Ergebnisse der Recherchen führen die Reporter zu den Familien der Opfer und weiten sich zur Aufdeckung einer der größten Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aus. In Folge der realen Berichterstattung im Jahr 2002 musste Kardinal Law seinen Posten als Erzbischof räumen. McCarthy feiere mit seinem Film den „guten alten Journalismus“, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). „Ich glaube, wir sind da etwas aus der Spur geraten, mit all diesen Bürgerjournalisten, jeder hat nun eine Kamera und einen Twitterzugang“, habe der Regisseur über sein Werk gesagt. Spotlight sei ein „angenehm unscheinbarer Film“, zeige eintönige Redaktionsbüros und die lockere Kleidung der Journalisten, heißt es in der SZ. Gleichzeitig würden aber auch „alle Seiten der Affäre, die Opfer, die nach Jahren noch den Schmerz und die Scham in sich tragen und die Verzweiflung, sich an niemanden wenden zu können“ deutlich. Auch jene, „die sich vergangen haben, und alle, die ihnen verständig helfen, dies zu vertuschen“ würden porträtiert.

„Ermutigung für kritischen Journalismus“

In seiner Dankesrede bei der Oscar-Verleihung sagte Co-Produzent Michael Sugar, er hoffe, der Film sende ein Signal an den Vatikan. „Papst Franziskus: Es ist an der Zeit, die Kinder zu schützen und den Glauben wiederherzustellen“, zitiert ihn die Zeitung Die Welt. Ein Bericht in der ZDF-Nachrichtensendung „heute“ attestiert McCarthy keine Sensationslust am Skandal, sondern ein wissenschaftsähnliches Vorgehen: „Wie jemand, der sich mit den allgemein zugänglichen Ermittlungen nicht zufrieden gibt, weil er sich von den Vorgängen so aufgewühlt fühlt, dass er das ganze Ausmaß und die ganze Wahrheit offenlegen will.“ Im Gegensatz zur SZ bemängelt „heute“ jedoch, dass die Missbrauchsopfer selbst zu wenig im Mittelpunkt ständen. Trotz seiner hohen Sensibilität für das Thema sei der Film ein Zeitungsdrama, das sich auf die Reporter und den investigativen Journalismus konzentriere. Die „Gesellschaft katholischer Publizisten“(GKP) erklärte in einer Mitteilung, der Erfolg des Films sei „ein ermutigendes Signal für kritischen Journalismus“. „Spotlight“ werfe ein neues Licht auf die Bedeutung beharrlicher Recherche der Medien. „Zugleich ist unerschrockene aufklärerische Arbeit das beste Gegengift gegen finstere, denunziatorische Parolen wie ‚Lügenpresse‘“, sagte der GKP-Vorsitzende Joachim Frank. Auch in Deutschland sei die Aufdeckung des Missbrauchsskandals der katholischen Kirche und dessen Verschleierung nur durch „hartnäckige Arbeit kritischer Medien“ möglich gewesen. „Spotlight“ erschien im Jahr 2015. Der Film war im Januar für sechs Oscars nominiert worden – als bester Film und für Regie, Drehbuch, Schnitt und Nebendarsteller (Mark Ruffalo, Rachel McAdams). In deutschen Kinos ist der Film seit dem 25. Februar zu sehen. (pro)
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