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Spielend Religion vermitteln



Wie viele religiöse Inhalte stecken in Computerspielen? Dieser Frage geht der Theologe Michael Waltemathe nach – und kommt dabei zu interessanten Ergebnissen.


Von PRO

Foto: EKD/pro

Waltemathe lehrt an der Ruhr-Universität in Bochum
Religionswissenschaften und erforscht ein für seinen Berufsstand eher
ungewöhnliches Feld. So interessiert er sich für die Nachtelfen des
Spiels "World of Warcraft", das nach Angaben des Herstellers derzeit elf
Millionen Menschen weltweit spielen. Die Elfen begrüßen sich mit dem
Spruch: "Friede sei mit Euch." Dieser Satz gehöre auch zum
Sprachgebrauch vieler Pastoren, wenn sie Gottesdienstbesucher
verabschieden. Der Theologe sieht in der Benutzung dieser Worte keinen
Zufall. "In Computerspielen finden sich viele theologische
Versatzstücke", erklärt der 39-ährige in einem Interview mit dem
Nachrichtenportal "heute online" des ZDF. Bei WoW, wie das Spiel "World
of Warcraft" in der Szene genannt wird, gebe es auch religiöse Rituale
wie Hochzeiten und Bestattungen.



In dem Spiel "Black & White" schlüpfen die Spieler selbst in die Rolle Gottes. Gewonnen hat das Spiel, wer die meisten Anhänger um sich schart. "Dafür muss der Spieler seinen Anhängern etwas Gutes tun", erklärt Waltemathe. Gerade Kinder, so hat der Forscher herausgefunden, stellen sich vor, dass sie zu Gott beten und dann als eine Art "Deal" eine Gegenleistung bekommen.



"Hier kann man alles hinterfragen"



Eine klare Rollenverteilung von Gut und Böse existiert für den Theologen in dem Spiel "Catechumen", das die christliche Computerspielfirma "N’Lightning" auf den Markt gebracht hat. Die Spieler müssen darin ihren Mentor gegen "den mächtigen Satan des Römischen Reiches" befreien. Ein weiteres Beispiel aus dem "evangelikalen" Lager sei das Spiel "Left behind – Eternal forces", das es bis in die amerikanische Kult-Serie "Simpsons" geschafft hat und dort karikiert wird. In dem Spiel stürzen Flugzeuge ab, weil die Piloten entrückt wurden. In Analogie zur Johannes-Offenbarung bleiben die Sünder auf der Straße zurück. Irritiert ist Waltemathe vom Rollenverständnis des Spiels: "Als Mann kann man kämpfen, Frauen können nur Krankenschwester werden und Musik spielen."



Dass Waltemathe nicht nur Theoretiker ist, hat er im vergangenen Jahr bewiesen. Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), entwickelte er zum 500. Geburtstag des Reformators Johannes Calvin das Online-Spiel "Destination 2064". Für Waltemathe eignen sich Computerspiele gut, um Religion zu lernen. "Bei ‘Destination 2064’ kann man alles hinterfragen und verschiedene Sichtweisen der Dinge lernen", sagt er in Bezug auf das von ihm entwickelte Spiel. Mit dem Thema "Religionen und Rituale in virtuellen Welten" befasst sich derzeit auch ein Kolloquium von Nachwuchswissenschaftlern an der Universität Bremen. (pro)

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