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Spielfilm „Esther“ – zu lang, zu kompliziert

Ein amerikanischer Spielfilm, der die Geschichte der Königin Esther nacherzählt, ist nun auf Deutsch auf DVD erschienen. Für eine christliche Low Budget-Produktion sind einige hochkarätige Schauspieler beteiligt – fesseln kann der Film leider dennoch nicht. Eine Filmkritik von Jörn Schumacher
Von Jörn Schumacher
Die Geschichte von Esther, der jüdischen König in Persien, gehört zum Bestandteil der jüdischen Tradition. Das Purimfest geht auf diese Ereignisse im 5. Jahrhundert zurück: Haman, der höchste Beamte am Hofe des Perserkönigs Xerxes, rief zur Hatz auf die Juden im Land auf und wurde zum Inbegriff des antisemitischen Hetzers. Esther, die ihre jüdische Abstammung verheimlichte und zur Ehefrau des Königs wurde, sorgte dafür, dass es nicht zum Massenmord am jüdischen Volk kam. Der Film „Esther – One Night With The King“ erzählt in 118 Minuten diese Geschichte nach. Leider kommt dem Zuschauer die Laufzeit viel länger vor. Jedenfalls jedem, der die Erzählstruktur moderner Hollywood-Produktionen gewöhnt ist. Die eigentlich gar nicht so komplizierte Geschichte aus dem Alten Testament will hier gar nicht recht in Fahrt kommen, man verliert schnell den Überblick über die vorgestellten Personen. Aber vor allem ist es dem Zuschauer nicht möglich, zu irgendeinem Charakter einen Zugang zu finden. Die Liebesbeziehung zwischen Esther und Xerxes beispielsweise kommt durch gerade einmal ein Treffen zustande, das nur wenige Minuten dauert. Die beiden sprechen zwar miteinander, aber warum sie sich danach scheinbar unsterblich ineinander verlieben, bleibt völlig im Dunkeln. Zumal Xerxes kaum mehr ist als ein Schönling, der zwar Muskeln hat, aber sonst kaum etwas, was die plötzliche heftige Liebe Esthers zu ihm irgendwie plausibel machen würde. Auch ist Esther (Hadassah) ebenso wie ihr Vetter Mordechai zunächst voller Angst, weil König Xerxes sie womöglich als Königin auserwählen könnte; Später sind aber sowohl Esther als auch Mordechai ganz aus dem Häuschen darüber, als genau das passiert. Den Grund für diese emotionale 180 Grad-Wende hat der Zuschauer irgendwo verpasst. Ursprünglich erschien „Esther – One Night With The King“ bereits 2007 im englischen Original, nun gibt es den Film auf Deutsch übersetzt auf DVD. Der Regisseur Michael O. Sajbel tat sich bisher vor allem im Bereich Visuelle Effekte hervor, etwa für die „Hot Shots“-Filme. Beim Film „The Core – Der innere Kern“ war er Kameramann. Für den Esther-Film konnte er einige namhafte Schauspieler gewinnen, etwa Omar Sharif (als Prinz Memucan) und Peter O’Toole (als Prophet Samuel). Doch Ersterer ist nur in wenigen Szenen zu sehen, und Letzterer so gut wie gar nicht. Esthers Vetter Mordechai wird von John Rhys-Davies gespielt, der in der „Der Herr der Ringe“-Trilogie den Zwerg Gimli spielte. Ebenfalls aus diesem Kassenschlager bekannt ist John Noble, der damals als Denethor durch Mittelerde spazierte und nun zum persischen Prinz Admantha wurde. Manchem dürfte auch das Gesicht von Hegai, dem königlichen Eunuchen, bekannt vorkommen. Es gehört Tommy ‚Tiny‘ Lister, dem sympathischen schwarzen Muskelprotz, der bereits in vielen großen Hollywood-Filmen Nebenrollen übernahm. Gedreht wurde der Film in Indien und in den USA, was ihm einen durchaus ansehnlichen „morgenländischen“ Touch verleiht.

Roter Faden schwer zu finden

Leider sind die ersten 20 Minuten etwas verwirrend. Es wird kein roter Faden verfolgt, die Gefahr ist nicht gering, den Überblick sowohl über die vorgestellten Personen als auch über die Sprünge zwischen Rückblenden und Gegenwart zu verlieren. Fast möchte man dem Zuschauer als Orientierungshilfe die vorherige Lektüre des Buches Esther empfehlen. Der Schnitt funktioniert an vielen Stellen einfach nicht, manche handwerklichen Schnitzer wären sicher an einer Filmhochschule schon im ersten Semester bemängelt worden. Die quasi permanent dudelnde Streicher-Musik wirkt willkürlich – und nervt sehr bald. Es ist löblich, dass die Geschichte von Esther, der jüdischen Königin, erneut auf Farbfilm gebannt wurde. Doch es ist fraglich, ob auch Kinder und Jugendliche die Geschichte hier ganz erfassen können – oder gar Gefallen daran finden. (pro)Esther – One Night With The King, Produktion: Gener8Xion Entertainment, erhältlich bei Gerth Medien, DVD 118 Minuten, 12,99 Euro, FSK 12, ISBN 4051238021752
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